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Martin Mannigs Manga-Mädchen im Möhrenwald

Städtische Galerie Dresden Martin Mannigs Manga-Mädchen im Möhrenwald

Seine Bildsprache darf durchaus als ziemlich unverwechselbar bezeichnet werden. Nun stellt Martin Mannig seine Arbeiten unter dem Titel „folkfuturism“ in der Städtischen Galerie Dresden aus. Darin findet sich viel Volkstümlich-Märchenhaftes: Rotkäppchen und Zwerge, Hexe oder Großmutter, Hasen und Katzen. Aber immer mit einer Note, die alles ins Kippen bringt.

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Dresden.

Ein Bild wie „Dead-End Forest“ (2014) ist in mehrerer Hinsicht beispielhaft für die mit „folkfuturism“ überschriebene erste Museumsschau des von der Galerie Gebr. Lehmann vertretenen Künstlers, die ab heute in der Städtischen Galerie Dresden gezeigt wird, führt es doch Elemente der heimatlichen Figurenwelt – Zwerg und Hase – mit einem sich abseifenden lasziven Manga-Mädchen inmitten eines Möhrenwaldes zusammen. Solche Konstellation drückt sich nicht zuletzt in dem Ausstellungstitel aus, wobei die heimischen Elemente für das Traditionelle und die spezifisch japanischen gewissermaßen für das Moderne stehen sollen. Im Konkreten verdankt sich der Ausstellungstitel auch dem Umstand, dass Mannig seine Bildgestalten durchaus gegenständlich in die Schau einbezogen wissen wollte. Dazu suchte er den Kontakt zum Museum für Sächsische Volkskunst der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, arbeitete sich besonders durch den erzgebirgischen Bestand im Depot. Im Ergebnis vereinte er solcherart Figuren aus seiner eigenen Sammlung und aus dem Museum zur Installation „Volksrakete“, die gewissermaßen Wurzeln der einen Anregungsebene des Künstlers offenlegt. Der „Rakete“ sollte man übrigens nicht zu nahe kommen, meldet sie sich dann doch mit einem lauten, ziemlich anhaltenden Piepton.

Unmittelbar daneben schiebt sich ein großer, flacher Vitrinenkeil in die Bilderschau, der hunderte Zeichnungen Mannigs enthält, die mehr oder weniger geordnet ausgelegt sind und einen Eindruck von den Arbeitsprinzipien des Künstlers vermitteln. Die Zeichnungen bilden eine Art Archiv seiner Bildfiguren, die im Atelier in unzähligen Variationen und geordnet nach Kategorien lagern. Manche davon werden in die schon erwähnten, porträtartigen kleineren Einzelbilder umgesetzt – etwa in einen raffzahnigen „Hans Leberwurst“ (2009). Daraus werden manchmal „Ansammlungen“ verschiedener Bildgestalten („Ansammlung I“, 2004).Wirkt eine solche oft noch fast rudimentär, so zirkulieren die Figuren auch in größere, nicht immer voll entschlüsselbare Zusammenhänge. Es handelt sich bei den Bildern Martin Mannigs eben oft um ein – in den Augen der Autorin – etwas ungemütliches Wunderland, in dem nächtens allerdings auch zauberhafte Schmetterlinge fliegen („Wonderland“, 2006/07), die sich andernorts vielleicht in ein niedlich-erotisches Manga-Mädchen verwandeln oder auch eine schöne Nixe. Der Teufel ist allerdings nicht weit („Ramba Zamba“, 2008).

Wie Martin Mannig mit seinen Figurfindungen umgeht, erfährt man in der Schau auch mittels einer ansehnlichen Videoanimation von 2017. Hier werden einzelne Figurteile zu Versatzstücken, die in schneller Folge neue Figuren entstehen lassen. Überhaupt macht die Schau ein durchaus spielerisches Umgehen mit Bildfindungen deutlich. Jüngstes Ergebnis davon sind collageartige Werke. Basis dafür ist, dass Mannig das Nähen für sich entdeckt hat. Gleichwohl kann er ein solches Bild auch ohne viel Mühe wieder auseinander nehmen, es neu gruppieren oder die Teile einzeln präsentieren.

Diese erste Museumspräsentation Martin Mannigs, die Werke aus 13 Jahren vereint. lässt für den Besucher ein ausgesprochen phantasiereiches Schaffen sichtbar werden, das seine Impulse aus traditionellen Quellen seiner Herkunft wie aus den aktuellen Entwicklungen modernen Lebens bezieht. Der Künstler hat sich eine ganz unverwechselbare, scheinbar märchenhafte oder comicartig gestaltete Bildwelt geschaffen, in der das Brüchige unserer Zeit aufscheint.

Die Grundlagen für diesen künstlerischen Weg legte er während seines Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (1999–2004), dem sich ein Meisterschülerstudium bei Ralf Kerbach anschloss, aus dessen Klasse bekanntlich eine Reihe sehr eigenständige Künstlerpersönlichkeiten hervorging – man denke nur an Eberhard Havekost und Thomas Scheibitz. Martin Mannig konnte bereits 2004 den Caspar-David-Friedrich-Preis entgegennehmen und wurde 2008 für den Otto-Dix-Preis nominiert. Dass seine Art der Bildfindung auch Interesse über Galerien, Museen und Sammler – viele der gezeigten Werke kommen aus Privatsammlungen – hinaus weckt, zeigen Aufträge für Bühnen- und Kostümbilder zweier Produktionen des Theaters Junge Generation in Dresden (2014 und 2015).

Zur Ausstellung „folkfuturism“ liegt ein Katalog vor (26 Euro). Angeboten wird zudem ein umfangreiches Programm von Führungen und Veranstaltungen, wo der Künstler mehrfach anwesend ist (unter anderem ein Künstlergespräch am 25. Oktober, 16.30 Uhr) .
Ausstellung bis 14. Januar, Di – Do, Sa/So 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 19 Uhr, Mo und am 24., 25. und 31. Dezember geschlossen

www.galerie-dresden.de

 

Von Lisa Werner-Art

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