Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Manuela Wisbeck glänzt in Christian Kühns "Des Kaisers neue Kleider" in der Comödie

Manuela Wisbeck glänzt in Christian Kühns "Des Kaisers neue Kleider" in der Comödie

Man sieht nur, was man sehen will. Deshalb sehen die einen blühende Landschaften und die anderen hingegen Wüsteneien, die einen ein Kunstwerk, die anderen ein Machwerk.

Voriger Artikel
Der Fluch des Intellektuellen - Premiere von Sartres "Die schmutzigen Hände" im Kleinen Haus in Dresden
Nächster Artikel
"Der Nussknacker" feierte Ballett-Premiere in der Semperoper

Pfundige Kaiserin der Extraklasse: Urféllie alias Manuela Wisbeck.

Quelle: Comödie

Insbesondere Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Man sieht nur, was man sehen will.

Das erklärt auch Valentinius, Sohn der Kaiserin Urféllie von Klagrönien, in dem Stück "Des Kaisers neue Kleider", das in der Comödie Dresden Premiere feierte. Verfasst hat diese Weihnachtskomödie Christian Kühn, frei nach dem Märchen von Hans Christian Andersen. Frei heißt in diesem Fall nicht Verhunzung, sondern intelligente Weiterentwicklung. Schenkelklopfer-Humor wird nur ab und an geboten, stattdessen mal mehr, mal weniger subtiler Wortwitz, manche intelligente Anspielung.

Star des Abends ist Manuela Wisbeck, mit am populärsten geworden durch diverse Rollen etwa in der Comedyserie "Böse Mädchen". Sie ist die Kaiserin Urféllie, die so sehr der Mode verfallen ist, dass sie darüber ihre Pflichten als Kaiserin vernachlässigt, was das Volk ausbaden muss. In jeder Szene trägt sie ein anderes Kleid, eines schriller als das andere. Lagerfeld & Co würden ob dieser modischen Extravaganzen, wenn nicht Exzesse, schreiend davonlaufen, aber Wisbeck kennt zur offen ausgelebten Freude der Zuschauer nichts und niemanden, wenn es um Mode geht.

Eine Rampe führt von der Bühne aus über einige der Stühle in den ersten Reihen hinweg, wer an einen Catwalk bei einer Modenschau denkt, dürfte so falsch nicht liegen. Nun hat "Rampensau" Wisbeck nicht gerade Model-Statur, eigentlich würden drei Models locker in ihrem Körper Platz finden - und mit diesem Pfund, nein Pfunden, wird gewuchert, dass es die helle Freude ist, etwa wenn ihre Majestät Bekanntschaft mit Aerobic zu machen geruhen oder ein Satz wie "Wenigstens kommt der Appetit zurück" fällt. Nein, Kühn & Co muten den Besuchern keine billigen Dicken-Witze zu, sie zeigen einen Menschen, der einfach das perfekte Kleid für den nicht ganz so perfekten Körper will und deswegen einer Intrige zum Opfer fällt. "I'am what I'am" singt die Königin kurz vor der Pause, und wer hier nicht kurzzeitig gerührt ist, der hat kein Herz.

Die Intrige wird in diesem Fall vom eigenen Sohn Valentinius (Maximilian Claus) und dessen heimlicher Geliebter, dem Küchenmädchen Lela (Anna Hopperdietz), gesponnen, die auf Modeschöpfer und Gehilfe aus dem Land Popopipipa (auf der Landkarte ebenso wenig zu finden wie der Staat Popo in Büchners Lustspiel "Leonce und Lena") machen. Hier wird das Ganze ein bisschen zur Travestie-Show, aber es bleibt lustig. Wenn Lela, einen Mann markierend, Taschenbillard spielen will, letztlich aber nicht kann, weil sie nun mal nichts in der Hose hat, so grinsen letztlich beide Geschlechter im Saal. Noch hinreißender Claus auf Stöckelschuhen als Assistentin mit Sprachfehler, der einen unwillkürlich an den Römer Schwanzus Longus in dem Monty Python-Film "Das Leben des Brian" denken lässt. Das Duo ist so überzeugend, dass die von Dorothea Maria Kriegl gespielte Premierministerin Fléodique (man sieht, die Macht liegt in diesem Märchen eindeutig bei den Frauen) und der Hofschneider Xöndras (Gerrit Hamann) sich blenden lassen. Zunächst jedenfalls. An der Kernaussage der Anderson-Vorlage, dass Eitelkeit, Leichtgläubigkeit und die unkritische Akzeptanz von Meinungen serviler Speichellecker sich verhängnisvoll auswirken, wird also nicht gerüttelt. Nachhaltig der Satz Valentinius' an seine Mutter: "Nicht ihr wurdet getäuscht. Ihr habt euch selbst getäuscht!"

Ein Sonderlob muss - das ist überfällig - an dieser Stelle den Kostümen gezollt werden. Was Anna Beck da alles eingefallen ist, reißt selbst Modemuffel vom Hocker. Der Teufel mag Prada und sonst nichts tragen - letzteres tut auch unfreiwillig die gefoppte Urféllie, sie hüllt eigentlich alle famos aufspielenden Akteure in Kostüme, die auf den ersten Blick ein Angriff auf den guten Geschmack sind, dann aber derart hinreißend, dass man sich gar nicht satt sehen kann. Auch bei der Musik geht man für ein der Komödie verpflichtetes Haus in dieser kurzweiligen Inszenierung ungewöhnliche Wege. Die wird nämlich von DJ Vela auflegt. Selten war eine Hofkapellmeisterin moderner im Repertoire. Viel Dancefloor, viel Lady Gaga - und auch das macht Sinn, denn die sorgt mit ihrem Outfit nicht minder für Aussehen wie mit ihren Songs. Christian Ruf

nächste Vorstellungen: Mi 15 Uhr, wieder ab 9.12.

www.comoedie-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.11.2011

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr