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Manfred Wille hat ein Buch über das Dresdner Gastgewerbe von 1945 bis 1990 verfasst

Manfred Wille hat ein Buch über das Dresdner Gastgewerbe von 1945 bis 1990 verfasst

Von 357 Gaststätten und 28 Cafés im Zentrum Dresden hatten lediglich 15 kleinere Gasthäuser den Bombenangriff leidlich überstanden. Kein Wunder, dass selbst das Gambrinus in einer Ruine am Postplatz, das später dann abgerissen wurde, noch wichtige Versorgungseinrichtungen übernahm.

Bestecke waren damals eine dermaßen wertvolle Ausstattung, dass sie in vielen verbliebenen Gaststätten, auch in den Außenbezirken, nur gegen ein Pfand an der Besteckkasse abgegeben wurden. Die Speisekarten hielten, wie Manfred Wille in seinem frisch erschienenen Buch "Wo kehrten wir gern ein" festhält, so manche Überraschungen bereit. Auf der durchaus umfangreichen Karte des Theatercafés am Postplatz finden sich 1949 sogar Kaviar, Chateaubriand und großes Rumpsteak, aber mit Preisen, die nur für wenige (erfolgreiche Schwarzmarkthändler) erschwinglich waren.

Willes Buch - die Auflage beträgt 1200 Stück - widmet sich der Entwicklung des Dresdner Gastgewerbes in den 45 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Autor, der Kellner und Koch gelernt hat und lange Jahre im Gastgewerbe tätig war, zeigt auf, wie Gastronomen bemüht waren, mit Engagement und oftmals großer Kreativität trotz massiver wirtschaftlicher Probleme und Mängel den Dresdnern wie sonstigen Gästen ein ordentliches Angebot an Speisen und Getränken zu bieten. Stand auf einer Speisekarte "Wir haben HO-Vertrag", dann bedeutete dies im Klartext, wie der Autor gegenüber den DNN erklärte, "Wir kriegen interessante Ware". Bei der Beschaffung von Waren stießen viele Gastronomen jedenfalls oft an die Grenzen der Legalität, im schlimmsten Fall drohten Konzessionsentzug oder gar strafrechtliche Verfolgung.

In den Hungerjahren fanden sich - wie abgedruckten Speisekarten zu entnehmen ist - Gerichte, wie sie erst in jüngsten Nouvelle Cuisine-Zeiten mit ihrer Ablehnung alles unnötig Komplizierten wieder goutiert werden: Zuckerrübensalat, Kräutersuppe, Kohl-rübengemüse mit Kartoffeln... Genutzt wurde alles, was essbar war. Gänseblümchenknospen mussten schon mal als (falsche) Kapern herhalten.

Auf 280 Seiten wird an mehr als 40 heute nicht mehr bestehende Gaststätten und Hotels erinnert, an Episoden, Erlebnisse und die vielfältigen gastronomischen Veranstaltungen. Der gastronomischen Berufsausbildung wird eine gute Qualität bescheinigt, verwiesen auch darauf, dass aufgrund des steigenden Fachkräftemangels Lehrlinge aus den Nordbezirken für das Dresdner Gastgewerbe "umbilanziert" wurden. Die stärker im Gedächtnis verhafteten Probleme und Mängel, wie die "Platzierungsunsitten" frei nach dem Motto "Der Gast ist zwar König, der Kellner aber Kaiser", das auf ein zusätzliches Trinkgeld ausgerichtete "Blindreservieren" und der bauliche Verfall vieler Gaststätten werden in diesem Kompendium nicht ausgespart.

Zur Augenweide machen das Buch nicht zuletzt die rund 400 Abbildungen. Wille, der sich stark für das Dresdner Schulmuseum engagiert, hat über 3500 Fotos in seinen Fundus, die meisten allerdings digitalisiert. Ein Postkartensammler hat ihm mal 1500 Motive von Gaststätten kostenlos abgegeben, so verfügt Wille allein über 80 bis 100 Ansichten vom Hotel Bellevue.

C. Ruf

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.10.2012

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