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Regional Mächtig gewaltige Erscheinung bei Diplomprüfungen an der HfBK
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18:51 13.07.2017
Der Riese ist eine von vielen Abschlussarbeiten an der HfBK Dresden. Quelle: Gabriele Gorgas
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Dresden

Es macht ihm schon einige Mühe, durch die Tür in den Zeichensaal zu kommen. Obwohl diese so klein nun auch wieder nicht ist. Aber er ist einfach über die Maßen groß, eine Riese eben. Und schaut dabei so starr und ratlos in die Runde, dass man glatt vergessen könnte, woraus er wirklich und wahrhaftig beschaffen ist. Aus Polystyrol zum Beispiel wie auch aus diversen anderen Materialien. Mit einem Kraxen-Gestänge im Leibe. Versteckt getragen von einer jungen Frau, die im Bauch dieses mächtig gewaltigen Körpers eine geschickt getarnte Sichtmöglichkeit nutzt, um sich in der „Außenwelt“ orientieren zu können. Andere wieder begleiten den Riesen für alle sichtbar, lenken die Bewegung seiner Arme mit langen Stäben.

Besonders lebendig aber ist der so ausdrucksvoll gestaltete Kopf, der die Illusion einer wachen Wahrnehmung vermittelt. Wen der Blick aus diesen Glasaugen trifft, der ist quasi gebannt. Und wenn sich der Hüne herabbeugt, dann weicht auch manch Eingeweihter noch zurück. Alles nur Schein? Gewiss doch. Man weiß und sieht es ja auch. Aber zum Staunen ist es allemal. Und wenn die vergleichsweise mädchenhaft wirkende Schöpferin des Hünen, die sich in ihrer Diplomprüfung bei vielen für deren Mitarbeit bedankt, ausführlich über das Motiv in Kunst und Literatur gesprochen sowie den Werdegang ihres Riesen vor dem Auditorium erläutert hat, an dessen Seite steht und mit ihrer Hand die seine ergreift, hat das etwas sehr Berührendes. Fast wie im Märchen. Bis er schlussendlich verlassen und „zerlegt“ am Boden liegt. Das wirkt dann eher tragisch.

Dass die Theaterplastiker am FH-Studiengang Theaterausstattung der HfBK Dresden wie überhaupt alle an dieser gefragten Ausbildungsstätte zaubern können, weiß man ja längst. Aber solch eine Sagen- und Märchengestalt, wie sie in diversen Künsten eine Rolle spielt, verblüfft eben doch. So etwas sieht man nicht alle Tage. Die Anregung dazu bekam Ruth Weissenburger Ende 2016 vom „Geschichtenreich e.V.“, einem Theaterverein aus Börnicke im Landkreis Havelland, der das „Tapfere Schneiderlein“ aufführen wollte und dazu Unterstützung bei der Umsetzung von Theaterplastiken brauchte. Sie hätte sich auch für Wildsau oder Einhorn entscheiden können, aber der Riese, der sich vom Schneiderlein übertölpeln lässt, hatte es ihr angetan, war für das Diplomprojekt einfach die größte Herausforderung.

Inzwischen hat es schon mehrere erfolgreiche Aufführungen gegeben, und dass dabei die Hünengestalt noch vor der Diplomprüfung das Spektakel so unbeschadet überstehen konnte, zeigt auch, dass da ein höchst praktikables Wesen entstanden ist, welches nicht nur imposant aussieht, sondern sich auch als spiel- und widerstandsfähig erweist. Was nicht so selbstverständlich ist. Immerhin müssen die Diplomanden (und besonders auch bei dieser Figur) stets darauf achten, dass der Preis bezahlbar bleibt, die Materialien stabil und zugleich beweglich wie in ihrer Gesamtheit auch noch „tragfähig“ sind.

Derzeit finden – und ebenso im September - im Hochschulgebäude Güntzstraße überhaupt diverse Diplomprüfungen statt. Und wer einmal dabei gewesen ist, weiß, dass solch öffentliche Veranstaltungen recht unterhaltend sein können. Vor allem aber ist detailliert zu erfahren, wieviel Können, Wissen, Ideen und Hingabe es braucht, um beispielsweise derart besondere Theaterplastiken, Kostüme, Masken oder Objekte der Theatermalerei zu realisieren.
An diesem Sonnabend übrigens, unmittelbar nach Eröffnung (19 Uhr) der Jahresausstellung auch im HfBK-Gebäudekomplex Güntzstraße, startet daselbst im Garten das stets gefragte Sommerfest. Wo man zu etwas vorgerückter Stunde (Beginn ca. 21.30 Uhr) zur beliebten Show eingeladen ist.

Der Riese allerdings, dem ja noch einige Theateraufführungen im Brandenburgischen bevor stehen, mischt sich da nicht unters Volk. Er bewacht dafür, dekorativ einbezogen, die Brühlsche Treppe am Labortheater. Wo ihn natürlich keiner übersehen wird.

Von Gabriele Gorgas

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