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Märchenhafte Premiere in Weinböhla

Märchenhafte Premiere in Weinböhla

Die Bühne: ein großes Tuch. Bühnenhintergrund: ein großes Tuch. Wellen im arktischen Meer: dasselbe große Tuch. Die Landesbühnen Sachsen üben in ihrer jüngsten Produktion, die gestern Vormittag im Zentralgasthof Weinböhla Premiere hatte, absichtsvoll in der Kunst der Reduktion.

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Stephanie Krone und Grian Duesberg in "Das Kind der Seehundfrau".

Quelle: PR

Umso mehr wird die Fantasie des jungen Publikums angeregt. Auf Grundlage eines alten Inuit-Märchens entstand das Musiktheaterstück "Das Kind der Seehundfrau", dessen Textfassung die niederländische Autorin Sophie Kassies schuf. Aufgrund der teilweise neuen Musik von Jan Heinke geriet die Premiere gar zu einer Uraufführung.

Mehrere Schulklassen sind am Nikolaustag trotz Xaver in den Saal geströmt, wo sie der kalte Hauch des Nordens umfing. Wie schon die karge Ausstattung von Irina Steiner eine frostige Stimmung suggerierte, so erzeugten auch die metallenen Klänge einen Eindruck klirrender Kälte. Der vom Stahlquartett bekannte Komponist entlockte seinem Stahlcello bogenweise Orkanböen, angstvolle Robbenlaute sowie das Knirschen von Schnee und ewigem Eis. Thomas Tuchscherer an der Celesta schien noch ein paar gewaltige Frostzapfen hinzu zu tasten, von einem eigens aus Schrottfunden gesammelten Schlagwerk-Instrumentarium aus ließ Percussionist Demian Kappenstein die tiefen Minusgrade schier unter die Haut gehen. Das Kratzen eines Sägeblatts erzeugt schon beim Lesen ein Frösteln.

Bei all der atmosphärisch gelungenen Eindrücke einer lebensfeindlichen Welt wird aber doch eine herzerwärmende Geschichte erzählt, deren Umsetzung die Augen der ganz dicht vor der Spielfläche sitzenden Zuschauer leuchten lässt. "Das Kind der Seehundfrau" handelt von einem einsamen Mann, der sein karges Dasein tagein, tagaus mit dem Fischen fristet. Er scheint vom Leben schon nichts anderes mehr zu erwarten - bis er nackte Frauen tanzen sieht. Mitten im Eis! Es sind fröhliche Robben, die ihre Felle abgelegt haben. Der schönsten nimmt der Mann das Fell weg, sie bleibt Frau, die beiden werden ein Paar und bekommen einen Sohn, Oruk.

So viel Glück! Und ein schwarzer Schatten darüber, die Seehundfrau muss ihr Fell nach sieben Jahren wieder haben, um nicht zu sterben. Der Mann aber will's ihr verwehren, will sie nicht mehr missen. Oruk schließlich hilft, weil er versteht, dass es seine Mutter zu Ihresgleichen zieht.

In der Inszenierung von Klaus-Peter Fischer, dem Junges-Studio-Leiter an den Landesbühnen, geriet diese durchaus spannende und teils auch melancholisch ergreifende Geschichte ungemein poetisch. Nur zwei Darsteller - die Sängerin Stephanie Krone und der Schauspieler Grian Duesberg - spielen die Familie sowie weitere Personen einer Rahmenhandlung. Aktiv greifen auch mal die drei Musiker kommentierend oder anfeuernd ins Geschehen ein. Hin und wieder übrigens auch vorwitzige Premierengäste, die damit beweisen, wie sehr sie in den Sog des Theaters geraten sind.

Besonders schön gelang das deftige Liebesspiel von Frau und Mann, ein Beweis dafür, dass vermeintlich anzügliche Themen auch kindgerecht umgesetzt werden können. Auch die traurigen Momente wurden weder überspannt, noch verniedlicht. Neben dem großen Bühnentuch genügten zwei normale und ein kleiner Stuhl, um Eltern und Kind zu charakterisieren. Die Möbel dienten als Kajak, wurden zum Eisberg übereinandergestapelt, passten perfekt in die Ideenwelten der Zielgruppe. Duesberg und Krone haben ihre Rollen sehr sinnlich gehalten, mit deutlicher Spielfreude, die gut ankam beim jungen wie auch beim älteren Publikum in Weinböhla.

Michael Ernst

inächste Aufführungen: 7., 8., 13., 14., 16., 17., 18., 22. Dezember in der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen, 10. Dezember im Schloss Großenhain, 11., 12. Dezember im Klosterratssaal Riesa

iwww.landesbuehnen-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.12.2013

Michael Ernst

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