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„Mashreq to Maghreb“ in Hellerau

Festivalauftakt „Mashreq to Maghreb“ in Hellerau

Im Rahmen des Festivals „Mashreq to Maghreb – Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang“, das bis 25. Februar vom Europäischen Zentrum der Künste im Festspielhaus Hellerau ausgerichtet wird, entzückte Chamamyan ihr Publikum mit ihren Songs und ihrer wunderschönen Stimme.

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Lena Chamamyan begeisterte im Festspielhaus Hellerau

Quelle: Stephan Floß

Dresden, . Damaskus war eine echt heiße Stadt, wenn auch nicht ganz so schillernd wie das mondäne Beirut oder Kairo. Eine, die dafür sorgte, dass in Syrien nicht wie heute Krieg und Terror herrschten, sondern einst Musik wahrgenommen wurde, ist Lena Chamamyan. Geflohen aus Damaskus, musste sich die Syrerin mit armenischen Wurzeln, die östliche und westliche Musikformen miteinander verbindet, in fünf Sprachen singt und im ganzen arabischen Raum berühmt ist, im Westen – und zwar in Paris – ein neues Leben aufbauen.

Im Rahmen des Festivals „Mashreq to Maghreb – Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang“, das bis 25. Februar vom Europäischen Zentrum der Künste im Festspielhaus Hellerau ausgerichtet wird, entzückte Chamamyan ihr Publikum mit ihren Songs und ihrer wunderschönen Stimme. Man hatte mit 400 bis 500 Besuchern gerechnet, wie Intendant Dieter Jaenicke gestand, allein beim ersten Konzert (am Sonntag folgte dann ein zusätzliches) saßen 800 Menschen im Saal. Ob Syrer, Libanesen oder Armenier – sie hatten sich eigentlich samt und sonders schick gemacht, das war man dem freudigen Anlass schuldig. Manche Frauen trugen Kopftuch, die meisten nicht, um mal ein nebensächliches Detail zu klären. Man war in Partystimmung. Der ließ man freien Lauf, und das war ansteckend schön anzuschauen.

Man merkt, dass Chamamyan klassischen Gesang studiert hat, ebenso dass sie dem Jazz viel abgewinnen kann. Ihre Musik ist offen für allerlei Einflüsse; die Künstlerin überführt überlieferte Melodien und Texte in die Gegenwart, ohne ihren eigentlichen Gehalt oder improvisatorischen Gestus aufzugeben. Und ja, zu den alten Liedern, deren Texte vom arabischsprachigen Teil des Publikums mit Inbrunst mitgesungen werden, gesellen sich nun auch deutlich getragenere Songs, die Geschichten von der Flucht erzählen, in denen Chamamyan Betrachtungen über Veränderungen anstellt, ihren Ängste und Hoffnungen Ausdruck verleiht. Und ja, manchmal geht es auch um die gute alte himmelhochjauchzende, allen Stürmen trotzende Liebe. Ungewöhnlich, aber sehr originell: Ihre Version von „Imagine“, John Lennons Vision einer Gesellschaft frei von Religionen, Nationalismus und Privateigentum.

Auch die sechs Begleitmusiker sind allererster Güte, was etwa die aus Tunis stammende Hend Zouari der Kanun (einer im Orient sehr populären Kastenzither) an Tönen entlockt, ist grandios. Aber im Zentrum steht der ungewöhnlich vielseitige Vier-Oktaven-Gesang Chamamyans.

E

Yasser Mroué fing Jahre später an, kleine Videos herzustellen, die letztlich der Reorientierung dienten. Sein älterer Bruder Rabih, Schauspieler und Schlüsselfigur einer neuen künstlerischen Generation im Libanon, überredete ihn dann dazu, mit ihm zusammen einen Theaterabend daraus zu machen. Dieser erhielt den Titel „Riding on a Cloud“ und war nun vor dem Konzert von Lena Chamamyan im Festspielhaus Hellerau zu sehen.

Auf der Bühne passiert nicht viel. Mroué sitzt an einem Tisch, vor sich je einen Stapel CDs und alte Kassetten sowie Abspielgeräte. Mal legt er etwas Musik auf (Chopin-Präludien oder schmalzige Popsongs), mal spricht er auch selbst, nimmt das auf, spielt es ab. Eigentlich könnte man die ganze Geschichte auch auf eine CD brennen, aber dann würde überhaupt kaum noch auf der Bühne was passieren, so statisch ist die Sache.

Es muss also die Lebensgeschichte Mroués in den Bann ziehen. Es geht um Mitgefühl, auch vor dem Hintergrund, dass einerseits die Forderung nach Empathie so etwas wie der Schlachtruf all jener ist, die für Frieden, Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit sind, es andererseits aber auch Kritiker gibt, die, etwa wie Paul Bloom, seines Zeichens Psychologie-Professor in Yale, die These vertreten, man dürfe sich bei moralischen Entscheidungen nicht von Empathie leiten lassen, denn die verneble einem den gesunden Menschenverstand.

Man könnte die Geschichte Yassers als Rührstück erzählen, als patriotische Geschichte. Rabih Mroué liegt nichts ferner als das. Das erste Video stellt Yasser Mroués Kindergarten-Zeugnis vor, die arabischen Worte werden übersetzt, man erfährt die bei frühen Zeugnissen üblichen lustigen Details. Ganz am Ende sieht man die Brüder zusammen Gitarre spielen. Der eine benutzt die rechte Hand, der andere die linke. Ein starkes Bild, das vermittelt, dass es verdammt gut sein kann, Geschwister zu haben. Und wie lebenswert das Leben auch nach schweren Schicksalsschlägen noch immer sein kann.

Festival bis 25.2. im Festspielhaus Hellerau

www.hellerau.org

 

Von Christian Ruf

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