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Regional MTV-Unplugged: Revolverheld in der Jungen Garde Dresden
Nachrichten Kultur Regional MTV-Unplugged: Revolverheld in der Jungen Garde Dresden
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10:01 01.08.2016
Revolverheld gaben am Sonnabend ein MTV-Unplugged-Konzert in der Jungen Garde.  Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Wer lange auf sich warten lässt, hat normalerweise einiges zu bieten. Das traf bei Revolverheld, die am Sonnabend im Rahmen ihrer MTV Unplugged-Tour zu Gast in Jungen Garde waren, aber nur bedingt zu. Bereits gegen 18 Uhr hatten sich die ersten eingefleischten Fans der vier Jungs aus Hamburg die besten Plätze vor der Bühne gesichert. Sie sollten noch knapp drei Stunden warten, eher ihre Idole auf der Bühne so richtig loslegen würden.

Revolverheld spielte am Sonnabend auf der Freilichtbühne Junge Garde im Großen Garten. Das Konzert war komplett ausverkauft.

Da half auch Julian Le Play als Vorband nichts, der mit einer Hand voll Schmusepop-Songs angereist war und nicht müde wurde zu betonen, welch großes Konzert gleich folgen werde. Dennoch ließ sich die restlos ausverkaufte Garde die Stimmung durch das Warten nicht vermiesen. Zu groß die Vorfreude auf das, was kommen sollte – immerhin ist ein MTV Unplugged-Konzert ein moderner Ritterschlag für Musiker. Und obwohl die Garde in diesem Jahr das erste ausverkaufte Konzert für die Poprock-Musiker markierte, ist die MTV Unplugged-Reihe der Jungs bisher sehr gut besucht.

Nachdem der original-Einspieler des Unplugged-Konzertes – Oliver Wnuk philosophiert, als Barkeeper verkleidet, und über den Sinn von Kneipengesprächen – an die Leinwand geworfen wurde und somit die Protagonisten des Abends ankündigte, betreten Sänger Johannes Strate und seine Mitstreiter die Bühne. Und jener Strate signalisiert seinen Fans gleich zu Beginn beim ersten Hit „Bands deiner Jugend“, welche Power seine Band, die natürlich nicht unplugged aufspielte, versprach.

Für das Lied „Spinner“ betrat Rachel – beim originalen MTV-Konzert wurde das Stück mit Annett Louisan gesungen – die Bühne. Der sicher als zart und zurückhaltend angedachte Beitrag der Sängerin konnte jedoch aufgrund der schwierigen Akustik kaum überzeugen. Strates Gesang dominierte, wischte Rachel stellenweise von der Bühne. In Kombination mit den sehr anspruchsvollen Percussions im Hintergrund sowie den Bläsern und Streichern war es auch jener überragende Gesang, der großzügig dabei half, über die stellenweise sehr übersteuerte und kratzende Akustik hinwegzusehen.

Dabei bietet gerade die Garde ein riesiges Potenzial, das, zumindest klanglich, an diesem Abend nie ausgeschöpft wurde. Und es war letztlich auch der nahezu perfekte Gesang und das Idiolekt des Frontmanns, der das Konzert über den Abend trug und immer wieder für Begeisterung unter den vorwiegend weiblichen Fans im mittleren Alter sorgte. Der erste der drei Akte, in die sich das Konzert unterteilte, sorgte mit den Radio-Hits „Ich werd‘ die Welt verändern“ und „Das kann uns keiner nehmen“ bereits für eine ausgelassene Mitsing-Stimmung. Im zweiten Akt hatten bei Titeln wie „Immer in Bewegung“ und „Darf ich bitten“ vor allem Backgroundsänger, Streicher und Bläser ihren Auftritt, auch das Publikum stieg zum ersten Mal energischer ein.

Für die Abwesenheit von Das Bo verkleidete sich der Frontmann selbst als jener Rapper und sorgte für Sprechgesang vom Allerfeinsten – es gibt anscheinend wenig bis nichts, was Johannes Strate mit seiner Stimme nicht perfekt abliefert. Ein bunter Augenblick in einer eher eintönig klingenden Gesangswelt. Nach Titeln wie „Längst verloren“, „Die Welt steht still“, „Neu anfangen“ und „Halt dich an mir fest“ wird doch eine gewisse Variantenarmut im Repertoire der Band deutlich, die wiederum durch Strates überzeugendes Organ einmal mehr einfach weggewischt wird.

Einen absoluten Höhepunkt, sowohl gesanglich als auch instrumentell, stellte das Cover des Echt-Hits „Du trägst keine Liebe in dir“ dar, das Strate förmlich einzusaugen und neu definiert perfekt auf die Bühne zurückzubringen scheint. Eigentlich ein Zeichen für Band und Fans, dass sich ein Ausbruch aus dem eigenen Dogma oft zu lohnen scheint.

Dennoch lieferten Revolverheld einen runden, trotz akustischer Problemchen hochwertigen und entspannten Sommerabend ab und begeisterten ihre Fans. Auch dass es die Jungmusiker, die sich als die „Alte Garde in der Jungen Garde“ bezeichneten und trotz Trinkpausen einige Titel der Unplugged-Platte nicht spielten, bereits nach weniger als zwei Stunden wieder von der Bühne zog, störte niemanden. Dabei waren es gerade jene letzten beiden Lieder, die noch einmal für, wenn auch für kurze, explosionsartige Stimmung sorgten.

Von Sebastian Burkhardt

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