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08:58 07.09.2017
Matthias Wollong spielt die Geige von Bruno Apitz.  Quelle: dpa
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Dresden

Normalerweise musiziert Matthias Wollong auf einer Guarneri. Heute Abend nimmt der Erste Konzertmeister der Sächsischen Staatskapelle Dresden aber mal nicht seine alte Italienerin in die Hand, sondern ein Instrument mit ganz eigener Geschichte. Heute Abend musiziert er auf der „Geige von Buchenwald“.

Diese Geige ist einzigartig. Sie ist eines der wenigen Instrumente, die das Konzentrationslager Buchenwald überstanden haben – im Gegensatz zu Zigtausenden vom Nazi-Regime dort ermordeten Menschen – und heute wieder ihrem ureigensten Zweck zugeführt wird, der Musik.

Matthias Wollong spielt die Geige von Bruno Apitz. Quelle: Candy Welz/dpa

Diese Geige hat Bruno Apitz gehört, dem kommunistischen Widerstandskämpfer und Schriftsteller, der 1958 den Roman „Nackt unter Wölfen“ veröffentlichte. Über Jahrzehnte lag sie in der Asservatenkammer von Buchenwald, Apitz’ Witwe hatte sie der Gedenkstätten-Stiftung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Nun aber hat Martin Kranz, Intendant der Achava-Festspiele Thringen, den Kontakt zu Matthias Wollong gesucht und ihm über die „Geige von Buchenwald“ berichtet. „Ich habe davon nichts gewusst“, räumt der in Weimar lebende Musiker ein, „war aber sofort fasziniert von dieser Geschichte.“ Über Apitz und dessen Lagerhaft war er natürlich im Bilde, sowieso über dessen bekannten und mehrfach verfilmten Buchenwald-Roman. „Aber dass er auch Geige gespielt hat, war mir unbekannt.“

Im DNN-Gespräch erläutert Matthias Wollong nun, wie ihn die Violine von Bruno Apitz beeindruckt habe. „Das ist schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man bedenkt, welche Geschichte dieses Instrument hat. Bruno Apitz hat sie erst im Lager gegen seine alte Geige getauscht, muss sie also schon sehr geschätzt haben.“ Wollong, durch den exzellenten Klang seiner vor ein paar Jahren erworbenen 1676er Guarneri mehr als verwöhnt, ist allerdings auch über die schiere Geschichte hinaus von der Buchenwald-Geige begeistert: „Sie ist sehr schön und sehr alt, vermutlich gut 150 Jahre. Man nimmt an, dass sie aus dem Vogtland stammt, sie könnte aber auch eine französische Arbeit sein.“

Nachdem das Instrument über Jahrzehnte eingelagert war, musste es behutsam restauriert werden. Wollong attestiert der Geige einen guten Zustand, lediglich Steg, Stimme und Bassbalken mussten erneuert werden. „Das ist eine sehr sauber gearbeitete Meisterarbeit, für mich als Musiker ist nun natürlich interessant, was man damit alles machen kann.“

Im heutigen Gesprächskonzert in der Erfurter Peterskirche wird Wollong neben zwei Sätzen von Johann Sebastian Bach – „um den reinen Klang dieser Geige vorzustellen“ – auch einige Kompositionen darbieten, die einst im Lager Buchenwald entstanden sind. „Kopf hoch“ war ein solches Lied, das damals bekannter gewesen sein soll als etwa die „Moorsoldaten“ oder das „Buchenwald-Lied“. Apitz soll diese Erkennungsmelodie auch bei der illegalen Trauerfeier für den im Sommer 1944 ermordeten KPD-Chef Ernst Thälmann gespielt haben und war ansonsten – neben seiner Lagertätigkeit im sogenannten Pathologie-Kommando – als Holzschnitzer sowie in der Lagerkapelle beschäftigt.

Zahlreiche Liedtexte schrieb Bruno Apitz während seiner Häftlingszeit. Vertont wurden sie vom Mitgefangenen Jozef Kropinski, einem polnisch-jüdischen Geiger aus Breslau. Das Gesprächskonzert ist Teil der diesjährigen Achava-Festspiele, die am 10. September zu Ende gehen. Neben der Musik wird es dabei auch um die Geschichte dieser „Geige aus Buchenwald“ gehen. Matthias Wollong betont, er sei sehr gespannt darauf, bei dieser Gelegenheit auch Marlis Apitz, die Witwe des 1979 verstorbenen Schriftstellers, kennenzulernen.

Von MICHAEL ERNST

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