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Langer Atem fürs Abenteuer Lesen: Messe schriftgut in Dresden

Langer Atem fürs Abenteuer Lesen: Messe schriftgut in Dresden

Wenn draußen die Blätter fallen, wird drinnen geblättert. So ein richtiger Herbsttag ist wie geschaffen zum Lesen, zum Schreiben, zum Stöbern in Büchern, zum Austausch mit Buch-Machern (nicht zu verwechseln mit Buchmachern!) und Literaten.

Halt Zeit für die schönen Dinge im Leben. Wer sich dem gedruckten Wort verschrieben hat, ist bei der Dresdner Literaturmesse "schriftgut" gut aufgehoben.

Klein, aber fein sei sie, die im vergangenen Jahr ins Leben gerufene Veranstaltung im Zeichen des Buches. Mit dieser Wertung begrüßte uns schon der Mann vom Wachdienst, der bei der Parkplatzsuche behilflich war. Bei der ersten "schriftgut" habe er noch als Autor mitgewirkt, bezahlte Ausstellungsfläche etwa ein Meter. Sein erstes Buch sei ein Lebensbericht mit Ost-West-Thematik gewesen, herausgegeben in einem Verlag, der sich nur für den Druckkostenzuschuss interessierte, das Produkt aber nicht mal bewirbt. "Nie wieder!", so das Resümee des freundlichen Sicherheitsmannes.

Er hat das Dilemma der heutigen Literatur damit ganz unabsichtlich auf den Punkt gebracht. Unschätzbar viele Menschen haben den Drang zum Schreiben, einige können und wollen Bücher auch lesen, wollen und können Bücher auch kaufen - und eine Handvoll will daran verdienen. Buchmessen können zwischen all diesen Interessen vermitteln - oder ausschließlich zur letztgenannten Gruppe zählen. Daran ist überhaupt nichts Verwerfliches, solange es dem Buch - bei der Literaturmesse selbstredend der Literatur in ihrer Gesamtheit - auch dienlich ist. In der Dresdner Börse am Messering mahlen die Mühlen des Merkantilen so mächtig wie mühsam gegen die (noch) ausbleibenden Publikumsscharen an. Dabei sprachen Vielfalt und Unterhaltungsfaktoren (mit intellektueller Sparsamkeit auch als "Event" bezeichnet) durchaus für ideenreich formulierte Inhalte.

Das Drumherum in Sachen Buch

Neben den "klassischen" Lesungen vor mitunter nur einem Häuflein Menschen und gut besuchten Kulturgesprächen wurde vor allem auf das Drumherum in Sachen Buch gezielt. Das Ideenreich beinhaltete Buchdrucker und -binder, Schriftsetzer und -steller, Literaturverlage und -vermittler. Historische, regionale und Kinderliteratur hat eine große Rolle gespielt, Liebhaber von schönen und antiquarischen Büchern kamen gewiss auf ihre Kosten, Miniaturbücher wurden in eine Ecke für Sammler und Kenner gedrängt, die Bibliophilen unter den Literaten konnten ihre Schmuckstücke schätzen und bewerten lassen, lokale und regionale Kleinverlage (andere gibt es kaum mehr) durften sich ihrem potentiellen Publikum vorstellen. Eigens für die jüngsten Messebesucher ist wie schon bei der "schriftgut" 2012 eine Reporter-Safari ausgedacht worden, um die Macher von heute mit den Lesern von morgen ins Gespräch zu bringen. Und selbst an Nicht-Leser war gedacht, indem die sächsische Koordinierungsstelle Alphabetisierung koalpha vertreten war und auf das zumeist verdrängte Dilemma von Zigtausenden Mitmenschen hinwies, die unter funktionalem Analphabetismus leiden. Auch diese Schattenseite hat heute (wieder) mit Literatur zu tun.

Die Veranstalter zeigten sich in Gesprächen mit dem Messeverlauf durchaus zufrieden, an einigen Ständen handwerklicher Kleinkunst freute man sich über reichlich Umsatz, die heutzutage beinahe vergessenen Vorgänge der Buchmanufaktur fanden heftig Zulauf, so manche Verleger und Autoren zeigten aber auch lange Gesichter und kamen sich inmitten der kostümierten Flaneure doch reichlich verloren vor. Denn mit der erstmals unternommenen "schriftgut"-Zeitreise ging es mal lesend und tanzend, mal eher betulich durchs Barock.

Nun könnte darüber spekuliert werden, wieso der Besuch der "schriftgut" auch im zweiten Jahrgang relativ spärlich geblieben ist. Lag es am sogenannten Brückentag, am Ende der Herbstferien, vielleicht gar am Ende der Sommerzeit? Oder fällt die immer noch neue Messe in ein Überangebot der Kulturstadt? Sei es, wie es sei, der "schriftgut" ist jedenfalls ein langer Atem zu wünschen, um sich zu etablieren und das Abenteuer Lesen zu fördern, wo es nur geht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.11.2013

Michael Ernst

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