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Regional Luxuskreuzer „MS Reichtum“ im Deutschen Hygiene-Museum Dresden
Nachrichten Kultur Regional Luxuskreuzer „MS Reichtum“ im Deutschen Hygiene-Museum Dresden
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18:09 09.09.2015
Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden inszeniert den uralten Traum von Luxus, Wohlstand und Sicherheit. Auf der „MS Reichtum“ gibt es aber neben viel Licht auch Schatten. Quelle: dpa

Die Sonderschau „Reichtum - mehr als genug“ soll ab Samstag über die diversen Aspekten von Wohlstand informieren, aber auch konfrontieren und provozieren, sagte Museumsdirektor Klaus Vogel am Freitag. Dabei zeugen nur wenige Exponate vom Überfluss, vielmehr fügen sich Statistiken, Fotos, Filme und Arrangements in elf zur „MS Reichtum“ umgebauten Räumen zu einer Inszenierung.

„Es gibt kaum jemanden, der nicht gern reich wäre, und die, die es sind, scheinen oftmals verdächtig“, beschrieb Kurator Daniel Tyradellis die Ambivalenz des Themas. „Reichtum löst Kritik aus und fasziniert.“ Im Gegensatz zur Armut sei er aber nicht erforscht. „Reichtum ist im Wesentlichen Überschuss, die Lust, mehr zu haben als das, was man braucht.“ In Deutschland sei inzwischen jeder Hundertste Millionär. Zudem gebe es im Vergleich zu anderen Ländern einen sehr hohen gesellschaftlichen Reichtum.

Bis 10. November können Besucher gleich Passagieren eines Luxuskreuzers in die Welt der Reichen und deren Abgründe eintauchen. „Eine Kreuzfahrt ist für viele der Inbegriff eines Lebens in Genuss und Luxus“, erklärte Tyradellis die Wahl der Ausstattung. „Ein Schiff ist eine schöne Metapher für die Gesellschaft im Ganzen und ein idealer Ort der Separierung: man genießt den Luxus und ignoriert die Abgründe.“

Der Rundgang führt durch goldene Gänge und eine Ladengalerie mit Louboutin-High Heels, Louis-Vuitton-Taschen und Bentley-Schlüssel in den Auslagen zum Sonnendeck mit Pool und Liegestühlen. Kombüse, Maschinenraum, Krankenzimmer und Brücke zeigen Antrieb, Armut sowie Reichtum als Perversion und Motor der Gesellschaft. Daten zu Einkommens- und Kaufkraftentwicklung oder Steueraufkommen werden in Form von Hotelschlüsseln, zu Pyramiden gestapelten Reisekoffern oder Pralinés auf einer Etagere plastisch.

Durch Bullaugen sind immer auch andere Relationen zu sehen wie das Video eines Motorbootunfalls neben dem Foto der Superjacht des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch. Monitore erlauben den Blick in sechs Kabinen: „Tatort“-Kommissar Martin Wuttke spielt Charity-Lady, Popstar, Mäzen, Unternehmer, Putzfrau und Rentner, der sich den Kreuzfahrttraum erfüllt. Die Schau will laut Tyradellis durchaus amüsieren. „Aber das Lachen soll auch im Hals steckenbleiben.“

dpa

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