Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Google+
Kleinkunst ohne Keller - Frank Peters Kleinkunstbühne bezieht Quartier im ehemaligen "Szeged"

Kleinkunst ohne Keller - Frank Peters Kleinkunstbühne bezieht Quartier im ehemaligen "Szeged"

"Jetzt gibt's bei uns endlich wieder schöne, runde Kabarett-Abende!" Optimismus klingt aus Frank Peters' Stimme, als er die neue Spielstätte seines Kleinkunsttheaters vorführt.

Voriger Artikel
Versöhnung auf Bengali - die indische Tripura Puppet Group gastierte am Dresdner theater junge generation
Nächster Artikel
"Das beste Pferd im Stall" - Sonja Beißwenger spielt die Polly in Brechts "Dreigroschenoper"

Frank Peters im Sarrasani-Saal des "Steiger" am Landhaus: Hier soll heute die Bühne errichtet werden.

Quelle: Dietrich Flechtner

Ende der Woche ist der Umzug unter das Dach des "Steiger" im ehemaligen "Szeged" in der Wilsdruffer Straße perfekt.

Etwas ungewohnt ist alles noch. Was ein echter Kleinkunstkeller ist, so stellt auch Peters lachend fest, residiert für gewöhnlich unter Tage. Den Keller muss man zwar nun gegen ein gemütliches Erdgeschoss tauschen, doch eine Namensänderung stehe dennoch außer Frage. Man muss schließlich Kompromisse eingehen. Seine Zelte schlägt Peters vorläufig im "Sarrasani-Saal" des sich über zwei Etagen erstreckenden Bergmannslokals auf. An den Wänden prangen Spielmanns- und Harlekinmotive - das assoziiert schon mal eine gewisse Nähe zur künftigen Bühnenfunktion. "Von der Größe her ist es ungefähr so wie damals im Keller am Wasaplatz", zeigt sich Peters zufrieden.

Der "Keller am Wasaplatz", das war neun Jahre lang die Heimat von Franks Kleinkunstkeller, der im Dezember sein zehnjähriges Bestehen feiert. Und ein wenig Traurigkeit schwingt immer noch mit, wenn Peters und Lebensgefährtin Karina Hubrich an die Zeit im gemütlich-schummrigen Gewölbe zurückdenken. Im Jahr 2001 hatte sich der studierte Maschinenbauer und Hobbyschauspieler hier seinen Lebenstraum von der eigenen Kabarett-Kneipe erfüllt. Mit Inszenierungen, in denen er auch selbst meistens mitspielt, sicherte er sich ein kleines, aber feines Stammpublikum. Peters kochte selbst für seine Gäste, Freundin Karina servierte und besorgte die Bühnentechnik - bis die marode Bausubstanz die kleine Bühne im April dieses Jahres zum Auszug zwang.

Zunächst fand der Kleinkunstkeller im "Barococo" am Altmarkt Asyl. "Das war aber von Beginn an mehr eine Übergangslösung", sagt Peters. Auch wenn er dem Betreiber überaus dankbar ist: Es passte einfach nicht. "Das größte Problem war, dass wir keine Werbung für uns machen konnten. Am Haus selbst durften keine Schilder angebracht werden. Auf uns wies also praktisch nichts hin." Die Lage im Keller entpuppte sich hier zudem eher als Fiasko: "Zum Essen mussten die Leute immer hoch ins Restaurant gehen, und bei uns war dann Leere angesagt."

Auf die neue Spielstätte im "Steiger" setzt Frank Peters nun seine ganze Hoffnung. Die Infrastruktur sei ideal. "Erstmals sind wir sozusagen barrierefrei. Es gibt keine Treppen und ein Behinderten-WC." Zumindest, wenn im circa 50 Personen fassenden Sarrasani-Saal gespielt wird. Im Falle höherer Gästezahlen kann die Bühne auch in den "Stollen", einen großen Nebenraum mit angrenzender "Künstlergarderobe" im Obergeschoss, umziehen. Betriebsleiter Sebastian Matthis, der die Kleinkunsttruppe im Hause aufnahm, zeigt sich da sehr flexibel. Kein Wunder, denn für das Restaurant könnte die eine echte Bereicherung sein. Die Theatergäste können sich aus der Küche versorgen lassen und sorgen auch im Anschluss für laufende Bierhähne. "Wir schauen uns das die kommenden Monate an und entscheiden dann, ob etwas Dauerhaftes daraus wird", so Matthis.

Frank Peters freut sich derweil über den zentralen Standort und die günstigen Bedingungen. Und auch die Geschichte des Hauses als Kultgaststätte aus DDR-Tagen weiß zu begeistern, als die breite Wendeltreppe vor allem deshalb so sinnvoll war, weil sich darauf die Schlange derjenigen besser verteilte, die nach einem der begehrten Plätze anstanden. "Ohne Vorbestellung lief hier nichts", erinnert sich Frank Peters lachend - und hofft, dass das in Sachen Kleinkunstkeller auch bald so sein wird. Heute wird die Bühne aufgebaut, für morgen, denn da steigt bereits die erste Vorstellung im neuen Heim: "Wenn der Sultan leise klingelt" ist ein ironischer Kabarett-Schwank mit kritischen Untertönen zur derzeitigen Rentner-Situation. Also genau richtig für die etablierte Zielgruppe der Über-40-Jährigen.

Zum Zehnjährigen ist am 24. November ein Theaterfest in Planung, zu dem ein Medley bekannter Stücke der vergangenen zehn Jahre zu erleben sein wird. Von dem ganzen Hin und Her um die Spielstätte lässt Frank Peters sich nicht entmutigen. "Ich hab in meinem Leben zwischen Karlsruhe und Kap Arkona gespielt. Wenn man fünf Jahre beim Theater war, hört man damit nicht mehr auf." Auch wenn die Wintersaison schon mal kein Wochenende kennt.

Jane Jannke

14.9. "Wenn der Sultan leise klingelt", Schwank mit Frank Peters und Anette Paul. Restaurant "Steiger" am Landhaus, Wilsdruffer Straße 4-6. Tickets: 15, erm. 13 Euro, erhältlich im "Steiger".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr