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Regional Kunst trifft Design: „You May Also Like: Robert Stadler“
Nachrichten Kultur Regional Kunst trifft Design: „You May Also Like: Robert Stadler“
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09:18 18.03.2017
Der Digitaldruck „Fundoshi“ in der Ausstellung. Quelle: dpa
Dresden

Der in Paris lebende Österreicher Robert Stadler ist in der Design-Szene kein Unbekannter, wenngleich er in Deutschland wohl bisher weniger präsent als anderswo ist. Umso interessanter, dass Tulga Beyerle, Direktorin des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), die den Künstler seit 20 Jahren kennt, ihm nun seine erste Überblicksausstellung im Lipsius-Bau ermöglicht. Der hat sich – wie schon bei der ersten Präsentation Beyerles (Die Teile des Ganzen, 2015) an diesem Ort – nicht nur dank der zwischen bildender Kunst und Design angesiedelten Objekte Stadlers total verwandelt, sondern auch dank der Anlage der Ausstellung insgesamt.

In diesem Zusammenhang ist Kurator Alexis Vaillant zu nennen, mit dem der Designer einem Konzept, das oft verblüffende Wirkungen erzielt, gefolgt ist. Dazu gehört der Blick in die Dresdner Sammlungen – eine Möglichkeit, wie es sie „nirgendwo anders gibt“, so eine total begeisterte Marion Ackermann, SKD-Generaldirektorin, beim gestrigen Pressetermin. Der ganze Raum stelle sich ihr – und da kann man ohne weiteres zustimmen – „wie ein Kunstwerk“ dar, das sie an Richard Artschwager erinnere, der als erster an der Grenze zwischen Kunst und Design gearbeitet habe.

Ob Zufall oder nicht: Ein Objekt dieses Künstlers, eine Bowlingkugel, gehört denn auch zu den Exponaten aus dem Besitz Stadlers (6) und der Staatlichen Kunstsammlungen (23 aus acht Museen), die die rund 70 gezeigten Werke des Designers ergänzen. Denn es ist natürlich nicht beim Blick in die Museen geblieben. In der Folge trifft man auf ganz überraschende Verbindungen, die den Betrachter mitunter an Fotos aus Journalen wie „Architectural Digest“ erinnern – etwa wenn vor Stadlers „Cut_Paste #4“ (2015), auf den ersten Blick eine Art Wandschirm aus Marmor, in Wirklichkeit der Rest einer auf dem Bau verwendeten Wandverkleidung, ein „Bologneser Hund“ von Kaendler/Kirchner (Meissen 1734) sitzt und gleich daneben noch eine japanische Truhe aus dem späten 17. Jahrhundert ihren Platz gefunden hat.

Nicht weit davon der Hocker „Apart“ (2015), der eine Wand im Rücken verlangt, dann sicher ganz bequem ist. Letzteres dürfte auch für Stadlers „Possible Meridienne“ gelten (2008), eine Art Recamière, die aus „aufgeschichteten“ und entsprechend angeordneten Elementen besteht, welche in ihrer Form an rund und flach geschliffene Steine erinnern. Diese Grundform kommt öfter vor – auch bei einem Tisch von 2011. Interessant sind nicht zuletzt die verwendeten Materialien, zu denen neben Polyurethan oder Holz häufig Marmor, aber auch einfacher Stein gehört. Aus einem solchen entstand etwa ein sehr origineller, natürlich auch etwas schwergewichtiger Spiegel (2015).

Man könnte noch viele interessante Stücke nennen – etwa „zusammenrutschende“, bodennahe Ledersofas oder ein „Pentaphone“, eine lampenartige Telefonzelle, die man sich beim Gespräch mit dem mobilen Gerät über den Kopf herunterlassen kann. All diese Objekte sind immer wieder in Beziehung gesetzt – miteinander und mit Exponaten aus den Dresdner Sammlungen. So entdeckt man in einer der Vitrinen eines der Pretiosenetuis aus dem Grünen Gewölbe sowie eine Kanne von Stadler aus Polystyrol (Ricard Plein Air, 2007) – eine ausgesprochen originelle, aber auch sinnfällige Kombination.

Eine dominante Rolle kommt schließlich einer riesigen, ein wenig an einen überdimensionierten Computerbildschirm erinnernden Lichtwand an der Stirnseite des Lipsius-Baus zu, an dem, wie in vielen Design-Museen üblich, eine Reihe „Stadler-Objekte“ befestigt sind, darunter ein von ihm im Auftrag von Thonet entwickelter Stuhl(Thonet 107, 2011) , der an den berühmten Kaffeehausstuhl Nr. 14 erinnert. Stadlers Exemplar ist allerdings nicht nur äußerlich etwas anders, sondern auch technologisch, kann er doch fast vollständig automatisiert hergestellt werden.

Alles in allem erinnert die Präsentation an eine riesige (Internet-?)Fundgrube, deren „Geheimnisse“ man nicht auf den ersten Blick erschließt. Etwas Zeit und die zum Mitnehmen ausliegende Handreichung, in der jedes der Objekte, eingebettet in die fünf Themenbereiche der Ausstellung (Künstliche Intelligenz, Instabilität und Fetischismus, Informierte Objekte, Umwandlung des Natürlichen ins Künstliche, Formen von Zufall/Kontrolle und Fragmentierung) vorkommt, dürften für Besucher das der Plattform Amazon entlehnte Motto „You May Also Like: Robert Stadler“ mit Leben füllen.

bis 25. Juni, geöffnet täglich (außer Mo) 10 bis 18 Uhr

Eintritt 5 Euro (erm. 4 Euro), freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren

Katalog 28 Euro

31. Mai, 18 Uhr, Begegnung mit dem Designer Robert Stadler (moderiert von Tulga Beyerle)

Weitere Termine siehe unter Begleitprogramm im Flyer zur Ausstellung.

www.skd.museum

Von Lisa Werner-Art

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