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La Strada feiert zweite Auflage mit liquidem Erfolg in der Dresdner Saloppe

Sängerwettstreit der Neuzeit La Strada feiert zweite Auflage mit liquidem Erfolg in der Dresdner Saloppe

Acht Bühnen, zehn Namen, 28 Konzerte in rund vier Stunden – die Dresdner Sommerwirtschaft Saloppe wurde wieder zur Straßenmusikarena. La Strada feiert zweite Auflage mit liquidem Erfolg.

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2ersitz aus Leipzig waren eine der Bands, die in der Saloppe aufspielten.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Acht Bühnen, zehn Namen, 28 Konzerte in rund vier Stunden – die Dresdner Sommerwirtschaft Saloppe wurde am Sonnabend zur Straßenmusikarena. Acht Bühnen, von denen bis zu fünf gleichzeitig im Halbstundentakt von zehn Künstlern oder Combos bespielt werden, waren aufgebaut. Rasch gewöhnt sich der Zuschauer an Wandelprozedur und Wechselrhythmus und taucht ein in einen Minikosmos junger Urmusik – denn bei „La Strada“ spielt fast nur Jungvolk und tut es – mangels allzu großer Technikvariationen – meist handgemacht und nur dezent verstärkt.

Der Klangrummel (oder auch Rummelklang) hat dabei System – und liegt in der Natur. Denn die Arena simuliert den Ursprungscharakter, wo nicht unbedingt nur Güte nach Noten zählt, sondern auch (oder vor allem) Originalität plus Charme und standfeste Melone, denn alle spielen für den Hut – und damit indirekt um die Wette. Daher erläutern am Einlass zwei versierte Damen das Prinzip: „Der Klang der Münze ist des Straßenmusikers Brot“ – und leiern so dem in der Schlange wartenden Publikum geduldig, aber rhetorisch durchaus überzeugend mindestens zehn Euronen aus dem Zwiebelleder – und tauschen diese 1:1 in Plastechips namens Liquido um. Diese gilt es dann, gerecht – also nach eigenem Gusto – in die Hüte der Musikusse zu werfen. Am besten pathetisch während der Show, was im Straßenmusikverkehr so eher unüblich erscheint. Nachladen geht an jeder Bar, Rücktausch ist allein den Künstlern vorbehalten.

Dazu gibt es eine Bühnen- und Zeitübersicht in die Hand, die einen entspannten Abend verspricht, denn keine der Bands ist schon so weit im Geschäft, dass es einen ganzen Abend fesselt, aber einige sind durchaus auf dem Weg. Solistische Unikate wie Schraubenyeti („Tier am Klavier“), hier mit offenem Gerät als rollender Walking Act unterwegs, oder auch der liebenswert schmachtende Rany sind Dresdnern wohlbekannt. Aus dem Vorjahr aus Überzeugung dabei: Princess, getragen von einem singenden Damenduo, die auch mal seltsame Welthits in simplen Country transferieren. Ebenso solide auch der Auftritt von Dennis Kobylinski, der zur Gitarre Folk in Liedermachermanier bietet und sich dabei von Geige und Bass begleiten lässt – und mit dem oberfränkischen Wohnort Forchheim die meisten Straßenkilometer zu bieten hat.

Markanter allerdings der Krautblueser Andi Valandi, gemeinsam mit Solosängerin Annemarie das Vertreterduo der diesjährigen Endrunde von „Sounds of Dresden“ bildend. An dessen Wiege muss eine Juke-Box mit Tom Waits gestanden haben, zusammen mit Schlagwerkerin Yvonne und Keyborder Frank boten sie per Trio als Einzige etwas Unverwechselbares – wenn die Liquidos eine Art Wette auf Karrierezukunft wären, bräuchten sie echt große Zaubererzylinder.

„Es ist ein Spiel, darauf muss man sich einlassen“, erklärt Paul Simang, Inhaber der Dresdner Musikagentur namens Sunset Mission, die Dresdens Musikliebhabern etliche Höhepunkte beschert(e) wie jüngst Dota hier oder bald einen doppelten Faber im Beatpol, den fingierten Zwangsumtausch für jenen guten Zweck. Er erläutert auch den Grund, warum es nicht ungerecht ist, dass manche drei, andere vier Sets spielen können: Die Bands, die zum Schluss spielen, dürfen einfach etwas länger und somit die Restliquidos einsammeln.

Der andere Partner ist Waterloo Productions, der die Saloppe als „Botanischen Sommerklub“ samt Biergarten für gebildete plus Tanzdiele für erwachsene Neustädter betreibt. Deren Chef Steffen Grosche beantwortet die Frage trotz Konfrontation mit der Schätzung von 600 Leuten wie gewohnt lächelnd diplomatisch: „Es sind auf jeden Fall doppelt so viele wie erwartet“.

Bei schönem Wetter wäre die Tausenderduftmarke aus dem Vorjahr sicher kein Problem gewesen, das Konzept funktioniert – aus 50 Bewerbungen werden zehn Künstler auserwählt, drei bis fünf Zugpferde aus dem Vorjahr sind gesetzt, der Mix macht die Musik und die Atmosphäre die Stimmung. Nur die Combos mit größerem Equipment dürfen verweilen: So spielen 2ersitz aus Leipzig dreimal auf der Bühne namens Mick in der überdachten Zweitbar, wo sonst die Silent Disco wie ein Goldfisch steppt, und werden wohl zum Publikumsliebling – oder die Dresdner Balkancombo Seau Volant, die auf eigenem Wunsch exklusiv nur im Zirkuswagen der Direktion auftritt.

Jeder zweite Liquido (oder von jedem die Hälfte) geht direkt zurück an die Künstler, der nachfolgende Rücktausch in echte Münzen beschert diesen dann eine Gage, mit der sie durchaus zufrieden sein dürften. Nebenher klären Simang und Grosche den Termin für die 3. Edition: Einfach am selben Wochenende im nächsten Jahr: Freunde der Straßenmusik botanischer wie spielerischer Art können schon den 8. September 2018 kalendarisch blocken und sich dafür liquide sparen.

Von Andreas Herrmann

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