Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Laute Ode an die Kurzwelle

Sumac und Mammifer als amerikanisches Doppeltrio Laute Ode an die Kurzwelle

Der Sommer im Beatpol ist amerikanisch. Sicher als Pendant zur Euro-Fixierung von Otto Normalvolk gedacht, steht eine Weile – von Mitte Juno bis Anfang September – hinter jeder Band das Kürzel „USA“. Auch am Donnerstag bei Sumac / Mammifer.

Voriger Artikel
„Eugen Onegin“ in neuer Inszenierung an der Dresdner Semperoper
Nächster Artikel
Die Galerie art+form widmet sich den Miniaturen von Stefan Plenkers

Harte Töne, schrille Sound. Sumac ist nichts für Jedermann.

Quelle: Facebook/Sumac

Dresden. Der Sommer im Beatpol ist amerikanisch. Sicher als Pendant zur Euro-Fixierung von Otto Normalvolk gedacht, steht eine Weile – von Mitte Juno bis Anfang September – hinter jeder Band das Kürzel „USA“. Auch am Donnerstag bei Sumac / Mammifer.

Um gleich alle Irrtümer zu vermeiden: Sumac hat keinerlei Bezüge zur peruanischen Sängerin Yma Sumac, deren Stimmumfang einst mit vier Oktaven bemessen ward und die dank „Big Lebowski“ zu „Hollywoods Inkaprinzessin“ (so ein Doku-Titel) wurde. Nein, Sumac sind ein neues Trio aus szenenbekannten Rockheroen und spielen lapidar unter Hardcore und Postmetal verortete Klänge auf Bühnen wie im Club Dada zu Dallas, der Saint Vitus Bar in New York City oder der Valley Bar in Phoenix. Dazwischen nun Dresden, wo der helfende Verweis „ft. members of Isis, Old Man Gloom, Russian Circles, & Baptists“ sicher auch zuträglich war und danach die Frage erlaubt ist, ob die alte Kirche, in der ihr Album „What One Becomes“ aufgenommen wurde, noch steht.

Denn Gitarrist Aaron Turner gründete einst die Band Isis, die sich selbst als progressiv und alternativ verstand, sich aber schon vor der Syrienkrise auflöste. Bassist Brian Cook spielt hingegen passenderweise bei „Russian Circles“. Und Schlagzeuger Nick Yacyshyn trommelt ansonsten bei Baptists. Turner hat als einziger auch ein Mikro vor sich, in welches er ab und an Laute röhrt, die allerdings nicht wirklich verständlich sind und immer nur nach „Loud“ klingen. Melodien halten Sumac für obsolet, auch Applaus gilt als überbewertet, wofür man keine Pausen machen muss.

In diesen zelebrieren sie mit Gitarre und Verstärker Geräuschkulissen, die Feingeister als gesundheitsgefährdend empfinden könnten und Ältere an das Surfen über die weitreichende Kurzwelle erinnern, also das Rauschen und Klirren zwischen den Sendern und Funkern – hier allerdings auch das in exorbitanter Lautstärke und mehr als Experiment denn als Klang. Daraus schwillt ab und zu ein langer Song, hart und ungesotten – wie der Soundtrack zu asymmetrischen Kriegsspielen.

Der Dresdner Beatpol hielt das aus, rund 150 Leute, davon acht Frauen und sechs Langhaarige, schwenkten die Häupter im Takt, schlaue Menschen hatten vorsorglich Watte in den Ohren. Der Rest bekommt jetzt beim Lesen anderthalb Tage später noch (vermutlich psychosomatisches) Brummen. Für echte Fans seien (vor allem der Klubnamen wegen) dennoch die nächsten Gigs nicht unerwähnt: am 11. August im „Double Happiness“ in Columbus/Ohio und am 12. August in „The End“ in Nashville/Tennessee.

Zuvor hatte ein zweites US-amerikanisches Trio mit zwei Überschneidungen ein glasklares Gegengewicht geschaffen. Pianistin Faith Coloccia, Ehefrau von Aaron Turner, nutzte diesen als Gitarristen und Looper sowie auch Russenkreis-Bassisten Cook als Gefährten für ihre sphärischen Ausflügen. Diese sind auch gewöhnungsbedürftig, aber durchaus feenhaft-poesievoll und von Pausen und Ruhephasen geprägt.

Derweil sind die nächsten Kult-Amis schon im Anflug: Old-Souler Charles Bradley (13. Juli), die Hardcore Punks The Bronxxx (16. Juli), das Funkquartett Mother Tongue (20. Juli) – allesamt Vorboten von „Tito & Tarantula“ (24. August), der Beatpol spielt Botschaft.

Netzinfos: www.beatpol.de

Von Andreas Hermann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr