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Malerei von Matthias Kistmacher im Zahnärztehaus Dresden

Malerei von Matthias Kistmacher im Zahnärztehaus Dresden

Das Ausstellungsmotto "...nächste Tür links" klingt lapidar. Genauso ist es gemeint, passt es doch zu einer Malereiauffassung, die sich auf den ersten Blick unspektakulär, ja oft nüchtern gibt.

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Matthias Kistmacher: Zwei Fender. Öl und Tempera auf Baumwollgewebe, 2011, 75 x 100 cm.

Quelle: Galerie

Matthias Kistmacher ist damit nicht allein. Erinnert sei an die vor einigen Jahren durch die Galerie Neue Meister realisierte Ausstellung "Fehlfarben", die sich explizit "neuer Malerei" aus Berlin, Dresden, Leipzig und München widmete. Unter den einbezogenen Künstlern waren die Absolventen der Hochschule für Bildende Künste Dresden Martin Borowski, Eberhard Havekost, Thoralf Knobloch und Sophia Schama. In diese Altersgruppe gehört auch Matthias Kistmacher, der mit Knobloch zudem durch die Herkunft aus dem Einzugsgebiet der Lausitz verbunden ist. Wurde dieser im sächsischen Bautzen geboren, stammt Kistmacher aus dem brandenburgischen Guben. Gekreuzt haben sich ihre Wege erstmals um die Mitte der 1990er Jahre an der HfBK, wo Kistmacher zwischen 1987 und 1992 studierte und bis 1994 Meisterschüler war.

Die qualitativen Umbrüche dieser Jahre waren bekanntlich nicht nur politischer Natur, sondern fanden ebenso im technischen, besonders im medialen Bereich statt. Das hatte auch Folgen für die Bildende Kunst, nicht zuletzt die Malerei. Die Flut medialer Bilder beeinflusste Sehweisen, ja den Blick auf die Welt, und forderte zugleich deren analytische Betrachtung. Um die Mitte der 1990er Jahre kam eine Malerei auf, die deutlich den Medienhintergrund erkennen ließ. An die Stelle des Skizzenbuchs und des Naturstudiums traten die Bildersammlung aus Journalen, zunehmend eigene Fotos und bald deren Bearbeitung durch den Computer sowie schließlich - anstelle einer Vorzeichnung - oft die Übertragung des "Vorbildes" per Beamer auf die Leinwand. Ausschnitte, ja Bildmanipulationen wurden gängig. Die Malerei selbst zeigte feine, glatte ("mediale") Oberflächen. Die Oberfläche gewann überhaupt neue Bedeutung.

Auch Matthias Kistmacher nutzte zunächst Zeitschriftenbilder als Vorlagen. Damals entstanden daraus unter anderem die eindrücklichen, ausschnitthaften Tierbilder. In jüngerer Zeit geht er nun mit der Kamera auf Motivsuche. Was er festhält, ist oft ganz alltäglich, würde von anderen vielleicht übersehen. Er aber entdeckt darin das Besondere und verstärkt es durch digitale Erarbeitung des Motivs sowie dessen malerische Umsetzung in stille Stadt- sowie Kleingartensujets, ebenso stille nächtliche Szenerien - etwa aus Tiefgaragen und Werkhallen oder erleuchteten Geschäftsstraßen - sowie Boot- und Werftmotive. Im Bild erscheint alles in einem sprichwörtlich "neuen Licht". Auffällig - dem entspricht auch die auf der Einladung abgebildeten "Zwei Fender" (2011) - ist eine Fokussierung auf Ausschnitte beziehungsweise Details sowie das Experimentieren mit Formen und Perspektiven, etwa beim Thema "Boot". Das Ergebnis nennt Kistmacher "Schwimmformen", ziemlich weit weg vom realen Boot, aber noch nachvollziehbar. Eine andere Art der Verfremdung widerspiegeln "Quer" genannte Bilder (2011). Basis waren Aufnahmen aus nächtlichen Tiefgaragen und Parkdecks, die am Computer verzerrt, "gestretcht", wurden. Was bleibt, sind Farbe und Licht, umgesetzt in Malerei voller Brechungen. Eine gewisse Verrätselung ist auch den "Plakatwänden" eigen. Besonders ein großes Format von 2012/13 irritiert, sind darauf doch die plakatierten, teils abgelösten Schichten in eine Ebene gehoben.

Dies alles ist kein Selbstzweck. Kistmacher geht es um Fragen der Malerei - um Farbe, Licht, Form, Räumlichkeit, Perspektive. Auffallend an seinen Bildern, für die er Ölfarbe, mitunter aber auch Tempera einsetzt, ist die feine malerische Textur, die auf dünnen Farbauftrag und feines Verreiben zurückgeht. Der Effekt: ein leichtes Verschwimmen von Konturen, eine gewisse, auch Distanz erzeugende Unschärfe. Hervorzuheben ist ebenso die abgestimmte Palette, die wie die malerische Technik nicht wenig dazu beiträgt, das Spiel mit Licht - künstlich oder natürlich - und Schatten, aber auch Spiegelungseffekte zu realisieren. Auffallend ist das Vermögen, Materialität - etwa Metall, Lackoberflächen oder Glas - wirkungsvoll sichtbar zu machen. Beispielhaft dafür ist der Schattenwurf eines Metallgestänges auf dem Bild "Zwei Fender".

Wiederum eine ganz außergewöhnliche Atmosphäre, ebenso Räumlichkeit, schafft das leicht flirrende Glasfenster der "Baumwollspinnerei" (2006). Beim "Glashaus" (2009) ist es ähnlich. Um ein Spiel mit Nähe und Ferne geht es bei der "Roten Mühle" (2009), einer Schrebergartenidylle, deren Enge verstärkt nachempfindbar wird. In solchen, auf einen größeren Wirklichkeitsausschnitt fokussierten Bildern spiegelt sich zugleich Zeitkolorit. Beides - malerisches Experiment und Zeitkolorit - haben in Matthias Kistmachers Kunst ihren Platz. Der eigentlich schöpferische Prozess beginnt schon mit der Wahl des Wirklichkeitsausschnitts beim Fotografieren, setzt sich fort mit der Weiterbearbeitung bis zum Motiv. Gleichwohl: die Malerei bleibt die Hauptsache und das eigentlich Spannende. Daran lassen die Bilder Matthias Kistmachers keinen Zweifel.

bis 4. Juli, geöffnet Mo-Fr 8-17 Uhr; eine weitere Ausstellung mit Arbeiten von Matthias Kistmacher zeigt bis 1. Juli auch der Kunstverein Bautzen

www.zahnaerzte-in-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.06.2013

Lisa Werner-Art

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