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Regional Laing in Dresden: Kein Konzert - eine Inszenierung
Nachrichten Kultur Regional Laing in Dresden: Kein Konzert - eine Inszenierung
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17:34 09.09.2015
Laing gastierten am Dienstagabend in der Schauburg und präsentierten eine perfekt einstudierte Show. Quelle: dpa, Britta Pedersen
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Punkt halb neun abends, just eine halbe Stunde später als angekündigt, waren sie für genau 90 Minuten wach genug, um mit einem perfekt inszenierten Auftritt mit eingespielter Musik plus livehaftigem Schlagzeuger (Milian Vogel) und ausgeklügelter Lichtregie ein Publikum zu begeistern, das mit Musik auf Scheiben oder gar Bändern nichts mehr anfangen kann. Genausowenig wie Laing mit Rockmusik auf alten Instrumenten. Sie sind Performerinnen, die auf Stimme, Geist und Körper setzen und fast nichts dem Zufall oder der Improvisation überlassen.

Und auf fesche Provokation der Männerwelt setzen: Mit "Zeig Deine Muskeln" steigen sie - je zur Hälfte auf Deutsch und Latein - in ein kompaktes Programm ein, das alle zwölf neuen Titel plus drei vom 2013er "Paradies naiv" darzubieten, darunter "Morgens bin ich immer müde", mit dem sie Sachsen vor zwei Jahren auf Platz 2 beim Bundesvision Songcontest überraschend hievten, als erste Zugabe.

Eine gewisse Nervosität scheint sich beim fünften Konzert in den Zwischenmoderationen anzudeuten, doch das ist alles nur Spiel. Das zeigt sich schon vorm zweiten Beitrag, der mühselig mit diversen Lichtstimmungen in an-geblichem Dialog mit dem Leucht- pulthelden eingeleitet wird. Denn dann folgt mit "Wechselt die Beleuchtung" eine durchaus witzig-ambivalente Liebeserklärung, die optisch beeindruckend umgesetzt wird, schon der Titelsong.

Die Schauburg ist nun auch kein Theater, sondern als Kino nicht sonderlich gut schallisoliert, so dass Kino- wie Konzertbesucher am Rande jeweils Nebengeräusche hatten, was bei der dramaturgisch streng durchkomponierten Vorstellung natürlich auffiel - vor allem bei Nicola Rosts Solo am klanglich auf Harmonium getrimmten Keyboard als Hommage auf ihren einst abgebrochenen Klavierunterricht. Hier wird die Showchefin, die gegenüber den Sängerinnen Johanna Marshall und Larissa Pesch als Leadsängerin firmiert, fast persönlich und steigert sich eine fiktive Selbstaufgabe in "Dein - Deiner - am Deinsten".

Überhaupt zeigt die große Blondine mit der emanzipiert-kräftigen Stimme, zu der man nur "Jawoll" sagen kann, wenn sie auffordert, sie gefälligst bei der Frage nach dem Feuerzeug zu siezen ("Sagen Sie Sie"), keinerlei Lust, den TV-showerprobten Kreischern oder Klatschern im Publikum Futter zu bieten. Für quasi-hymnischen Mitgesang sind die Nummern sowieso zu raffiniert und temporeich arrangiert. So störte dann leider auch das gemeinschaftlich-monotone Fingerschnippsen beim a cappella und unplugged vorgetragenen Schlusssong "Das letzte Lied".

Man darf auf den Weg des Damenquartetts mit Trommelmann gespannt sein. Bislang ist es ein ambitioniertes Elektropop-Projekt mit eigenwilligen Tanzeinlagen von Marisa Akeny, die als Choreografin gute Arbeit leistet. Ein Projekt, das in guten Momenten durchaus an Kraftwerk erinnert. Von der Talent- zur Kultband bedarf es nun neben Fleiß vor allem Geduld. - Und beim nächsten Mal, so ergab die Publikumsfrage bei allen fünf bisherigen Konzerten, geht es wieder ohne Plüschsessel.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.10.2014

Andreas Herrmann

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