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Meisterkonzerte vereinen mittelalterliche Klänge mit denen der Gegenwart

Meisterkonzerte vereinen mittelalterliche Klänge mit denen der Gegenwart

Jedes Jahr zwischen dem Moritzburg Festival und den Dresdner Musikfestspielen lädt der Cellist Jan Vogler als künstlerischer Leiter der Kammermusikreihe "Meisterkonzerte" international renommierte Künstler auf Schloss Albrechtsberg und in die Musikhochschule ein.

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Eröffnen den Reigen der Meisterkonzerte: Capella de la Torre.

Quelle: Thorsten Eichhorst

Dresden. Die fünf Konzertabende der neuen Saison verbindet erstmals ein Leitfaden: "Historisch - Authentisch - Gegenwärtig" heißt das Motto, das zugleich Brücken von der Gegenwart in die Vergangenheit sowie - mit den ersten drei Konzerten - von Dresden nach Italien baut. Besonders augenfällig wird dies im Auftaktkonzert am Donnerstag, das den Leitfaden gleich in mehrfacher Hinsicht aufnimmt: Historisch informiert ist die Aufführungspraxis, die die Capella de la Torre verfolgt, authentisch ist das Spiel des Spezialensembles für Musik aus der Zeit der Renaissance und dabei doch gegenwärtig auf das heutige Publikum zugeschnitten. Zudem schlägt das Programm mit italienischen Volksliedern (Frottole) einen Bogen zur Musikgeschichte der Stadt, die ja bis zum 18. Jahrhundert in besonderer Weise von den Italienern beeinflusst war.

Das Ensemble feiert zudem just in diesem Herbst seinen 10. Geburtstag, das Gründungskonzert fand 2005 in der Dresdner Dreikönigskirche statt. "Umso schöner ist es, dass Capella de la Torre zum Jubiläum in Dresden auftreten kann", sagt Katharina Bäuml, die künstlerische Leiterin der Gruppe. Zum Auftakt der Meisterkonzerte bringt das Ensemble unter dem Titel "Un sonar de piva" italienische Bläsermusik aus der Zeit Sandro Botticellis (1445-1510) mit nach Dresden. Es handelt sich dabei um Volkslieder aus dem ältesten Dokument der italienischen Frottole-Tradition: dem Manuskript "MS Aninori 158" aus der Bibliotheca Madicea-Laurenziana in Florenz. Die Musik und die Texte wurden in Rom zwischen 1501 und 1506 zusammengetragen, vieles davon findet sich ebenfalls in einer Sammlung von Frottole-Drucken von Petrucci, Antico, Dorico und Pasoti, die zwischen 1504 und 1531 erstellt wurde. Komponisten waren unter anderem Cara, Festa, Mantovano, Pifaro und Tromboncino. "Es gibt viele Quellen, die darüber Auskunft geben, wie zur Zeit Botticellis musiziert wurde. Diesen Quellen gehen wir im Konzert nach und versuchen, so authentisch wie möglich die Klänge des 15. und 16. Jahrhunderts wiederzubeleben", erzählt Katharina Bäuml.

Im Konzert werden auf diese Weise längst vergangene Zeiten akustisch wiederbelebt - und neu entdeckt. Denn da es keine Editionen dieser teils vergessenen Werke gibt, mussten diese von der Capella de la Torre erst einmal gefunden, dann neu arrangiert und geprobt werden. Oft ist dem Klangerlebnis eine jahrelange Forschungs- und Probenarbeit vorausgegangen. "Das Konzert ist das Ergebnis eines Prozesses, in dem sich viele einzelne Teile zu einem Ganzen zusammenfügen", so Bäuml. Sie selbst sei schon als Kind mit der Musik des Mittelalters und der Renaissance in Berührung gekommen. "Nach meinem Studium der modernen Oboe und zahlreichen Erfahrungen mit anderen Musikstilen komme ich immer wieder gern zur Renaissancemusik zurück, die ich klanglich ganz besonders reizvoll finde."

Die Instrumente, auf denen die Capella de la Torre spielt, sind allesamt Nachbauten historischer Vorbilder. Die Gruppe widmet sich insbesondere der Musik für historische Blasinstrumente, wie Schalmei und Pommer, beide Vorgänger der heutigen Oboe, Posaune, und Dulzian, dem Vorläufer des heutigen Fagotts. "Das waren die üblichen Instrumente an Königs- und Fürstenhöfen der Renaissance, sie erklangen aber auch in der Kirchen- und Volksmusik. Laute und Percussion ergänzen unser Quartett, auch das ganz nach historischem Vorbild", erklärt Katharina Bäuml. "Gleichzeitig musizieren wir natürlich für das Publikum von heute. Deshalb werden wir mit den Kompositionen und mit Hilfe der Improvisationstechniken aus der frühen Neuzeit einen Bogen in die Gegenwart schlagen."

Dieser dramaturgische Bogen wird auch in den nachfolgenden Meisterkonzerten verfolgt: Zunächst laden der renommierte Geiger Giuliano Carminola & Friends am 8. Dezember mit Werken aus der Feder von Vivaldi, Porpora, Scarlatti und Matteis zu einer musikalischen Zeitreise hin zur neapolitanischen Musik des Barock ein. Mira Wang (Violine) und Ismo Eskelinen (Gitarre) setzen dies am 17. Februar mit Duos für Violine und Gitarre von Paganini und Giuliani fort. Einen Ausflug in die Wiener Klassik unternehmen das Chiaroscuro Quartett und Kristian Bezuidenhout am Hammerflügel am 21. April 2016 mit Kompositionen von Mozart und Beethoven. Im letzten Meisterkonzert der Saison am 10. Juni wird die Pianistin Sina Kloke Bach, die Romantiker Gernsheim und Bargiel und Enescu vereinen.

www.moritzburgfestival.de www.capella-de-la-torre.de

Nicole Czerwinka

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