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Regional Klassentreffen der Komiker bei der Humorzone 2018 in Dresden
Nachrichten Kultur Regional Klassentreffen der Komiker bei der Humorzone 2018 in Dresden
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18:38 02.01.2018
Jochen Malmsheimer ist ebenfalls ein Künstler der Humorzone 2018. Quelle: dpa
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Dresden

In einem berühmten Lied von Wolfgang Ambros heißt es: „Es lebe der Zentralfriedhof, und alle seine Toten / Der Eintritt is für Lebende heit ausnahmslos verboten. / Weil da Tod a Fest heit gibt die gonze lange Nocht.“ Nun bittet der Tod in Dresden zu einem Fest – und alle freuen sich darauf, der Komiker Olaf Schubert, aber auch alle anderen, die im März die vierte Humorzone ausrichten, deren Schirmherr der nun 50 Jahre alte Weltverbesserer im Pullunder ist. Der Tod? Das passe, „Dresden ist ja eine sterbende Stadt“, kalauerte Schubert und sparte bei der Humorzone-Pressekonferenz nicht mit komischen Sätzen, die gar keine Sinne, aber de facto durchaus eine Pointe haben.

Vom 7. bis 11. März lautet also einmal mehr die Devise „Man darf auch mal lachen müssen!“ Es ist der vierte Streich in Sachen Humorzone. Im Editorial des ausführlichen Programmheftes beteuert der in Fremdsprachen versierte Schubert, man habe sich bei der Planung vom „guten alten tschechischen“ Sprichwort „Never change a running system“ leiten lassen, man habe ein hochwertiges Programm geschnürt, auch wenn man natürlich um die Unmöglichkeit des Wollens wisse, was das Herauspicken der Rosinen aus dem Konvolut angehe.

Gut 100 Künstler reisen an, der Einsatz von „finanziellen Lockmitteln“ zahlt sich aus, zudem würden „alle ’nen Beutel mit was drinnen kriegen“, wie Schubert mit ernstem Gesicht gestand. Vor allem bei Chris Tall seien enorme Summen geflossen, um ihn für die Abschlussgala am 11. März um 18 Uhr im Alten Schlachthof zu gewinnen. Die wird vom „Mittelmäßigen Rundfunk“, einem der bewährten Medienpartner der Humorzone, aufgezeichnet und später übertragen. Chris Tall sei also mal nicht auf RTL, sondern „in den Niederungen der dritten Programme“ zu erleben. Jeden Abend sind bei diesem Klassentreffen der Komiker neun bis zwölf Shows zu erleben.

Auf Anweisung Schuberts öffnen sich wieder allerhand Theatertore in Dresden, um die immer größer werdende Bandbreite der Spaßkunst – von Comedy und Kabarett bis hin zu Clown-Theater und a cappella – vorzustellen. Auch „The Funny Side of Slam“ wird beschworen. Newcomer und Stars bunt gemixt, solistisch oder in speziellen HumorZonen-Mixshows, werden den Dresdnern zeigen, wie, warum und wo der Hammer hängt. 13 Bühnen gibt es insgesamt, neu als Spielstätte bzw. „Location“ sind das Projekttheater und der Ostpol, wo etwa am 8. März der „Frauentags-Absacker“ in Gestalt von nicht-nichtakoholischem Blubberwasser einverleibt werden kann, so dass frau frei nach dem Motto „Sekt in the City!“ angeschickert durch den Abend gehen kann. Für Schubert sind diese After-Show-Partys ja „das Wichtigste an einem Festival“ – geübte Vernissagen- und Premierenfeiergänger werden da wohl nicht widersprechen.

Nico Semsrott, Jochen Malmsheimer, den Tod, Horst Evers, Florian Schroeder, Gayle Tufts, Jogis Eleven, Gardi Hutter, Wladimir Kaminer, basta oder auch Chin Meyer zeigen, was sie an Pointen und Spitzen in punkto Comedy oder Kabarett so drauf haben. Bei der Programmgestaltung zog nicht zuletzt Die Agentour die Strippen, ganz besonders freut sich Katina Haubold, dass es ihr gelang, Jochen Malsheimer davon zu überzeugen, nicht nur im Boulevardtheater sein neues Programm „Dogensuppe Herzogin – ein Austopf mit Einlage“ vorzustellen, sondern auch bei der Gala mitzumischen.

Die Zärtlichkeiten mit Freunden laden in die Zotenzone: Herkuleskeule wie Breschke und Schuch warten jeweils mit einem „Spezial“ auf; mit Alain Frei kommt der Preisträger 2016 in der Kategorie „Bester Newcomer“ und die in Massachusetts aufgewachsene, unlängst aber zur Deutschen gewordene Gayle Tufts versucht als Superwoman in ihrem ganz eigenen, aber eben charakteristischen „Denglisch“, die Welt zu retten – „zumindest für einen Abend“. Es treten auch Künstler mit Migrationshintergrund auf, vorzugsweise in Jindrich Staidels „Migrantenscheune“, in der sich auch Johnny Armstrong aus den „Vereinigten Englischen Emiraten“ (Schubert) die Ehre gibt. Mit ihm konnte genau jener Typ Mann an die Elbe geholt werden, wie er in Dresden „besonders geliebt“ wird: Armstrong ist Vollbartträger, ist aber sonst vom Aussehen her nicht „gefangen im Körper eines Grabschers“, wie das Abdelkarim gern von sich zu sagen pflegt, der an sich ein Ostwestfale mit talibaneskem Gesichtstoupet ist und u.a. beim „Festival Warm up“ am 7. März, 19.30 Uhr wider Vorurteile ankämpft.

Bei der vergangenen Humorzone zählte man rund 10 000 Besucher, gut 90 Prozent aller Veranstaltungen waren laut Haubold ausverkauft. Insofern sollten diejenigen, die sich Karten sichern wollen, ihr Vorhaben nicht auf die lange Bank schieben.

www.humorzone.de

Von Christian Ruf

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