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Martin Grubinger und The Percussive Planet begeistern im Kulturpalast

Dresdner Musikfestspiele Martin Grubinger und The Percussive Planet begeistern im Kulturpalast

Das Schlagzeug einmal nicht als Antreiber im Hintergrund, Perkussion nicht als nette Farbtupfer zwischendurch: Martin Grubinger und The Percussive Planet spielten im Dresdner Kulturpalast alles, was man auf Schlaginstrumenten spielen kann – von der klassischen Moderne bis zur Rockmusik. Und rissen damit Zuhörer jeden Alters von den Sitzen.

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Martin Grubinger in Aktion

Quelle: Oliver Killig

Dresden. Die Überraschung begann schon vor den Türen des Kulturpalastes, wo das Publikum einen ungewohnten Anblick bot: Quasi von der älteren Dame in Turnschuhen bis zum Schüler im eleganten Anzug reichte die Mischung. Dann die Bühne, die förmlich überquoll von allem, was an Schlaginstrumenten denkbar ist, und doch war das, was Martin Grubinger und sein Ensemble „The Percussive Planet“ für ihren Abend bei den Dresdner Musikfestspielen aufboten, „nur“ eine Auswahl des Möglichen. „The Century of Percussion“ heißt das neue Programm, und es war in Dresden nach der Wiener Premiere zum zweiten Mal zu erleben. Die schon im Titel mitschwingende Internationalität war das Programm des Programms, denn Grubinger ging mit seiner Besetzung aus nicht weniger als acht Schlagzeugerkollegen und dazu Saxophon, Klarinette, Trompete, Flügelhorn, Posaune, Gitarre, Bass, Klavier und Keyboards auf eine Reise, in der so ziemlich jede Ecke der Welt mit ihren Rhythmen vorkam. Das Ganze war zwar eine Tour de Force für Musiker und Zuhörer gleichermaßen und verlangte Aufmerksamkeit für gut zweieinhalb Stunden. Dennoch wurde der von Martin Grubinger vorab angekündigte Verzicht auf eine Pause dankbar aufgenommen.

Und richtig – diesen Ritt durch die Musikstile zu unterbrechen, wäre schade gewesen. Arrangeur und Leiter des Unternehmens, Martin Grubinger sen., erklärte zu Beginn kurz die inhaltliche Linie, die sich vom Ausgangspunkt „Le Sacre du Printemps“ von Strawinsky immer weiter verzweigte und all die Früchte einsammelte, die auf dem Weg dieses von Vater Grubinger gedachten Urknalls für Jazz, Rock etc. herumliegen. Die Idee des Schichtens von Harmonien und Rhythmen, die bei Strawinsky erstmals ihre Ausprägung fand, ist dafür zumindest ein schlüssiger Impuls. Und dass Europa und Amerika nicht allein stehen, zeigte dann die Vereinigung mit Musik aus Afrika, Südamerika und Asien.

Das alles wäre nicht mehr als eine Art musikalisches Kompendium, wären da nicht die Arrangements und die grandiose Umsetzung. Martin Grubinger jun. blieb natürlich die zentrale Figur in dieser „Band“, aber er schob sich nie als der Solist in den Vordergrund. Einzelne ausgedehnte Soli kamen ihm zu, die wohl schon wegen ihrer Kompliziertheit nur er so zu spielen vermag. Doch blieb er der Primus inter Pares, und keiner der 15 Kollegen spielte untergeordnet. Dazu waren die Kompositionen auch viel zu dicht. Wie raffiniert arrangiert und wie genau gespielt wurde, erfuhr man, wenn man versuchte, alle auf der Bühne im Blick zu behalten: Oft waren es nur einzelne Töne auf einem der zahllosen Instrumente, die sitzen mussten. Der daraus erwachsende Farbenreichtum war es dann auch im Besonderen, der die Spannung über den vier großen Teilen des Konzerts fast durchweg erhielt. Und wie Grubinger und seine Kollegen dabei all die Versatzstücke zusammenfügten und alle Kategorien überflüssig werden ließen, bleibt wohl ihre Spezialität.

Die immer neu erzeugten Spannungsmomente hatten endlich ihren Höhepunkt im Spiel auf japanischen Trommeln mit Grubinger jun. an der Marimba – ein Programmpunkt, der in seiner Konzentration, in seiner Reduziertheit auf ganz komplexe Klänge und Rhythmen und in seinem Furor besonders hervorstach. Dass danach ein kleines dramaturgisches Loch kam, war wohl schwer zu vermeiden, aber es war rasch überbrückt, denn das bald folgende Spiel auf zunächst einer, dann auf dreien der fast explosiv klingenden schottischen Snaredrums hatte eine verblüffend verwandte Wirkung. Bei alledem kam auch die Show nicht zu kurz, und man hätte schon von recht großem Phlegma sein müssen, um sich von der Mischung und Programmatik dieses Konzerts nicht begeistern zu lassen. Also stand am Schluss der ganze, ausverkaufte Saal und feierte Martin Grubinger und The Percussive Planet für einen Abend, der keine musikalischen und keine Altersgrenzen kannte.

Von Hartmut Schütz

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