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Königliche Dramendamen im Endkampf

Königliche Dramendamen im Endkampf

England gegen Schottland, Protestanten gegen Katholiken, Elisabeth gegen Maria, alte gegen junge Königin - der kurz nach seiner "Maria Stuart" frisch geadelte Friedrich von Schiller wusste um die Zeitlosigkeit seiner Geschichte.

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Elisabeth (Else Hennig, l.), Graf von Leicester (Jens Hollwedel), Maria Stuart (Anja Schreiber) und Talbot (Dieter Maas).

Quelle: Peter Awtukowitsch

Diese feierte 214 Jahre nach dem gewaltsamen Frühableben der schottischen Monarchin ihre Uraufführung in Weimar. Nun, just 215 Jahre darauf, steht es am Theater Plauen-Zwickau auf dem Spielplan. Schillers Finesse ist dabei die Konstruktion einer fiktiven Begegnung der beiden Rivalinnen im Garten des edlen und treuen Amias Paulet (Benjamin Petschke) kurz vor der Hinrichtung Marias, deren Vorgeschichte nicht genau überliefert ist. Dabei wäre die Stuart in natura - mittlerweile schon 19 Jahre lang in englischer Haft - bei diesem Streit 45, ihre kinder- wie ehelose Kontrahentin schon 54 Jahre alt. Die Lage eskaliert endgültig, Elisabeth unterschreibt Marias Todesurteil, aber verfügt nicht explizit, es schnell zu vollstrecken.

Bei Schiller nutzt Wilhelm Cecil, Baron von Burleigh, in voller Kaltblütigkeit von Oberspielleiter Gilbert Mieroph gespielt, die Chance, um seine Dauerfehde mit den Grafen von Leicester (Jens Hollwedel) und Shrewsbury (Dieter Maas) für sich zu entscheiden. Beide sind gegen die Enthauptung - der junge Opportunist Robert Dudley aus persönlichen, der alte Weise Georg Talbot aus moralischen Gründen. Doch der Baron entwendet das Urteil vom Staatssekretär Davison (Timon Schleheck) und spielt Schicksal. So kommt die Entlastung Marias bei Elisabeth zu spät, macht sie aber an deren Tod pro forma unschuldig und fortan noch mächtiger -

Else Hennig spielt die Elisabeth so hart wie schlau, wie man sich die Jungfrau aus London - en passant erfolglos umworben von einem tuntig-bunten Franzosen (Daniel Koch als Graf Aubespine) - nur vorstellen kann. Eine Regentin, wie man sie sich wünscht: jede Entscheidung mit klugen Beratern abwägend und strikt nach dem Wohl des Reiches entscheidend. Hennig, gesegnet mit einer barschen Stimme, nimmt man aber auch gut die Überraschung bei der Begegnung mit der jungen, schönen und (zu) stolzen Maria ab, von Anja Schreiber ebenso passend, ergo überbordend empathisch gegeben. Deren Esprit verfällt nicht nur der feige Dudley sondern auch der wilde Mortimer (Matthias Wagner), der sich, um sie zu befreien, sogar als ihr vermeintlicher Mörder verdingt und dabei heißspornig draufgeht.

Der Regie führende Generalintendant Roland May macht daraus einen schnörkellosen Klassiker in Altmeistermanier, der im ehrwürdigen Gewandhaus zu Zwickau begeisterte Premiere vor einem erstaunlich jung durchsetzten Publikum feierte. Bei May bleibt dieser Schiller - anders als jüngst in Leipzig und Zittau - des Vertrauens auf die ursprüngliche Wortwucht unberaubt. Die Kulisse von Oliver Kostecka ist eine eckig-versetzte, karge Beton- und Holztäfelung, die sich schnell anheben und abesenken lässt und damit blitzschnell drei verschiedene Räume (Kerker, Schloss und Garten) generieren kann. Auch die klaren und farbigen Kostüme (Luisa Lange) spielen mit Zeitlosigkeit, sind aber, so wie die rare Musik, nur Beiwerk.

Alle Hauptrollen meistern ihre schwierigen Monologe, die schillernde Moral - Machterhalt erfordert schmutzige Entscheidungen, die dennoch klug wie richtig sind - bleibt unverzerrt.

Wieder am 5. & 6. Juni im Gewandhaus Zwickau; www.theater-plauen-zwickau.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.06.2015

Andreas Herrmann

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