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Krach, kesse Mädels...

Krach, kesse Mädels...

Ein wenig erinnerte die Stimmung beim Dresden-Auftritt von Hollywoodstar Kevin Costner und seiner Band Modern West am Freitagabend im Kulturpalast an eine Mischung aus ZDF-Fernsehgarten und Tokio-Hotel-Gig.

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Einer aus der Phalanx singender Schauspieler: Kevin Costner bei seinem Auftritt im Kulturpalast.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dies war zweierlei geschuldet: einmal dem etwas angestaubt-biederen 60s-Charme des Kulturpalastes, der mit der gewohnten braven und für Rockkonzerte denkbar ungeeigneten Bestuhlung aufwartete, zum anderen aber der Zusammensetzung des Publikums, das erstens - wer hätte es gedacht - hauptsächlich aus Frauen bestand und zweitens vorrangig die Gruppe der Über-45-Jährigen, jedoch auch in beachtlichem Maße die der Unter-25-Jährigen bediente.

Als der Schauspielstar Costner mit dem Zweitberuf Musiker endlich die Bühne enterte, sollte sich zeigen, dass ein echtes Fan-Herz eben niemals altert: Blümchen- und Leuchtstäbe-schwingend tanzte der harte Kern der Dresdner Fangemeinde ungeachtet der Platzregeln losgelöst direkt unter der Bühne, ihrem Idol zujubelnd. Costner wiederum badete förmlich in der ihm zufliegenden Zuneigung, ließ sich feiern und unterhielt sein Publikum locker plaudernd mit kleinen Anekdoten zum mehr oder weniger tieferen Sinn des einen oder anderen Songs.

Die Musik, die Costner - selbst den Part des Sängers und Gitarristen übernehmend - gemeinsam mit seinen sechs Band-Kollegen von Modern West zum Besten gab, blieb dagegen blass und bildete für den neutralen Beobachter nicht mehr als einen unterhalterischen Rahmen für die große Kevin-Costner-Show. Bei gleich vier Gitarren plus einer Bassgitarre erzitterte der alte Kulti zwar beträchtlich unter der gewaltigen aufgebauten Klangkulisse, doch zerflossen dadurch jegliche Individualität der einzelnen Instrumente, jegliches Klangerlebnis, jedweder Akzent zu einem einzigen Gitarrensturm, der auch die Konturen der einzelnen Lieder verwischte. Geiger Bobby Yang mühte sich zwar redlich, dem Klangeinerlei hin und wieder die eine oder andere besondere Note zu verpassen, doch bekam er leider viel zu selten Gelegenheit dazu. Stattdessen fungierte er mehr als sechste Gitarre.

In knapp eineinhalb Stunden präsentierte Costner vorwiegend Songs seines neuesten Streichs "From where I stand", der gegenüber seinen beiden Vorgängern vor allem mit einer leichten Abwendung von traditionellen Country- und Blues- und Hinwendung zu leichtverdaulichen Pop-Rock-Klängen auffällt. Die gehen gut ins Ohr, überfordern weder noch unterfordern sie, prägen sich aber eben auch nicht ein.

Womöglich tut man Costner Unrecht, wenn man die Platte zu schnell als belanglos abqualifiziert. Denn: Costner hat alle seine Songs selbst geschrieben - und er hat sich dabei etwas gedacht. Viele haben eine ganz besondere Message, in der die Themen Liebe und Krieg/Tod/Verlust ein wiederkehrendes Moment darstellen. Gleich zwei ("Hero" und "Where do we go from here") handeln von der Angst und der Hilflosigkeit junger Soldaten auf dem Schlachtfeld - ein uramerikanisches, aber durchaus auch hierzulande aktuelles Thema. Und so werden Costners Monologe vor jedem Song zur angenehmen Abwechslung, denn musikalisch kam der Abend über die Kategorie nette Unterhaltung einfach nicht hinaus. Zu blass blieben Costners Bandkollegen, zu flach die stimmliche Leistung des Schauspielers.

Den Abend erfreulich bereichert hat hingegen die zum Duo geschrumpfte Rock'n'-Roll-Combo Alternate Route, die im Vorprogramm auftrat und diese Aufgabe beachtlich meisterte. Normalerweise zu fünft unterwegs, standen Sänger Tim Warren und Gitarrist Eric Donelly mit Akustik- und Westerngitarre, Tambourin, Mundharmonika und einem ominösen gelben Werkzeugkoffer auf der Bühne und spielten feinen, handgemachten 60s-inspirierten Rock, der jedem guten amerikanischen Roadmovie als Untermalung zur Ehre gereicht hätte. Warrens brillante Stimme vermochte es vortrefflich, den in den Texten transportierten Schmerz, die Melancholie zu porträtieren, die Weite amerikanischer Lande erstand vor dem geistigen Auge. Das Köfferchen - gefüllt mit allerlei Utensilien und einem Mikrofon - diente, rhythmisch von Warren geschüttelt, als Schlagzeugersatz. Das Publikum jedenfalls war hingerissen und quittierte diesen insbesondere im Vergleich zu Costners Auftritt später natürliche und authentische Gastspiel mit frenetischem Applaus.

Letzterer hingegen hat die Aufgabe im Rahmen seiner künstlerischen Möglichkeiten solide gelöst - seine Fans waren begeistert und folgten mit Freuden der Aufforderung des Stars, zum letzten Lied die Sitze zu verlassen und nach vorn vor die Bühne zu kommen. Zu den Klängen von "Superman", bei dem zum Abschluss endlich Geiger Bobby Yang seinen großen Auftritt bekam, gab es dann das große Kevin-Costner-Finale - samt Tanz mit Fans auf der Bühne und Champagner-Runde. Und am Ende waren fast alle irgendwie zufrieden. Jane Jannke

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.09.2011

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