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Liederabend mit Measha Brueggergosman bei Dresdner Musikfestspielen

Liederabend mit Measha Brueggergosman bei Dresdner Musikfestspielen

Allein schon mit der Werkauswahl versprachen Measha Brueggergosman und ihr Pianist Justus Zeyen eigentlich einen interessanten Abend im Palais Großer Garten. An den Jahresjubilaren Benjamin Britten und Richard Wagner kamen die kanadische Sopranistin und ihr Begleiter nicht vorbei, dies aber kombiniert mit weniger bekanntem, internationalem Liedgut von Ravel, Poulenc und Turina.

So richtig aber wurden dann die Erwartungen doch nicht erfüllt.

Measha Brueggergosman weiß eine robuste, dunkel getönte Stimme einzubringen, mit angenehmem Timbre, aber eben auch mit recht viel Vibrato und allerlei Schärfen in der Höhe. Hauptproblem ihrer Liedinterpretation war die oft wenig differenzierte Gestaltung. Da blieb zu viel aufgesetzt und an der Oberfläche. Schade drum!

Am besten gelang die letzte Liedgruppe "Tres Sonetos" von Joaquin Turina. Da meinte man das andalusische Flair unmittelbar zu spüren, gestaltete sie mit viel Temperament und Engagement. Dem 1903 in einer Orchesterfassung uraufgeführten, farbenreichen Zyklus "Shéhérazade" von Maurice Ravel versuchte sie mit Charme, aber auch mit opernhaften Akzenten beizukommen.

Nach Texten von Wystan Hugh Auden schrieb Benjamin Britten 1938 den Zyklus "On this Island". Die ariose Anlage dieser Miniaturen kam Mesha Brueggergosmans Gestaltungsweise sehr entgegen. Sie hatte weder mit den emphatischen Abschnitten noch mit den Koloraturen Mühe. Am meisten beeindruckte sie, wenn sie sich zurücknahm und sich eines verhaltenen, innigen Ausdrucks bediente, etwa in dem sanften Nachtstück "Nocturne".

Francis Poulenc ist der Gruppe des Six zuzurechnen, jener Gruppe von Komponisten, die sich dem französischen Neoklassizismus verschrieben. Aus seinem umfangreichen Liedschaffen hatte Measha Brueggergosman eine abwechslungsreiche Auswahl unterschiedlichster Form getroffen, die sie weitgehend kontrastreich und stimmlich respektabel zu Gehör brachte, ohne dass ihre Differenzierungskunst gerade hier auch die letzten Details der Lieder erhellte.

Bleiben Wagners Wesendock-Lieder. Measha Brueggergosman sang sie emotional dicht, leidenschaftlich, kraftvoll, gelegentlich zu laut und grob ("Schmerzen"). Insgesamt wäre eine diffizilere Gestaltung von Nöten gewesen.

Justus Zeyen ist ein unzählige Male bewährter Liedpianist von hohen Graden. Auch an diesem Abend ging er geschmeidig und zuverlässig auf die Intentionen der Sängerin ein, setzte die notwendigen Akzente.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.05.2013

M.Hanns

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