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Live-Jazz und bildende Kunst mit Hyperactive Kid und Susann Brenner/Isolde Leonhardt an der HfBK Dresden

Live-Jazz und bildende Kunst mit Hyperactive Kid und Susann Brenner/Isolde Leonhardt an der HfBK Dresden

Jochen Aldinger hat auch mal gemalt. Sehr gern sogar. In der Schule lehnte sich der spätere Komponist, Pianist und Organist sogar so weit raus, dass er Musik abwählte.

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Die Berliner Jazz-Gruppe Hyperactive Kid spielt am Sonnabend in der Hochschule für Bildende Künste, zwei Künstlerinnen malen dazu.

Quelle: Natalie van Sasse van Ysselt

Der Kunst wegen. "Heute", sagt der in Dresden lebende geborene Stuttgarter, "hängen in unserer Wohnung fast ausschließlich Originale. Es sind meist Geschenke oder ,Gagen' von Konzerten zu Ausstellungen. Ich besuche in fremden Städten am liebsten Kunst-Museen und steige auf Türme, lasse mich bei meinem musikalischen Herangehen gern von der Bildenden Kunst inspirieren. Gerade Jackson Pollocks Arbeitsweise hat mich lange beschäftigt."

Dass es durchaus auch parallel gegangen wäre, haben Jazzer seit jeher bewiesen, teilweise weit über den Status des gepflegten Hobbys hinaus und sich im parallelen Studium von Kunst und Musik nicht erschöpfend. Saxophonist Peter Brötzmann war einst Bildhauer und Maler, von Trompeter Miles Davis stammen Gemälde, Bassist Milt Hinton galt als passionierter und hochbegabter Fotograf, Trompeter Herbert Joos gestaltete Cover der Zeitschrift "Jazz Podium" mit eigenen Grafiken, die Kollaborationen des Bassisten Peter Kowald mit bildendenden Künstlern sind legendär, die Karikaturen des Gitarristen Volker Kriegel sowieso. In der DDR waren experimenteller Jazz und experimentelle Kunst - natürlich zumeist als Zeichen einer die Grenzen erforschenden, subversiven Grundhaltung - aufs Engste beieinander, vergleichbar nur mit der Symbiose von Super8-Filmen und Jazz respektive Punk. Legendär waren die "Aktionen" der jazzwerkstatt Peitz oder der 1985er "Intermedium" in Coswig. In Dresden galten besonders Helge Leiberg und a.r.penck als frühe Protagonisten ohne "Lager-Koller". Zum Ende der 1980er und für zehn Jahre national und international von beachtlichem künstlerischen Format agierte die "Ton - Bild - Kumpanei"; Performances von Jürgen Haufe/Claus Weidensdorfer (Maler und Grafiker), Matthias Bolz (Video-/Projektionskünstler) und Dietmar Diesner (Saxophon). Ein Bildband mit CD-Rom ist noch heute über den im Genre angesehenen wolke verlag zu beziehen. Nachgerade sagenumwoben ist ein gemeinsames "Konzert" zwischen IG Populäre Musik und IG Jazz zu nennen, das im Mai 1989 in der Ur-Tonne im Kurländer Palais Herr Blum präsentierte - Vater und Sohn (Jürgen und Thomas Blum), Live-Actionpainting und E-Gitarre/Gesang. Als Projekt gibt es das übrigens noch immer, nur der Vater macht seltener mit.

Weshalb dieser weite Bogen am Beginn? Weil sich im gleichen Atemzug Erinnerung und Neuanfang mischen, wenn am Sonnabend an der Hochschule für Bildende Künste die als Reihe angelegte Veranstaltung "art.room" in ihre erste Ausgabe geht. Initiator ist - Jochen Aldinger. art.room versteht sich als offener Kunst-Raum, Plattform, auch als Label. Aldinger: "Es geht mir dabei um die Annäherung der Kunstrichtungen untereinander. Ich suche die Verbindung auch von Beat- und Groove-orientierter Musik hin zur bildenden Kunst." Aldinger möchte weg vom Klischee, die Verbindung von bildender Kunst und Musik funktioniere nur über "geräuschhaften" Free Jazz. Es gehe um mehr als die vordergründige Verbindung über die Komponente "Zufall" in freier Improvisation, sondern um tiefer liegende Gemeinsamkeiten. "Ich will", sagt Aldinger, "auch ein bisschen die Philosophie der Pariser Künstlercafés wiederbeleben, den Kontakt und Austausch aller Arten von Künstlern untereinander."

Zwei Kunstformen fließen ineinander und der kreative Prozess wird fürdas Publikum sichtbar

Für "art.room I" gab es schon im Vorfeld eine spontane Begegnung". Die Künstlerinnen Susann Brenner, 1986 in Zwickau geboren, und Isolde Leonhardt, geboren 1983 in Pforzheim, beschäftigten sich dabei intensiv mit Musik jener Berliner Band, die am Sonnabend live im Atelier 150 der HfBK auftreten wird: Hyperactive Kid. Brenner und Leonhardt studier(t)en an der Dresdner Hochschule. Leonhardt: "Es ist meine erste wirkliche Annäherung an den Jazz. In der aktuellen Auseinandersetzung bin ich auf Helge Leiberg gestoßen. Er hat mich in zweierlei Hinsicht inspiriert: Einerseits durch die wundervolle Verbindung zwischen Musik und Malerei, die er vor versammeltem Publikum herausarbeitet, andererseits durch die Parallele zu meiner aktuellen Arbeit. Wir haben uns im Vorfeld ganz auf die Musik von Hyperactive Kid konzentriert, es stehen aber weitere Ideen im Raum, wie wir den Abend gestalten können." Entstanden sind während einer gemeinsamen Session schwarzweiße Pergament-Bilder auf Öl-Untergrund. Ein kleines Kunstbüchlein ist ebenfalls in Arbeit. Geplant ist, dass die Band am Sonnabend in der Mitte des Ateliers spielt und Brenner/Leonhardt dem Begriff Wasser-Farben zur Musik eine eigene Bedeutung geben.

Und Hyperactive Kid? Die drei jungen Berliner zählen zu den wirklich angesehenen und generationsverbindenen Jazzern des Landes. Philipp Gropper (Saxophon), Ronny Graupe (Gitarre) und Christian Lillinger (Schlagzeug) agieren zunehmend ohne Visier. Ohne wirklichen Solisten. Ohne Bass. Frei. Seit Gründung im Jahr 2003 ist ihre Musik im besten Sinne immer haltloser geworden, das Trio selbst will lieber die Videos jüngeren Datums auf ihrer Website (www.hyperactive.kid) als Referenz benutzen als ihre bislang erschienenen CDs, vier an der Zahl. Moderne Musik, Jazz, Avantgarde, Geräusch, Rock, Groove, Harmonie, Disharmonie, Komposition, Improvisation, Form und Spring-Form, Absicht und Tücke - eingefärbtes Treib-Gut ist das, was von ihnen kommt. Und famose Handwerker sind es eh.

Isolde Leonhardt sagt: "Ich wünsche mir von der Reihe, dass zwei Kunstformen ineinanderfließen, dass für das Publikum der kreative Prozess sichtbar wird und gezeigt werden kann, dass Sinneswahrnehmungen wandelbar sind. Musik berührt die Seele des Menschen, aus der die Schöpferkraft entsteht. Ich kenne keinen Künstler, der ohne Musik arbeitet."

iSonnabend, 20 Uhr, Atelier 150, Hochschule für Bildende Künste, Brühlsche Terrasse 1, Eintritt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2013

Andreas Körner

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