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Mario Barth füllt drei Abende hintereinander die Messe Dresden

Was Frauen über Männer denken? Mario Barth füllt drei Abende hintereinander die Messe Dresden

Schon mal von Michael Nast gehört? Der hat das Buch „Generation beziehungsunfähig“ mit Kapitelüberschriften wie „Männer reifen, Frauen welken“ oder „Illusion perfekte Liebe“ verfasst, gleichwohl hängen insbesondere die Frauen an seinen Lippen. Ähnlich ist es im Fall des Comedian Mario Barth, auch er hat bei vielen Frauen einen Stein im Brett.

Mario Barth, jüngst in diversen journalistisch-investigativen Gefilden gescheitert, auf der Bühne der Dresdner Messe.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Schon mal von Michael Nast gehört? Der hat das Buch „Generation beziehungsunfähig“ mit Kapitelüberschriften wie „Männer reifen, Frauen welken“ oder „Illusion perfekte Liebe“ verfasst, gleichwohl aber haben seine Lesungen Eventcharakter, hängen insbesondere die Frauen an seinen Lippen.

Ähnlich ist es im Fall des Comedian Mario Barth, auch er hat bei vielen Frauen einen Stein im Brett, obwohl ein erheblicher Teil seiner Scherze auf Kosten des weiblichen Geschlechts geht, etwa wenn er verkündet, Frauen hätten kein Mitleid, oder wenn er schildert, wie er seine Freundin verulkt und die Sache voll durchzieht – „denn einen Anschiss kriegst Du so oder so!“ Und letztlich kriegen die Männer durchaus ihr Fett ab, wenn auch in der Regel koketter wie exkulpierender verpackt. Barth macht über beide Geschlechter Witze – beide fühlen sich von ihm verstanden und nicht denunziert.

Nun war Barth mit seiner neuen massentauglichen Bühnenshow „Männer sind bekloppt, aber sexy!“ in der Messe Dresden – und füllte die Halle gar drei Abende hintereinander, was bestimmt viele Kulturpessimisten, aber nicht nur solche, als Untergang des Abendlandes erachten werden. Der Mann ist ein Phänomen: Er füllt mitunter ganze Stadien, hat an einem Abend mehr Besucher als manche Stadttheater in einem Jahr. Das Feuilleton hasst den Berliner Comedian, muss sich aber mit ihm nolens volens auseinandersetzen und bedenkt ihn in der Regel mit vernichtenden Kritiken.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Barth hat es mit von Rollenklischees geprägten Alltagsgeschichten geschafft, einen Nerv zu treffen. Und zwar über Jahre hinweg. Er hat zudem unzählige Newcomer inspiriert, auch dank Barth setzt die Comedy-Branche in Deutschland fast 300 Millionen Euro im Jahr um. Comedy-Events sind in allen Altersklassen beliebt und – Überraschung, Überraschung – auch in allen Bildungsschichten! Ja, Barth reitet noch immer auf der Witze-Welle über die bekanntlich nicht ganz unkomplizierte Beziehung zwischen Männern hier und Frauen da, aber das Gros der Gags ist teilweise immer noch überraschender wie kurzweiliger als die üblichen räsonierenden Kreuzzugs-Phrasen des Kabaretts gegen die drei großen Ks, als da wären Kapitalismus, Konsum, Krieg. Barth mag nicht so herzrührend wie Georgette Dee, die Diva der Trümmer, des Trashs und der Transen, sein, aber wie ihr ist ihm nichts heilig. Und ja, er legt durchaus Finger in die Wunden, die das Leben schlagen kann. Meistens ist es halt doch der scheinbar ganz „normale“ Alltag, der größte Tücken und Risiken birgt. Gut gemachte Komödie zeigt die Absurdität des Lebens besser als die Tragödie.

Es hat schon seinen Reiz, wenn der sich in seiner Rolle als Rampensau wohl fühlende Barth die Sicherheitskonzepte an den Flughäfen der Lächerlichkeit preisgibt, durchspielt, dass in einem Krankenhaus nachts um halb eins nicht gerade die besten Ärzte Dienst schieben, oder aufzeigt, dass Mann ganz vorsichtig sein sollten, was die zu ziehenden Schlüsse angeht, wenn Mann gemerkt hat, dass die Freundin „Fifty Shades of Grey“ liest (und nicht einen Rosamunde-Pilcher-Roman, wie der Schutzumschlag ausweist). Dirty Talk mag literarisch geschätzt werden, ist in der Realität aber ein Stimmungs- und Lustkiller. Wer ob der pikanten Schilderungen in der Roman-Trilogie der britischen Autorin E. L. James meint, Frauen würden Dessous lieben, und zwar auch solche, die „unten kaputt“ sind (das einsetzende Gelächter quittierte Barth lustvoll spottend mit dem Satz „Es ist erschreckend, wie viele Frauen wissen, wovon ich grade spreche“), und deshalb in einen Sex-Shop rennt, um ein solches Teil zu kaufen, wird nicht mit heißem Sex, sondern hitzigem Streit bedacht. Dass kann Mann gar nicht oft genug verklickert bekommen, oder?

Von Christian Ruf

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