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Regional Matthias Schweighöfer in Dresden - jetzt singt er auch noch
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08:12 04.09.2017
Matthias Schweighöfer in der Jungen Garde Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Mit der Selbsteinsicht „Ich bin ein Neuanfänger im musikalischen Bereich“ kokettierte der Interpret, der seine Fans üblicherweise von der Leinwand anspricht. In Sachen Film hat er eine große Anhängerschaft, die er allenfalls bei Premierenfeiern mal zu Gesicht bekommt. Von der Konzertbühne aus in Dresdens Garde war es nicht ganz einfach, die paarungswilligen Damen unter Kontrolle zu bringen, denn deren „Ausziehen!“-Rufe tönten bisweilen lauter und fordernder als das, was Matthias Schweighöfer dem entgegenzusetzen hatte. Während er die Gesangspausen mit kleinen Anekdoten füllen wollte, meldeten sich die Schwärmerinnen bedingungslos. Auch wenn sicher etliche mal davon träumen, dass ihm die Damen im Bühnengraben zu Füßen liegen, ist das kein leichtes Leben. Dafür war das Konzert ein gutes Beispiel. Hemmungslos und Peinlichkeit trifft die Situation vielleicht am ehesten. Kein Grund zum Nerven zeigen, allenfalls die Aufforderung, sich auch erstmal obenrum freizumachen, bevor Schweighöfer die Hüllen fallen lässt, sollte dem Treiben ein kurzes Ende setzen. Zur Entspannung trug es nicht bei, aber auch dafür fanden sich willige Damen. Es blieb das Konzert der eindeutigen Anspielungen, mit allem, was dazu gehört.

Matthias Schweighöfer auf Konzerttour in Dresden

Musikalisch setzte Schweighöfer nicht nur auf coole Zwischentexte, sondern auf eine gute Band, die gar nicht erst die Kuh vom Eis holen musste, sondern einfach nicht zuließ, dass irgendwas ins Rutschen kam. Gitarre, Bass, Schlagzeug, Percussion, Tasteninstrument, Streichquartett und Backgroundsängerinnen – das ganz große Besteck also. Ob die Liedtexte genau danach verlangten oder ob Schweighöfer gern die gigantische Show wollte, wenn er sich auf Tournee begibt, war immer wieder die Frage des Abends. Letzteres ist wahrscheinlicher. Große Gesten, viel Herz und eine ganze Menge geschönter Einblicke in Pseudo-Privates. Was von den Zwischentexten tatsächlich ernst gemeint war, wie vielen traurigen Trennungen und verpassten Gelegenheiten er musikalisch nachtrauert, das bleibt sein Geheimnis. Wer allerdings Lust hatte, sich auf eine fantasievolle Reise einzulassen und gar nicht hinterfragen wollte, der hatte durchaus etwas Freude dabei, sich auf diese Form der Gefühlsspiele einzulassen.

Es war nur von allem „Viel zu viel“ und dann recht dick aufgetragen. Nun kann man es nicht vergleichen, wenn Schauspielkollegen in Richtung Konzertbühne gehen und ein neues Genre für sich entdecken, ob diese da Jan Josef Liefers oder Axel Prahl heißen. Aber zumindest bei den letztgenannten vermittelt sich das Gefühl, dass sie sich von einer anderen Seite zeigen wollen, dass sie Spaß daran haben, den Menschen vor ihnen eine unbekannte Facette zu präsentieren. Genau das war doch aber das Erwartungsbild, welches so nicht bedient wurde.

Matthias Schweighöfer hatte das Glück und arrangierte es passend, dass neben ihm eine bemerkenswerte Band auf der Bühne stand. Diese Gruppe spielte alle Eskapaden bereitwillig mit, ohne dabei genervt zu wirken. Sie gossen das in Töne, was seine Tour „Lachen Weinen Tanzen“ ausmacht; sie rollten dem multitalentierten Schauspieler, Texter und Komponisten tatsächlich einen Teppich aus. So wurde aus der Hymne „Auf uns zwei“ ein Song ohne großen Firlefanz, „Deine Liebe“ konnte sich den Weg direkt ins Herz suchen, und das tourbeschreibende Stück „Lachen Weinen Tanzen“ verfehlte sein Ziel nicht, traf unvermittelt den Bewegungsnerv und transportierte die gewünschte Atmosphäre in eine der ersten kühleren Herbstnächte. Genau dorthin passte auch das schönste Lied des Abends. „Fliegen“ kennen seine Fans wohl bereits aus dem Film „Der Nanny“ und zeigt, was alles möglich ist, wenn Matthias Schweighöfer sich in einen Moment verliebt. Da wirkte er gelöst und nicht verschauspielert: „ ... und wenn ich fliegen muss, krieg ich das irgendwie hin ...“. Selbst sein Duett mit Philipp Poisel „Eiserner Steg“ kann da schwer mithalten.

So war das Konzert eine feine Show für alle Damen mit Hang zum kleinen Schwips und die passende Begleitung. Und weil sicherlich nicht alle ein Stück von ihrem Idol abbekommen haben, hat das wachgeküsste Gefühl gute Chancen gehabt, auf dem Heimweg nicht verloren zu gehen. Auch das ist ein schöner Nebeneffekt eines Spätsommerkonzertes.

Von Stephan Wiegand

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