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Martina Jakobson liest aus ihrem Buch "Reglose Hirsche"

Martina Jakobson liest aus ihrem Buch "Reglose Hirsche"

Andrej, der Filmregisseur, ist der Bekanntere. Er war 30, als 1962 sein erster Film, "Iwans Kindheit", in die Kinos kam. Sein Vater, der russische Dichter Arsenij Tarkowski, war zu diesem Zeitpunkt schon 55 Jahre alt - aber auch er debütierte.

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Übersetzerin: Martina Jakobson

Quelle: PR

Als Übersetzer von Gedichten, u.a. des turkmenischen Lyrikers Kemine und von Marina Zwetajewa, hatte er sich längst einen Namen gemacht, doch nun erschien, unter dem Titel "Vor dem Schnee" endlich eine Sammlung mit eigener Lyrik des "alten Tarkowski", wie man ihn allerorten nannte. Es war die Zeit der "Entstalinisierung", die Nikita Chruschtschow mit seiner "Geheimrede" auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 eingeleitet hatte.

Arsenij Tarkowski zählt zweifelsohne zu den bedeutenden russischen Dichtern der Moderne. Manche Szene in den Filmen des Sohnes wurde von den Gedichten des Vaters inspiriert: So werden in dem Film "Der Spiegel" aus dem Jahre 1975 Verse Arsenij Tarkowskis zitiert. Aber im deutschen Sprachraum existierte der Dichter lange Zeit nicht. Es war keine Ausgabe seiner Gedichte erhältlich. Erst 1990 war, in der wunderbaren "Weißen Reihe" des Verlages Volk und Welt, der Band "Auf der anderen Seite des Spiegels" erschienen, der bis heute eine Rarität und selbst antiquarisch nur schwer zu bekommen ist. Umso wichtiger, dass sich nun die als Tochter deutscher und russischer Eltern in Berlin und Moskau aufgewachsene Übersetzerin Martina Jakobson daran gemacht hat, die Gedichte Arsenij Tarkowskis neu zu übersetzen. In einer zweisprachigen Ausgabe sind sie jetzt unter dem Titel "Reglose Hirsche" in der Edition Rugerup herausgekommen - und man darf unumwunden sagen: Das Buch ist ein Ereignis!

Bei Arsenij Tarkowski ist die Natur ein Spiegel der Seele des Dichters. Sie ist auch etwas, dessen wir alle bedürfen. Die Wellen tragen bei ihm "Vögel, Menschen und Sterne, / wo Woge um Woge entsteht, / und Wirklichkeit und Traum und Tod." Tarkowski schreibt von verborgenen Zusammenhängen, er ist der Dichter der universellen Bilder: In einem Wassertropfen kann sich die ganze Welt spiegeln. Traum und Vergeblichkeit, Sinn und Wirklichkeit, Erinnerungen an die Kindheit und unerfüllte Liebe sind Themen, die er in seiner Dichtung umkreist: "Dieser Sommer entschwand, / was einst geschah, scheint ungeschehen. / In der Mittagsglut ist es noch warm, / etwas wird mir fehlen."

Martina Jakobson hat die Gedichte dieses großen russischen Poeten mit feinem Gespür für dessen Sprachmelodie übersetzt, ohne den im Original häufigen Reimen allzu sehr Gewalt anzutun. Sie setzt mehr auf phonetische Anklänge, anstatt möglichst glatt zu reimen, so reimt sich bei ihr beispielsweise "selbst" auf "Rosenkelch", und manchmal verzichtet sie in ihrer Übersetzung auch ganz bewusst darauf, den Reim wiederzugeben. Alles in allem hat man es hier mit einer sich das Original klug-anverwandelnden und höchst überzeugenden Übersetzung ins Deutsche zu tun - und da in dem Band alle Gedichte auch im russischen Original enthalten sind, geht nichts verloren und können die des Russischen Mächtigen sich zudem ihr eigenes Bild von dieser Neuübersetzung machen.

Nach Tarkowskis Debüt erschienen in seiner Heimat weitere Gedichtbände, so "Zauberberge" (1979), "Wintertag" (1980) und "Von Jugend zum Alter" (1987), die ihm große Anerkennung eintrugen. Arsenij Tarkowski starb im Mai 1989 in Moskau, drei Jahre nach seinem Sohn Andrej. "Alles ist unsterblich. Ein Jedes, ein Jeder", heißt es in seinem berühmten Gedicht "Leben, Leben".

Am kommenden Dienstag stellt Martina Jakobson im Deutschen Hygiene-Museum in den Dichter Arsenij Tarkowski und sein Werk vor - und schlägt mit ihm, auf Einladung des Literaturforums Dresden, ein Buch der Wunder auf. Ein großer russischer Poet ist endlich wiederzuentdecken!

11.November, 20 Uhr, Martina Jakobson liest Gedichte von Arsenij Tarkowski, Hygiene-Museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.11.2014

Volker Sielaff

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