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Matthias Machwerk im Dresdner Comedy & Theater Club

Matthias Machwerk im Dresdner Comedy & Theater Club

Irgendwie merkwürdig: Da wünscht sich so mancher, gemeinsam mit einem innig geliebten Partner durchs Leben zu gehen, um dann irgendwann womöglich doch konsterniert festzustellen, wie verdammt lange so ein Leben doch währen kann.

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Matthias Machwerk

Quelle: PR

Sie sind genervt von der regelmäßigen Auskunftspflicht, der man in der Ehe unterliegt ("Wo warst du?"), fühlen sich in ihrer Freiheit, bei der viele in erster Linie an Selbstverwirklichung denken, allzu stark eingeschränkt.

Matthias Machwerk führt in seinem neuen Lachwerk mit dem Titel "Mach Dich frei, wir müssen reden!", das im Dresdner Comedy & Theater Club Premiere hatte, mitten hinein in die großen und kleinen Problemzonen einer Beziehung, aber auch des Lebens allgemein. Das Spektrum an Themen ist breit. Machwerk, guter Texter wie Entertainer, feuert beileibe nicht nur Gag-Breitseiten zum komplexen und insofern stets für eine Pointe guten Verhältnis zwischen den Geschlechtern ab, sondern widmet sich nicht minder boshaft auch Medien und Managern, Inter-Nerds und islamistischen Märtyrern, Ehe-Memmen und Immer-noch-bei-Mutti-Wohnern.

Die One-Man-Show entzückt immer wieder durch schöne Sprachschöpfungen. Etwa wenn Machwerk von "Messdienern" spricht, wenn er Polizisten an einem Blitzer meint. Oder etwa wenn er einen Mann in einer schummrigen Bar eine "erwartungsfeuchtschauende Frau" erblicken lässt, was bei einem Mann bekanntlich ähnliche Gefühle auslöst wie der Anblick einer verbilligten Kreissäge im Baumarkt und entsprechend denken lässt: "Scharfes Teil, da greife ich doch zu!" Sollte er noch Zweifel haben, löscht Alkohol das Restlicht.

Nicht minder überzeugend ist Machwerk, wenn er, um dem Abgleiten ins zwar launige, doch eher harmlose Schmunzel-Fach zu entgehen, immer wieder mal politisch und gesellschaftlich kritisch wird. Er ist beileibe keiner dieser Gewissenshumoristen, Volkstribune und Weltuntergangs-Propheten, die das Publikum mit erhobenem linken Zeigefinger belehren, was es über Merkel oder Obama zu denken habe. Viel lieber nimmt er mit gebotener Skepsis etwa die weltweit berühmt-berüchtigte "German Angst" ins Visier, fragt etwa, warum wir aus Angst in Jobs bleiben, die uns nicht gut tun? Und wie kommt es, dass die Deutschen vor Strahlenbelastung mehr Angst haben als dem CO2-Ausstoß? Warum wägen wir ständig ab zwischen Freiheit und Sicherheit, was dann dazu führt, dass mancher Internet-User, der nie draußen in der realen Welt war, glaubt, diese Welt gesehen zu haben. Ja, das Netz: Sieben Millionen Deutsche suchen laut Machwerk im Internet einen Partner, "auch wenn sie bereits einen haben". Köstlich auch, wie er Verschwörungstheoretiker und Wahrheitsabstinenzler auf die Schippe nimmt, die wahlweise Nine-Eleven für ein Werk der CIA, der Juden oder auch der Freimaurer halten. Insbesondere sind es aber die Auslassungen zum ewigen Thema Männer/Frauen, die sich als sichere Bank erweisen - und viele nahmen gern Platz auf ihr, wie das immer wieder laute Gelächter im Saal bestätigte.

Wieder am 6. & 11.6, ComedyTheaterClub im Gewölbekeller im Kügelgenhaus. Karten: Tel. 0351/46 44 877

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.05.2015

Christian Ruf

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