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Kronentor wird noch bis 2016 restauriert

Kronentor wird noch bis 2016 restauriert

Die Wandbrunnen im Dresdner Zwinger sind hinter ihren Winterhauben verschwunden, die das grazile Bildhauerwerk vor schädlichen Witterungseinflüssen schützen.

Winterschlaf hält die touristisch stark frequentierte Anlage aber keineswegs. Bauarbeiten und Sanierungen haben im "Gesamtkunstwerk Dresdner Zwinger", wie Finanzminister Georg Unland das berühmte Barock-Kleinod bezeichnete, immer Konjunktur. "Wir werden hier nie fertig", sagte er gestern bei einer Besichtigung der laufenden Arbeiten. Jedes Jahr passiere etwas, um den Zustand zu erhalten. Von einer Schließung und Komplettsanierung des Zwingers hält der Freistaat nichts.

Nach der Großaktion Wiedereröffnung Mathematisch-Physikalischer Salon und neben der angelaufenen Sanierung der Sempergalerie ist das Kronentor aktueller Schwerpunkt. Der schönste Eingang in den Zwinger hat sich zum Erkennungszeichen der Stadt entwickelt und ist schon deshalb besonders im Blickfeld. Nach fast einem Jahr Bauzeit sind nun die Gerüste (bis auf eine schmale Bautreppe) verschwunden. Der erste Bauabschnitt mit dem Schwerpunkt Restaurierung von 22 Skulpturen der Attika konnte abgeschlossen werden. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 275 000 Euro.

Doch es geht in den nächsten zwei Jahren unter anderem auch im Innenraum weiter. Noch bis 2016 dauern die Erhaltungsarbeiten allein an diesem Eingangstor mit der kupfernen Kuppel, die bereits wieder erste Spuren von Patina aufweist. Insgesamt investiert der Freistaat 650 000 Euro ins Kronentor. Dazu kommen Eigenleistungen der Zwingerbauhütte im Wert von rund 300 000 Euro, so Ludwig Coulin vom bauverantwortlichen Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB). Nach Abschluss der Restaurierung sollte es wenigstens zwei Jahrzehnte lang erstrahlen. "Alle 20 Jahre müssen wir wieder ran", prophezeite Coulin.

Ohne Zwingerbauhütte wäre die Kontinuität der Pflege von 15 000 Quadratmetern Fassadenfläche, 1170 laufenden Metern Balustrade und 698 Skulpturen (davon 515 frei stehend) im Zwinger nur schwer einzuhalten. Das kleine Fachteam von Steinmetzen, Restauratoren und Bildhauern prüft die Sandstein-Substanz, reinigt und sichert sie und muss über Erhalt einschließlich Ergänzungen oder Neuanfertigung der Steinobjekte entscheiden.

Heute befinden sich nur noch um die 30 Originale aus der Erbauungszeit im Zwinger, davon drei im Nymphenbad. Eine Skulptur aus dem Jahre 1715 wird wieder in den Attika-Innenraum des Kronentores zurückkehren. Die "Allegorie der Freigiebigkeit" hat dort ihren Sockel kurzzeitig verlassen, um in der Zwingerbauhütte gesund gepflegt zu werden. Eine andere Dame steht kopflos im Werksgelände. Sie ist die Originalfigur einer Minerva von 1717, die aber schon in den 1920er Jahren verändert wurde, einen neuen Kopf erhielt, der jedoch nicht mehr vorhanden ist. Die Kopie dieser Plastik steht auf dem Wallpavillon. Das Gesicht ist bis zur Unkenntlichkeit verwittert. Nun soll aus einem hohen Sandsteinblock eine neue Minerva modelliert werden. Über ihre Gesichtszüge wurde noch nicht endgültig entschieden. Die Anfertigung der neuen Kopie wird neun Monate in Anspruch nehmen.

Zeitaufwändig, aber auch zukunftsorientiert könnte man die Arbeit am Stein nennen. Denn eine Hauptsorge gilt der Verlängerung der Lebensdauer, sprich dem Kampf gegen die Verwitterung. Wie die heute zahlreichen hell leuchtenden Figuren beweisen, hat man einen Weg der Konservierung gefunden. Nach der Entsalzung der Objekte - die Figuren landen in einem messtechnisch begleiteten Wasserbad, die Kapitelle des Kronentores wurden mit Zellstoffkompressen entsalzt - und eventueller Schadensbeseitigung folgt eine Lasur. Diese Silikonharzschicht lässt den Stein weiter atmen, so die Fachleute. "Sie ist luftdurchlässig, aber wasserabweisend", betonte Zwingerbaumeister Karl Schöppner den Doppeleffekt. Seit Ende der 80er Jahre werde die Lasur eingesetzt. Sie soll den Verwitterungsprozess um die doppelte Zeit hinausschieben.

Die Salzbelastung ist durch die Schadstoffe der Luft und durch falsche Erhaltungsmethoden in der Vergangenheit sehr hoch gewesen. So filterte Restaurator Frank Hoferick aus den Nymphen des Nymphenbades bis zu 2000 Gramm Salz. Die Schwarzfärbung des Steins ist im Wasserbad allerdings nicht zu entfernen. Sie sei ein natürlicher Prozess durch die Umwandlung von Mineralien. Tiefer gehenden Verschmutzungen kann heute auch durch eine Partikelstrahlreinigung zu Leibe gegangen werden. Derzeit ist man in der Zwingerbauhütte mit Hilfe von Abformungen schon bei der Vorbereitung des nächsten Bauabschnittes des Kronentores.

Seit 1991 hat der Freistaat 58,4 Millionen Euro in den Zwinger investiert. Ein Ende ist nicht in Sicht, denn das architektonische Aushängeschild soll sorgfältig dokumentiert, originalgetreu und gut erhalten Besucher aus aller Welt erfreuen. Ab 2014 wird die nächste große Baumaßnahme den Wallpavillon betreffen. "Die gesamte Treppenanlage weist bis in den Wall hinein Schäden auf", erklärte Coulin. Dazu sollen Dach und Fassaden erneuert werden. Außerdem laufen die Planungen zur Hofgestaltung. Für eine angemessene Nutzung soll künftig eine Drainage sorgen. Eintritt für den Zwinger weist Unland von sich. "Das ist bisher nicht geplant." Was in zehn Jahren sein wird, könne er aber heute nicht sagen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.11.2013

Genia Bleier

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