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Manfred Breschke und Philipp Schaller beim kabarettistischen Treffen der Generationen

Dann frag halt Stumpi! Manfred Breschke und Philipp Schaller beim kabarettistischen Treffen der Generationen

„Rede und Gegenrede, Manfred! Pingpong!“ Der Geist von Hans-Joachim Preil scheint für einen Moment in Philipp Schaller gefahren zu sein, als er seinem Kabarettpartner Manfred Breschke mit wunderbar gespieltem Jähzorn ins Gewissen redet. Dieser verweigert sich nämlich hartnäckig der ihm per Textbuch zugedachten Rolle als Punching-Ball Schallers.

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Treffen zweier Kabarettisten-Weltbilder: Manfred Breschke (r.() und Philipp Schaller in „Wir werden’s euch besorgen!“

Quelle: PR

Dresden. „Rede und Gegenrede, Manfred! Pingpong!“ Der Geist von Hans-Joachim Preil scheint für einen Moment in Philipp Schaller gefahren zu sein, als er seinem Kabarettpartner Manfred Breschke mit wunderbar gespieltem Jähzorn ins Gewissen redet. Dieser verweigert sich nämlich hartnäckig der ihm per Textbuch zugedachten Rolle als Punching-Ball Schallers – man ist sich stellenweise einfach zu einig für Widerspruch. Der Aufstieg der AfD zur parlamentarischen Kraft? Zum Kotzen. Ministerielle Informationspolitik in Sachen TTIP? Eine Katastrophe.

Es könnt alles so einfach sein, doch wäre es das – Schaller und Breschke müssten nicht schon im Titel ihres am Samstag im „Breschke & Schuch“ uraufgeführten Programms („Wir werden’s euch besorgen!“ ) mit einer Abrechnung drohen, und sich in Form ihres ersten gemeinsamen Werks auch nicht so ausgiebig an den Widersprüchen der gesamtdeutschen Wirklichkeit, an der Clausnitzer Willkommenskultur und an den zynischen Schießbefehlfantasien der Klapper-Storch abarbeiten.

Die Chemie stimmte bei der ausgiebig bejubelten Premiere zumeist, wiewohl hier nicht nur zwei Kabarettgenerationen, sondern zwei unterschiedliche Berufsauffassungen aufeinanderprallen. Im Duell zwischen dem geschniegelt auftretenden Jüngeren (der mit beeindruckender Bühnenpräsenz untermauert, dass er die Lehrjahre im Kreis der „Spätzünder“ Michael Feindler und Erik Lehmann erfolgreich absolviert hat) und seinem deutlich agitatorischeren Partner hält die Institution Kabarett auch Gericht über sich selbst. Schaller verspottet Breschke (der gerade 40-jähriges Bühnenjubiläum begeht) für „linksfaschistischen Gesinnungsterror“ und beständiges Abgleiten ins „Diplomatisch-Pfaffenhafte“, Breschke dagegen zweifelt in diesem temporeich inszenierten Schlagabtausch den Wert betulicher Späße über Helikopter-Eltern und Veganer an.

Schallers Textbuch sowie Mario Grünewalds Inszenierung gehen offensiv und doppelbödig mit dieser Kluft um, dient doch der drohende Kollaps des Abends von Beginn an als roter Faden. Breschke verweigert sich in den Augen seines betont schlecht gelaunten Mitspielers konsequent dem angeblich beschlossenen Skript, über das sich „Tante Erna“ – oder jedenfalls Schallers „Mutti“ – bei der Voraufführung noch vor Lachen „nass gemacht“ haben soll. Kein Wunder, dass der Juniorpartner im zweiten Teil droht, den Laden dichtzumachen, während Breschkes Solo lieber schon mal Zähneputzen geht und von servileren Mitspielern träumt: „Ich frag mal Stumpi!“

Natürlich raufen sich beide dann doch noch zusammen und beerdigen die allzu simple Unterscheidung zwischen dem Privaten und dem Politischen. In den besten Momenten gelingen dem Duo pointierte Analysen, die sogar einen Anflug von Konfrontation riskieren. Famos so der Streifzug durchs ideologische Unterholz einer Toys’R’Us-Filiale, glänzend auch Schallers Grübelei darüber, dass die NS-Gedenkstätten wohl das letzte deutsche Ausflugsziel ohne Souvenirshop darstellen. Mit intensiven Momenten warten auch Breschkes präzise gearbeitete Monologe auf: ein nach wie vor bedrückend aktuelles Gedicht über teutonische Kolonialherrenfantasien und die Zinsrechnung eines Milliardärs, der in vier Minuten Toilettenpause immer noch mehr verdient als „seine Perle Natascha“ in einem ganzen Monat.

Nicht jeder Kalauer sitzt, nicht jeder Tonartwechsel gelingt, und die Themenschwerpunkte des Potpourris liegen zwischen Sprachpanscherei, Kapitalismus-Schelte und „Petry Heil!“ zumeist im Rahmen des Erwartbaren. Das Publikum übersah die kleineren dramaturgischen Schwächen jedoch großzügig und hatte beim Beifall dann auch bereits die Watsch’n Schallers vergessen. Dieser hatte zu Beginn noch spekuliert, dass eigentlich auch Gags über Bismarck ankommen müssten – der ein oder andere im Saal dürfte diesen ja noch erlebt haben.

nächste Vorstellungen: 22. bis 25. Juni, 29. Juni bis 2. Juli (jeweils 19:30 Uhr)

www.kabarett-breschke-schuch.de

Von Wieland Schwanebeck

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