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Künstlerreisen; Dresdner Galerie Neue Meister widmet sich den Ägyptenbildern von Max Slevogt und Paul Klee

Künstlerreisen; Dresdner Galerie Neue Meister widmet sich den Ägyptenbildern von Max Slevogt und Paul Klee

Er gehört zu den Highlights der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: der mit 17 (ursprünglich 20) Bildern fast vollständig vertretene Ägyptenzyklus Max Slevogts, der bereits 1915 für die Galerie hatte erworben werden können.

Die Werke sind ein Höhepunkt in der Malerei des deutschen Impressionismus und bilden zusammen mit jenen von Liebermann und Corinth, vielleicht aber auch den Russland- und den Steinbrecherbildern Sterls, einen Schatz im Bestand, der es verdient, neu ins Licht gerückt zu werden. So wundert es nicht, dass die Idee zur seit heute im Albertinum gezeigten Schau "Nach Ägypten! Die Reisen von Max Slevogt und Paul Klee" schon einige Jahre alt ist.

Der aktuelle Zeitpunkt bot sich an, brach Slevogt (1868-1932) doch vor 100 Jahren - noch rechtzeitig vor Beginn des 1. Weltkrieges - zu einer regelrechten Malexpedition nach Ägypten auf. Umgeben von einer Gruppe Freunden und Helfern, schuf er während 39 Tagen 21 (!) Bilder, nicht zu reden von den hinzu kommenden Aquarellen und Zeichnungen. Die Eindrücke von Land und Leuten, vor allem das Licht, müssen ihn überwältigt haben.

Slevogt war allerdings keine Ausnahme. Das Interesse für den Orient war ein Zeitphänomen, von dem viele, darunter zahlreiche Maler, ergriffen wurden. So reiste auch Paul Klee (1879-1940) im Jahr 1914 für kurze Zeit nach Tunesien - und zwar gemeinsam mit August Macke und Louis Moilliet. Gegenstand der aktuellen Dresdner Ausstellung ist allerdings seine Ägyptenreise 1928/29.

Ausgehend von den unterschiedlichen künstlerischen Ansätzen beider Maler, werden exemplarisch Gemeinsamkeiten wie Unterschiede in der "Verwertung" des Orienterlebnisses - Slevogt wie Klee besuchten Alexandria, Kairo, Luxor und Assuan - sichtbar. In der Präsentation, die mit großgezogenen historischen Aufnahmen von Land und Altertümern den Besucher erst einmal geistig "entführt", kann man in Licht und Farbe schwelgen, wie Slevogt es getan hat, aber auch sehen, wie subtil Klee seine Orienterlebnisse verarbeitete. Die Macher haben - kuratiert wurde die 150 Exponate zählende Schau von Heike Biedermann und Andreas Dehmer - Slevogt per Wandfarbe in ein sonniges, oranges Licht getaucht, während sie die meist zarten Arbeiten Klees sich vor hellem Grau entfalten lassen. Eingangs werden die Ausgangspunkte beider verdeutlicht. Slevogt etwa malt "Scheherezade" im Jahr 1897 sehr europäisch. Die Orienterfahrung war noch weit weg. Der zehn Jahre jüngere Klee dagegen kann sich 1920, als sein "Kamel (in rhythm. Baumlandschaft)" entsteht, auf die neuen Tendenzen der Abstraktion und die Erfahrungen seiner Tunisreise stützen.

Nach dieser doppelten Einstimmung folgt man Slevogt nach Ägypten, wobei es ein schöner Einfall ist, zu manchen der Gemälde historische Fotoaufnahmen zu platzieren, die eine vergleichbare Szenerie zeigen. In einem dritten Abschnitt geht es zu Klee. Dabei fallen nicht nur die ganz unterschiedlichen Bildmittel auf. Vor allem stellt man fest, dass sich die Ägyptenreise in Klees Arbeiten des gesamten letzten Lebensjahrzehnts auf die eine oder andere Weise spiegelt. Wenn er auch wie Slevogt Skizzen und Aquarelle während seines Aufenthaltes, bei dem er allein unterwegs war, schuf, die tiefer gehende Einbindung ins Werk geschah weitgehend danach.

Man kann das am Ölbild "Stufen" (1929) erläutern, das zu den auf die Reise folgenden "Lagenbildern" gehört. Diese erscheinen fast konstruktiv, anfänglich in einer Art paralleler Streifen, die später dynamisch-wellig werden; In diesem Zusammenhang sollte man sich an den Bauhäusler Klee erinnern. "Lagenbilder" wie die "Stufen" sind zugleich deutlich von Ägyptens Wüsten- und Himmelsfarben geprägt. Jahrelang fruchtbar war etwa auch die Erinnerung an die Hieroglyphen, die Sphinxe oder die verschleierten Frauen. Immer wieder stößt man in der Ausstellung teils in ganzen Reihungen auf diese Motive beziehungsweise deren künstlerische Umsetzungen.

Es ist eine Freude, durch die Schau zu gehen, in die sinnvoller Weise zudem einige ägyptische Antiken aus der Skulpturensammlung einbezogen sind, darunter ein Wandrelief, das Klee möglicherweise vor seiner Ägyptenreise in Dresden sah, aber auch Partien eines Totenbuches auf Papyrus. Historische Filmaufnahmen und Touchscreens, die weitere Bezüge der beiden Künstler zum Orient sichtbar machen, etwa Slevogts diesbezügliche Illustrationswerke, vervollständigen die Schau. Deren Quintessenz kann man in zwei instruktiven Katalogen aus dem Sandstein Verlag nach Hause tragen. Vermerkt sei auch das ausgesprochen umfangreiche Begleitprogramm. Dass das Projekt nur mit Partnern in anderen Museen und von verschiedenen Stiftungen möglich war, versteht sich.

Bis 3. August, Dresdner Albertinum, täglich 10 bis 18 Uhr (Mo geschl.),

5. September bis 5. Januar, Kunstsammlung NRW

"Nach Ägypten!" - Paul Klee. Die Reise nach Ägypten 1928/29 und Max Slevogt. Die Reise nach Ägypten 1914. Sandstein Verlag. Herausgeber: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, 2 Bände, zusammen 352 Seiten, 337 meist farbige Abb., ISBN 978-3-95498-082-6

Die Bände sind auch einzeln erhältlich, jeweils 19,90 Euro (im Buchhandel 28 Euro), beide Bände zusammen 29,90 Euro (im Buchhandel 38 Euro)

Begleitprogramm siehe Flyer bzw. unter besucherservice@skd.museum

www.skd.museum

Verwandte Ausstellungen: Max Slevogt. Neue Wege des Impressionismus, Landesmuseum Mainz, 4. Mai bis 2. Oktober 2014

Die Tunisreise. Klee, Macke, Moilliet, Zentrum Paul Klee in Bern, noch bis 22. Juni

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.04.2014

Lisa Werner-Art

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