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Laute Musik plus böser Schnaps

15. Geburtstag von Katys Garage Laute Musik plus böser Schnaps

Eigentlich ging es fließend los, die neue Geschichte der Ex-Reifenservicewerkstatt mitten im Epizentrum der Dresdner Neustadt an der Kreuzung Alaun-/Louisenstraße: mit einer Tanzreihe der “Poppiloten”, die sich Britpop – damals urst en vogue – widmeten.

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Doublewide röhren Freitagnacht in Katy‘s Garage ein hartes Ständchen der Geburtsandacht, weil hier vor knapp 13 Monaten ihr Doppelscheibenbaby namens „Be Aware of the Beast” den Urschrei tat.

Quelle: Sven Hoeher

Dresden. Eigentlich ging es fließend los, die neue Geschichte der Ex-Reifenservicewerkstatt mitten im Epizentrum der Dresdner Neustadt an der Kreuzung Alaun-/Louisenstraße: mit einer Tanzreihe der „Poppiloten”, die sich Britpop – damals urst en vogue – widmeten. Daher hängt Stefan Hübner das heute beginnende Feierwochenende zum 15. Geburtstag von Katy’s Garage auch nicht an die ganz große Glocke. Muss er auch nicht, denn das Lokal, das sich als „Wohnzimmer der Neustadt” versteht, braucht keine Werbung, um Promis anzuziehen, die kommen ab und an und einfach so, am Sonnabend sicher vermehrt.

Für den gemeinen Ur-Neustädter scheint es derweil schwer vorstellbar, dass der Start – hier direkt neben der 65-jährigen Tante Scheune – erst anderthalb Dekaden her, also nach der jüngsten wie garantiert letzten Jahrtausendwende erfolgt sein soll. Doch es ist so: 2002 wurde Katys Garage als Musikclub im Herzen des Kneipen- und Szeneviertels gegründet: „Leute treffen, Musik hören und sich präsentieren, das war unser Rezept“, erzählt Garagenbetreiber Hübner, Dresdner des Jahrgangs 1971.

„Menschen aus aller Welt, die hier herumschwirren, sollten zusammenkommen, trinken, quatschen und gemeinsam eine schöne Zeit verbringen – Hauptsache friedlich und respektvoll“, schildert er den gewünschten Spirit, der Tourist, Student, Arbeiter, Punk und Architekt gleichermaßen ansprechen soll und täglich zu Tischkicker, Tanz oder Livemusik samt Barbetrieb lockt.

Damals stand das namensgebende Mobil noch auf dem Hof – jene Katy, ein weit gereister blauer Landrover eines Schotten namens Richard, der mit ihr aus Trennungsschmerz nach literarischem Vorbild raus in die Welt fuhr. Die ganze Story ist auf der Internetpräsenz nachzulesen – und klingt ein wenig nach Karl May, der genau einen Monat später seiner 175. feiert. Denn Richard traf auf seiner privaten Afrika-Rallye ab und an Deutsche – diese waren immer Dresdner und schwärmten derart von der schönsten Stadt der germanischen Welt, so dass er einfach hermusste, seine neuen Freunde besuchen. Das tat er – und blieb ein ganzes Weilchen, fuhr weg und kam wieder, um ein wenig Geld für die nächste Reise zu verdienen – auch hier in der Bar, zuletzt 2009. Da hatte der Biergarten schon fünf Jahre offen, aber der Name bleibt. Hübner schmunzelt und ist sich sicher: „Wenn er sein Buch über die Reisen fertig hat, kommt er sicher wieder.“

Solche Geschichten schützen natürlich nicht vor Wandel. Und so gibt es als jüngste Kulturerrungenschaft seit Herbst eine neue Reihe: die Kopfwerkstadt in Regie von Multitalent Rany Dabbagh verbindet fast die alte Via Regia von Leipzig bis Görlitz, wobei junge Musiker reden und spielen – ähnlich wie TV-Noir – und dabei in kurzer Zeit drei verschiedene Auftritte in drei Städten mit drei Moderatoren haben.

Jüngst war Rainer Luxus zu Gast, der nächste Termin ist am 15. Februar – direkt übergehend in den legendären Älternabend mit hoher Abschleppgarantie. Zum Speck- und Haareschütteln. Doch zuvor wird gefeiert – als Höhepunkt sieht Hübner den Auftritt von Doublewide am späten Freitagabend: Das Dresdner Quartett um Drummer Lars Leiteritz, Kampfname „Little Green Marsmachine“, zu dem vor neun Jahren Gitarrist Daniel „Denial“ Hofmann und später Bassist Markus „MasterSchulz“ Schulz stieß, haben alle ein dutzend Musikjahre als Erfahrung zu bieten. Seit dreieinhalb Jahren haben sie mit Theresa Wenk, die normal singen, gut tanzen und exorbitant röhren kann, eine Frontfrau im Team, die sie „Sonnenschein“ nennen und sich schon auf dem Doppelalbum „Be Aware of the Beast“ wiederfand. Das wurde genau hier kurz vor Silvester 2015 öffentlich vorgestellt, die Internetbekanntschaften haben sich seither veranderthalbfacht. In ihren Gesangspausen schwenkt sie ihr blondes Haar mit den drei Herren um die Wette, seit der Plattenpräsentation haben sie ihre Liveaktivitäten etwas erhöht und einige Konzerte mehr absolviert, davon vier im letzten Halbjahr, so auch in Leipzig und Ilmenau.

Als Support haben sie sich ein anderes Dresdner Quartett eingeladen: Die vier Herren von Slow Green Thing geben Hard Rock als Stilrichtung und Deep Purple und Black Sabbath als Vorbilder an.

Doch das Fest beginnt schon heute Abend mit „Brennen“ statt Aufwärmen: Melodic Hardcore übersetzen wir lieber nicht, angekündigt sind die beiden Combos Tripsitter aus Österreich und Disparity aus Britannien, beide derzeit gemeinsam auf Europatour – von Budapest kommend und nach Paderborn weiterfahrend. Ihr gemeinsames Vorbild: Being As An Ocean.

Und es endet im sonntäglichen Morgengrauen – denn am Sonnabend wartet die traditionelle Neustadt Disko Spezial, auf zwei Fluren, wobei den so genannten Katy’s Allstars – sich namentlich ReeDoo, Cyberpunk, TrHype und FunKost nennend – der größere gehört. Sie bitten um Verzicht auf Hütchen, dafür aber um „bösen Schnaps“. Wer die täglich anwachsenden Eintrittspreise von zwei, drei respektive vier Euro meiden mag, muss einfach vor zehn Uhr (abends) da sein, zumal die Rush Hour bis dahin auch halbe Cocktailpreise bietet.

Doppelkonzerte am Donnerstag und Freitag ab 22 Uhr, Party am Sonnabend ab 20 Uhr;

katysgarage.de/geschichte/

Von Andreas Herrmann

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