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11:15 22.05.2017
Auch Sunshine Brass aus Suhl waren Teil der großen Stimmungsschaffe am Sonntag.
Dresden

Acht Tage lang hatte das Jazz-Fieber Dresden fest im Griff. Rund 370 000 Besucher klatschten und wippten in der vergangenen Woche zu den Klängen von Saxophon, Banjo oder außergewöhnlichen Stimmen. Zuerst erfasste es die Jüngsten: Am vergangenen Dienstag fand zu Beginn des 47. Dixielandfestivals das „Dixieland-ABC“ im Dresdner Rundkino statt. Die Musiker nahmen die Fünf- bis Achtjährigen mit auf eine Zeitreise in den Jazz der 20er Jahre.

Das Dixieland-Festival fand mit der Dixie-Parade am Sonntag seinen Höhepunkt. Die DNN haben das Spektakel durch die Dresdner Innenstadt begleitet.

Die anderen Generationen packte das Dixie-Fieber spätestens am Donnerstag, als Dresdens Raddampfer-Flotte bei der Riverboat-Shuffle dem Sonnenuntergang entgegen schipperte. Zahlreiche Schaulustige beklatschten die acht Schiffe mit Boogie Woogie an Deck, schon bevor es richtig losging. Das farbenfrohe Höhenfeuerwerk zum Abschluss der Riverboat-Shuffle zog auch die Dresdner an, die Jazzklängen sonst eher selten lauschen.

Eindrücke der traditionellen Riverboat-Shuffle des Dresdner Dixieland-Festivals.

Das gleiche Phänomen zeigte sich ab Samstagmorgen auf der Jazzmeile in der Prager Straße. Eingeschworene Swing-Fans und Neugierige Samstags-Shopper applaudierten gemeinsam den zahlreichen Künstlern aus allen Winkeln Europas auf den sechs Bühnen in der Einkaufsmeile. Mit steigender Wettertemperatur stieg auch die Stimmung auf der Meile. Während sich um elf Uhr morgens erst einige „Träubchen“ vor den Bühnen gebildet hatten, verwandelte sich die Jazzmeile am Nachmittag in ein Straßenfest.

Wer noch mehr von der Stadt sehen wollte, konnte sich mit der Dixie-Tram auf Stadtrundfahrt begeben, denn das Jazzfieber hatte am Samstag auch die DVB gepackt. Die Swing-Formation Sunshine Brass machte ihrem Namen alle Ehre und sorgte schon vor der Abfahrt an der Wendeschleife Wallstraße für gute Laune unter den Schaulustigen in der Nachmittagssonne. Anschließend fanden die Musiker in dem normalerweise für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer reservierten Bereich genug Platz, um mit Tuba, Drums und Posaune den Jazz auf die Schiene zu bringen.

Für ein besonderes Schmankerl mussten die Dixieland-Fans den „MississippiDresdens überqueren, um im Alten Schlachthof bei der Jazzgala von einem der besten Drummer der Szene mitreißende Rhythmen auf die Ohren zu bekommen. Der Schweizer Charly Antolini bildete den Abschluss der Gala. Doch schon bei den vorherigen Künstlern brandete immer wieder Szenenapplaus auf, der die wenigen leergebliebenen Stuhlreihen vergessen ließ. Als die ungarische Formation Hot Jazz Band den Song „Just a Gigolo“ ankündigte, quittierte das fachkundige Publikum dies mit einem freudigen Raunen, das durch den Saal rollte. Der Trompeter verlangte sich und seinem Instrument beim fulminanten Schlussakkord alles ab, was das Publikum zu aufbrausendem Applaus verleitete, während er sich die Schweißperlen von der Stirn wischte.

Zeitgleich fand dieses Jahr eine Premiere statt: Das Jazzfieber überwand das Immunsystem des Italienischen Dörfchen und ermöglichte den Dixieland-Fans eine stimmungsvolle Jazznacht. Besonders die russische Seele der Uralskiy Dixieland fand großen Anklang. Nicht ohne Grund: Die weit gereisten Musiker waren schon im Vorfeld mit viel Herz bei der Sache. Um die Reise- und Visakosten zu decken, rief die dortige Philharmonie zu einer Spendenaktion auf, um den Jazzern den Besuch in Elbflorenz zu ermöglichen.

Nach der Open-Air Gala am Sonntagmorgen in der Jungen Garde im Großen Garten, die laut Organisationsmitglied Hendrik Meyer mehr Besucher ins Jazzfieber brachte als in den Vorjahren, bildete die Parade am Nachmittag den Abschluss einer guten Woche Dixieland. Begleitet von tausenden Schaulustigen zogen Musiker, Maskottchen und historische Vehikel durch die Altstadt.

Schon am frühen Samstagmorgen war die Stimmung auf der Prager Straße kaum zu toppen. An sechs Jazzbühnen wippten die Besucher im Takt der Musik. Die DNN waren mittendrin im Spektakel.

Der Veranstalter zeigte sich, trotz leichten Besucherrückgangs auf den 40 Veranstaltungen mit 221 Auftritten aus elf Nationen, sehr zufrieden mit dem Verlauf des Festivals. Für das Jubiläum zur 50. Auflage im Jahr 2020 ist Großes geplant. „Wir wollen das Dynamo-Stadion, die Rennbahn oder die Semperoper“, sagte der Festivalleiter Joachim Schlese. Fest steht, dass es eine Gala mit Vertretern aus allen Nationen geben wird, die bisher in der Dixieland-Geschichte auf der Bühne standen.

Von Tomke Giedigkeit

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