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Regional Martin Grubinger begeistert
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19:57 29.04.2018
Martin Grubinger an den Percussions. Quelle: Jörg Simanowski
Dresden

Martin Grubinger kehrt nahezu jährlich nach Dresden zurück, am Wochenende nach einer Gastspielreise durch Deutschland und die Niederlande gemeinsam mit Michael Sanderling und der Dresdner Philharmonie. Das Programm stellten sie zum Abschluss im Kulturpalast vor.

Vor der Pause gab es einen (ganz) großen Auftritt Martin Grubingers in Kalevi Ahos „Sieidi“. Das Wort aus der Sprache der Samen lässt sich mit „heiliger Ort“ oder „heiliger Berg“ übersetzen, wobei Grubinger meinte, dass das auch ein Hügel sein könnte – es käme auf den Maßstab an. Für den Alpenländer kein Problem, das virtuos-sportliche Spiel beherrschte er zur Sonntagsmatinée perfekt.

Ahos Werk ist eine Art Weltmusik, in welcher der Solisten zwischen den Instrumenten wandelt. Von afrikanischen (mit der Hand gespielten) und europäischen (mit Schlegeln) Trommeln wechselt er zum lateinamerikanischen Marimbaphon, zum Vibraphon und zu asiatischen Klanghölzern. Verblüffend war die (melodische) Farbpalette, die Härtegrade von Holz und Trommel fielen nicht weniger frappierend aus. „Sieidi“ begann mit einem Intro (Solo Grubinger) und Schlägen, erst dann setzte das Orchester ein. Dort saßen noch drei Schlagzeuger, die mit Pauken und Kastagnetten von beiden Seiten an Echoeffekten und Stimmungen woben.

Wie Martin Grubinger als Performancekünstler beeindruckte, tat es das Orchester nicht weniger, das einmal für Schwebung sorgte, für stimmungsvollen Hintergrund oder für grelle Reflexe. Dennoch ließ sich nicht verbergen, dass das lange Werk bei seiner Wanderung ein wenig mäandert. Im letzten Drittel, spätestens, wenn „Regenmacher“ (Rieselrohre) einsetzen, wirkt das esoterisch leicht verdaulich wie ein Paolo-Coelho-Roman.

Doch lebte das Stück von der Qualität der Aufführung, von ausgeprägter Impulsivität und Rhythmik, aber auch von ausgewählten Ruhepunkten. Die „Wanderung“ durch die Instrumente (und Kontinente) führte wieder zurück zum Ausgangspunkt, doch ohne Schlag diesmal, sondern leise verhallend. Grubinger ließ dem noch ein fetziges „Übungsstück“ folgen – ein Tanz auf der Trommel.

Nach der Pause folgte Beethovens vierte Sinfonie. Mittlerweile hat sie ihr „Stiefmütterchendasein“ zwischen der dritten und fünften eingebüßt, wird kaum weniger beachtet und wird mit oder ohne Gesamtzyklus aufgeführt. Nach der Aufregung zuvor sorgte der Wohlklang zu Beginn für einen neuen Kontrast, doch verloren solche Vergleiche nach wenigen Takten an Bedeutung – die Sinfonie sprach für sich. Wohl fiel auf, dass auch hier die Pauken für Aufruhr sorgten, für einen positiven.

Michael Sanderling gab der Sinfonie viel Freiraum, sie war insgesamt wie eine Hinwendung zum Leben, zum Licht. Ein erfrischender Sturm im Allegro vivace, ein Adagio mit fast pastoralem Charme, ein wenig Nachhall nach den Sätzen. Das Menuetto schien seine Flügel auszubreiten und sich aufzuschwingen – irgendwie war das ältere Werk dann doch das frischere.

Fans dürfen sich schon auf das kommende Jahr freuen: Am 29. und 30. März 2019 spielt Martin Grubinger mit der Philharmonie das Konzert für Schlagzeug und Orchester von Fazil Say.

Von Wolfram Quellmalz

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