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Kupferstich-Kabinett Dresden erhält Schenkung von Kokoschka

Schenkung Kupferstich-Kabinett Dresden erhält Schenkung von Kokoschka

Mit dem Werk „Die Mutter des Künstlers“ von Oskar Kokoschka kann das Dresdner Kupferstich-Kabinett seine Sammlung erweitern. Die markante Kohlezeichnung entstand in einer Werkphase „nervöser Unruhe“ und zeigt einen besonders spannenden Bezugspunkt des Künstlers zur Landeshauptstadt.

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Der österreichische Maler, Grafiker und Dichter Oskar Kokoschka

Quelle: dpa

Dresden. Großzügige Schenkungen an Kunstmuseen und Sammlungen sind etwas Wunderbares. Zumal dann, wenn sie Bestände ergänzen und vervollständigen oder schmerzhafte Lücken schließen, wie sie beispielsweise auch durch Kriegsverluste oder die Aktion „Entartete Kunst“ entstanden sind. Das Kupferstich-Kabinett Dresden, das einst über einen hervorragenden Bestand an Werken von Oskar Kokoschka (1886 - 1980) verfügte, hat vor einigen Jahren durch die großzügige Schenkung von Peter Hahn, Sohn des bedeutenden Kokoschka-Sammlers Willy Hahn, und seiner Familie schmerzliche Verluste aus der NS-Zeit deutlich vermindern können.

Oskar Kokoschka, Die Mutter des Künstlers (Romana Kokoschka), 1917, schwarze Kreide, 290 x 255 mm, Kupferstich-Kabinett, © Staatliche Kunstsamm

Oskar Kokoschka, Die Mutter des Künstlers (Romana Kokoschka), 1917, schwarze Kreide, 290 x 255 mm, Kupferstich-Kabinett, © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Herbert Boswank Die Mutter des Künstlers

Quelle: Oskar Kokoschka

Nun also gibt es einen neuerlichen Glücksfall zu vermelden und diesmal ist Peter Hahn als Vermittler der Schenkung nach Dresden gekommen. Es geht dabei um die markante Kohlezeichnung von Oskar Kokoschka „Die Mutter des Künstlers (Romana Kokoschka)“. Diese 1917 entstandene Arbeit, die auch 2011 in der Ausstellung „Kokoschka als Zeichner. Die Sammlung Willy Hahn“ als Leihgabe zu sehen war, befand sich zuletzt im Besitz von Willy Hahns Nichte Renate Schleußner (Frankfurt a.M.), welche sich nunmehr von dem Blatt getrennt hat, um es dem Kupferstich-Kabinett Dresden zu übereignen.

Die Zeichnung sei in einer Werkphase „nervöser Unruhe“ entstanden, wie es Tobias Natter beschrieben habe. Mit heftig, kräftig gezogenen Kreidelinien und großer Intensität. Dabei liege der Fokus besonders auf der Augenpartie, sei die Mutter als ernst blickende Frau gezeichnet. Ein Porträt wie immer ebenso mit psychologischer Ebene, wo man viel auch über die Mutter-Sohn-Beziehung nachdenken könne. So beschreibt Agnes Matthias vom Kupferstich-Kabinett die Arbeit im Rahmen der denkwürdigen Begegnung im Residenzschloss Dresden. Denn sinnigerweise hat die Übereignung stattgefunden beim Zusammentreffen 25 Jahre „Freunde des Kupferstich-Kabinettes“ mit einem wahrhaft beeindruckenden Kreis von Kunstliebhabern und -kennern. Welche auf ihre Weise und nach jeweiligen Gegebenheiten immer wieder und auch maßgeblich dafür sorgen, dass Ankäufe möglich werden oder es zu Schenkungen kommen kann. Ein wahrer, ein wahrhaft tätiger Freundeskreis.

Übrigens muss man sich, und das spielt auch bei Schenkungen eine Rolle, bei dieser Kokoschka-Zeichnung in der weiteren Forschung kaum vor strittigen Enthüllungen zu ungeklärten Besitzverhältnissen fürchten. Der Musiker, Dirigent und Kunstsammler Willy Hahn hatte sie bereits um 1926 in Berlin in der Galerie Ferdinand Möller erworben, offenbar als erste Arbeit seines erlesenen Kokoschka-Bestandes, den er stetig und mit ganzem Einsatz seiner eher überschaubaren Mittel erweiterte, und das über Jahrzehnte auch im freundschaftlichen Austausch mit Oskar und Olda Kokoschka. Die Arbeit blieb also beständig im Familienbesitz, kam von Willy Hahn an die Schwester und schließlich an deren Tochter.

Die übereignete Zeichnung, die sich nun in den Sammlungsbestand „Willy Hahn“ bestens einfügt, hat bezeichnenderweise einen sehr konkreten wie auch biografisch spannenden Bezugspunkt zu Dresden. Sie entstand 1917 beim Besuch der Mutter auf dem Weißen Hirsch (eingemeindet nach Dresden erst 1921), wo Oskar Kokoschka als Rekonvaleszent im Gästehaus „Felsenburg“ wohnte und bei Dr, Neuberger im Teuscher-Sanatorium in Behandlung war. Kokoschka, der ein sehr enges Verhältnis zu seiner Familie und besonders auch zu seiner Mutter hatte, zeichnete sie daselbst während ihres Aufenthaltes. Auf diesen Besuch geht ebenso ein später fertggestelltes Gemälde der Mutter zurück, für das sie ihm noch extra (nach seinen konkreten Angaben) eine Photographie schicken musste. Es befindet sich heute in der Sammlung des Belvedere in Wien.

Am 14. Mai 1917 schrieb der besorgte Sohn vom Weißen Hirsch aus im Brief an die Eltern: „Wann kommst Du, Mutter, ich möchte es gerne vorher sicher wissen, damit ich Zimmer bestellen kann. Und schaue, daß auf jeden Fall jemand mitfährt wegen der dummen Umständlichkeiten, in denen Du Dich allein schlecht behilfst! Die erste Theaterprobe war heute, natürlich voll Schwierigkeiten, absichtlich und unabsichtlich von den Leuten im Theater, Umbesetzungen in letzter Stunde, Unsicherheiten aller Arten. Aber da ich an Schwierigkeiten in allen Dingen, die ich anpackte, gewöhnt bin, so werden auch die sich zerstreuen. Am 3. Juni ist jedenfalls die Aufführung. Morgen kommt Frau Durieux mit Kestenberg (Cassirer´s Stellvertreter und mein Freund) auf Besuch. Cassirer liegt im Sanatorium mit schlechten Nerven.“

Wie die Mutter letztlich auf die Aufführung im Alberttheater reagiert hatte, bei der Kokoschka seine eigenen frühen Bühnenstücke auch selbst inszenierte, ist offenbar nicht überliefert. Aber das Ganze scheint doch in Dresden friedlicher ausgegangen zu sein als 1919 in Berlin bei Max Reinhardt, wo es dabei einen handfesten Theaterskandal gab.

Von Gabriele Gorgas

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