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Regional Matthias Reim sang vor seinen Fans in der Garde
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10:04 29.08.2016
Matthias Reim in der Garde Quelle: Andreas Weihs
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Dresden

Überall in der Stadt waren die Plakate mit goldenen Schwingen und der Aufschrift „Phoenix“ zu sehen – und dieses „geflügelte Wort“ trifft wohl auf keinen deutschen Sänger mehr zu, als auf Matthias Reim, für dessen neue Tour hier geworben wurde. Wie kaum ein anderer Künstler vor ihm schoss er früh hoch in die Charts, um danach tief zu fallen. Später wandelte er seine Niederlagen in Erfolge. Immer wieder stand er auf, erst aus einem künstlerischen Tief, dann aus einer Insolvenz und kürzlich aus einem körperlichen Zusammenbruch. Ein Gleichnis zum Drachenvogel, der verbrennt und immer wieder aufs Neue aufersteht, das durchaus zutrifft. Wenn man dem 58-Jährigen ein Etikett anheften würde, ist es das: „Stehaufmännchen des Deutsch-Pop“. Seit Jahren ist in Medien von „Comeback-Konzerten“ die Rede, aber war er wirklich „weg“? Und „kam“ er wieder? Wie sehr er sich körperlich erholt hat und mit wie viel Energie er wieder seine Auftritte bestreitet, zeigte Matthias Reim jetzt gut gelaunt und unter freiem Himmel in der Dresdner Jungen Garde.

Mit „Alles was ich will“ setzt Reim einen Geradeaus-Pop an den Beginn seines Auftritts und liegt damit offensichtlich richtig. Sofort schwappt eine Welle der Begeisterung durch das Rund der Garde, und schon kommt von der Bühne ein „Hey ich hab mich so auf euch gefreut“. Jahrelange Spielerfahrung auf allen Bühnen, von der kleinsten Halle bis zum großen Open Air, hat die Setliste rundgeschliffen, die auf Bekanntes und die Hits setzt, aber auch auf Neues. Immer mal wieder werden Lieder ausgetauscht und durch aktuelle ersetzt. Eine schmale Gratwanderung, denn jeder Fan hat seinen Lieblingstitel, und auf den möchte er im Konzert keinesfalls verzichten. Reim macht sie alle glücklich, vor allem im zweiten Teil des Abends, als er die partytauglichen Gassenhauer auspackt und Lieder wie „Männer sind Krieger“, „Unverwundbar“, „Hallelujah“, „Küssen oder so“ und „Ich hab geträumt von dir“ in den dunkelblauen Dresdner Abendhimmel erschallen. Da gibt’s kein Halten mehr. Alles steht, klatscht, singt und tanzt. Und wo andere Künstler BHs oder Unterwäsche auf die Bühne geworfen bekommen, ist es bei Reim ein knuffiges Plüschtier.

Die Show kommt gänzlich ohne Schnickschnack aus, auch ein aufwändig gestaltetes Bühnenbild sucht man vergebens. Alles ist fokussiert auf den Sänger. Selbst seine Musiker, die hie und da mal mit einem Solo glänzen dürfen, sind schön an die Ränder der Bühne geschoben, die Mitte gehört zweifelsohne dem Star, der hier genügend Platz hat, sich auszutoben. Von seiner eben überstandenen Krankheit, einer Herzmuskelentzündung, ist hier jedenfalls nichts mehr zu spüren. Die Energie ist wieder da, und die Bühne ist auch nicht so groß, dass man sich verausgaben müsste. Das passt.

Wo Reim drauf steht, ist auch Reim drin. Überraschungen sind da nicht vorgesehen, aber auch nicht notwendig. Die Fans mögen genau das an ihrem Star. Der greift nun wieder ab und an zur Gitarre und lässt auch Mitch Keller, einem Neuzugang im Backgroundchor und Werbestar, sein Lied „Zuhause“ singen, dass jeder, der einem Fernseher oder aber ein neuartiges Empfangs-Medium sein Eigen nennt, bereits mitpfeifen kann, weil es schier unmöglich ist, der Präsenz der musikalischen Werbebotschaft auszuweichen. Die ist dazu auch noch eingängig, ein richtiger Ohrwurm. Auch das kam bestens an, Keller wurde gefeiert wie Reim selbst und lässt sich sogar zum spontanen Ausruf „Matze, du hast die geilsten Fans“ hinreißen. Na, wenn das nichts ist!

Reim singt in seinen Liedern über sein Leben. Vom Scheitern, von Neuanfang, Einsamkeit und Liebe, erfüllte und unerfüllte, von Sehnsüchten und all dem, was Leben sonst noch ausmacht. Nichts Konstruiertes, so oder ähnlich könnte das jedem passieren. Auch deshalb singen die Fans immer wieder Textpassagen lauthals mit, träumen dabei oder feiern, je nach Botschaft. Die Geschichten in und hinter den Liedern, die machen zum großen Teil den Erfolg von Reim aus. So etwas lässt sich nur mal kurz ausbremsen, aber nicht aufhalten. Das spiegelt sich auch im Auf-und-Ab in Reims Leben – privat und künstlerisch, ein wahrer Fundus für authentische, ergreifende Songtexte mit Stories, die das Leben schreibt. Die Fans sind dankbar dafür und halten ihm die Treue.

Und wer jetzt schon mehr als zwei Konzert-Stunden ausharrte, der bekommt zur Belohnung noch den Allzeit-Größten-Hit „Verdammt ich lieb dich“, mit dem seinerzeit alles begann, serviert und kann dazu noch einmal richtig abfeiern ...

Von Andreas Weihs

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