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Malerei und Grafik von Bernd Kerkin in der Kunstgalerie am Weißen Hirsch in Dresden

Malerei und Grafik von Bernd Kerkin in der Kunstgalerie am Weißen Hirsch in Dresden

Zwischen 1985 und 2012 entstanden einige der jetzt in der Kunstgalerie am Weißen Hirsch gezeigten Arbeiten des Berliner Malers und Grafikers Bernd Kerkin (geb. 1951).

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Bernd Kerkin. Hauschka-Variation 28. 2012.Repro: Katalog

Quelle: aus buch

Schwerpunkt der Ausstellung bilden zwei Dutzend Acrylbilder, in denen der Künstler mit minimalen Formen und Farbspuren experimentiert. Die mächtigen Großformate füllen die Wände ohne Mühe. Es bleibt immer noch Raum für weiße Wandlücken, die im Kontext der Präsentation mitagieren und ihren stark meditativen Charakter verstärken. Weiß steht neben weiß. Kreise, Ovale und groteske Pinselschwünge umschlingen einander wie Engelsfedern, mal im hellen, kaum wahrnehmbaren gerippten oder gefiederten Gelb ("Hauschka-Variation"), ein andermal Blaugrau oder Orange als minimale Form oder einfach als lebendige, frische malerische Fläche mit all ihren Unwägbarkeiten, künstlichen "Verunreinigungen", Drippings, Erden und Sanden, die der Künstler gezielt einsetzt, aber auch laufen lässt. Den Betrachter sprechen bekannte Formen wie Kreise, Bogenschwünge und große Pinseltupfen an, die in der Fläche des Bildes miteinander im Dialog stehen und zu einem Kürzel oder einem gestischen Kalligramm zusammengefasst sind. Oft sind die Flächen stark strukturiert und farblich geteilt.

Ein großer Trichter agiert im Bildmittelpunkt bei "Reality Shortened". Mit bis zu 20 Farbschichten arbeitet der Künstler seine Malwut ab, zerstört, verwischt und beginnt wieder von vorn, erkennt in einer lyrischen Sentenz: "Verkürzte Realität, eine Felsgruppe/ein einzelner Stein/ein Wasserstrudel/ein eigenartiger Fisch//Darüber die Arbeit/Fünfzehn, zwanzig Schichten/weglassen, zusammenziehen, verkürzen/Realität befreit/zu abstrakten Zeichen" (Katalog). Die Leinwände erscheinen manchmal wie geritzt oder geschabt und die Farbe wurde unregelmäßig darüber gestrichen oder gegossen, ganz dem Zufälligen ausgesetzt, aber auch gesteuert. So stellen diese Bilder Ergebnisse von Prozessen, der Interaktion von Kopf, Hand und Malwerkzeug auf der Leinwand dar, die in ihrer Konsequenz so sind und nicht anders. Geronnen in Augenblicken oder in langen Sitzungen, weggestellt oder plötzlich wieder angenommen, fortgeführt in endlosen Versuchen.

Kerkins "Hauschka-Variationen" sind von minimalistischer Musik angeregt. Hauschka ist ein zeitgenössischer Musiker: "Der fingert an seinem Flügel rum, bastelt Widerstände und Verstärkungen rein, greift in die Saiten und diese elektronisch ab, spielt mit sich ein Duett, ja, klingt wie ein ganzes Orchester"(Katalog). Diese großen Bilder sind auf weniges reduziert (auf einige Töne) und sprechen Archaisches an, von Reisen in die Welt (1991/92) mitgebrachte Anregungen von Mexiko bis Australien, von indianischer Kunst bis zur Rindenbastmalerei der Aborigines. Auch in den anderen Arbeiten spiegelt sich "eine künstlerische Ethnologie, hineingenommen in die eigene Gefühlswelt" (Eugen Blume). Kerkin ist auf der Suche nach urzeitlichen Archetypen und Chiffren, "die um das Geheimnis des menschlichen Seins schlechthin kreisen" (E.B.).

In anderen Bildern hat sich Bernd Kerkin mit Beuys und Eva Hesse auseinandergesetzt, wie in den verschlungenen Kompositionen "Works on Eva Hesse", zwei Arbeiten, die das Thema von tanzenden Netzen im Raum und Knotengebilden aufnehmen und auf originelle Weise weiterführen. Wie ein korpusartiger Thorax binden sich rippenförmige, weiße Linien um zwei zentrale Bildbalken. Ein anderes zeigt zwei von links ins Bild gleitende weiße Schwünge, die auf eine poröse, schwarze Fläche treffen. In der Serie "Koma" (weiße Kokons auf schwarzem Grund) geht es um die geschlossene Form großer Bögen, die zu einer Seite hin offen sind, während die Kaltnadelfolge "Agaete" kleinteilige Bögen, Spiralen, Kreise und einzelne Linien zu kompakten Formen zusammenbindet. Bernd Kerkins Kunst ist ein Spiel mit kosmischen Formen zwischen Chaos, Struktur und Ordnung, die in der gestischen Interaktion auf Leinwand und Papier lebendig zur malerischen Botschaft gerinnen.

Bis 6. April. Kunstgalerie am Weißen Hirsch, Luboldtstraße 12, Mi-Fr 15-18 Uhr, Sa 10-12 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.03.2013

Heinz Weißflog

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