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Regional Markus Maria Profitlich mit "Halbzeit" im Dresdner Alten Schlachthof
Nachrichten Kultur Regional Markus Maria Profitlich mit "Halbzeit" im Dresdner Alten Schlachthof
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20:38 09.09.2015
Markus Maria Profitlich stellte im Alten Schlachthof seine Wandlungsfähigkeit und Ausdruckskraft unter Beweis. Quelle: Patrick Johannsen

Ihm schwant, dass es in punkto Altersweisheit, die sich angeblich einstellen soll, nichts werden wird - und es folglich dabei bleibt, dass man Pommes und Currywurst gegenüber veganen Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie Grünkohl-Mousse an Rübenparfait den Vorzug gibt.

Auch der Comedian Markus Maria Profitlich hat mittlerweile die fünfzig erreicht, wobei er sogar von der Prämisse ausgeht: "Wenn man das in D- Mark umrechnet, bin ich schon 100." Nun stellte er im Alten Schlachthof vor großer versammelter Fangemeinde sein Programm "Halbzeit" vor, dessen Titel kein Lockmittel ist, damit Männer den Weg zu ihm finden, wie er versicherte. An sich sollte sich der Comedy-Koloss, der eindrucksvoll bewies, dass er nicht nur das Medium Fernsehen beherrscht, sondern auch die Bühne, keine Sorgen machen: Die Fans lieben ihn, der ihnen ein Witzpack statt eines Sixpacks präsentiert, so wie er ist. Jede Äußerung, jede Grimasse ihres Helden wird mit Lachen quittiert.

Via Leinwand und Einspielfilmen kommen zunächst Promis zu Wort. George Clooney und Brad Pitt, beide ebenfalls schon fünfzig und in Profitlich die harte Konkurrenz auf dem Markt der begehrtesten Männer sehend, freuten sich, dass dieser Hollywood endlich den Rücken zugekehrt habe, damit sie wieder zum Zuge kämen. Auch später bekommt man wiederholt Einspielfilmchen zu sehen, in denen Profitlich seine Verkleidungs- und sonstigen Wandlungsfähigkeiten unter Beweis stellt.

Viele der Sketche sind eher wenig hintersinniger Natur, ob es nun um Aufklärungsgespräche im Laufe der Zeit oder Piercing geht. Heuchelei ist nicht zu knapp im Spiel, wenn der massige 53-Jährige das Niveau mancher Leute im Saal beklagt, sich dann aber doch nur zu gern in Schweinigeleien unterhalb der Gürtellinie suhlt.

Sogar das Internet, dessen Weiten nicht minder unendlich sind wie die des Weltalls, liefert dem Comedian Pointen. "Geben sie bei Google Bilder mal Arsch mit Falten ein. Sie wundern sich, was rauskommt" - nämlich u.a. ein Bild von Costa Cordalis, wie Profitlich eruiert hat. Von ganz lieb bis hart an der Grenze gehen die Gags, Mister Bean, Benny Hill und durchaus auch die frühen Monty-Python-Ulks lassen grüßen. Natürlich geht es nicht zu knapp um die eigene Gewichtsklasse, wobei das Schwergewicht Mut zur Selbstironie offenbart.

Jedenfalls: So flach manche Gags auch sein mögen, so wie Profitlich seine Prostatauntersuchung durch ein Kraftpaket namens Dr. Ludmilla Knorpelknack "mit Fingern dick wie Riesenkrakauer" schildert, bleibt kein Auge trocken, auch nicht bei denen, die selbst schon mal in gebückter Haltung das Gefühl hatten, dass da "aus der kleinen Hafenrundfahrt eine Eisbrecherfahrt in der Antarktis" wird. Das Programm wartet andererseits aber durchaus auch mit Sprachwitz auf, der überraschend und auch sonst nicht ohne in punkto Pointe ist. So sinniert er, dass die Buchstabenfolge "It" in It-Girls wohl für "Intelligenz-Tabu" steht, aber immerhin werden die so bezeichneten Damen später dank ihres Smartphones den Weg zurück ins Altenheim finden, was ja auch eine Form von Gehhilfe ist. Als Zugabe gab's ein "politisches Ballett", bei dem Profitlich als russischer Performance-Künstler mit Leidensmiene die "Probleme unserer Zeit" umsetzte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.03.2014

Christian Ruf

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