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Regional Kinder an die Macht
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17:09 23.09.2018
Im Aquarium des japanischen teamLab können eigene Phantasiewesen gezeichnet werden, die dann die interaktive Wand bevölkern. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Schon eingangs, am großen Tisch, fegt eine kleine Brise wie ein Vorbote durch die Räumlichkeiten. Fenster und Türen sind weit offen, der Wind wird geradezu eingeladen, die Luft in dem alten Gemäuer ordentlich durchzuwirbeln. Ein Vorgeschmack darauf, dass der Sommer doch noch ein Ende findet. Und ein metaphorischer Wink, ein Prickeln geradezu auf der Haut: Hier zieht wieder großflächig Leben ein, in der gesamten umlaufenden ersten Etage. Und die ist im Dresdner Japanischen Palais nun wahrlich nicht gerade klein.

Anlass ist, natürlich, eine Ausstellung. Doch damit hätten sich die Weisheiten an dieser Stelle auch schon erledigt. Diese Ausstellung ist nämlich etwas Besonderes im Kosmos dessen, was die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) sonst meist an prägenden Präsentationen in petto haben. Diesmal geht es vor allem ausdrücklich um das junge Zielpublikum. Mit Dresdens 1. Kinderbiennale – „eine Europapremiere“, wie SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann eingangs bemerkt – stehen die Kleinen als Publikum und Vorbereiter der Ausstellung gleich doppelt im Fokus. Denn Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren, von der Dresden International School sowie dem Kindertreff „Puzzle“ des Omse e. V., haben auf die Ausstellung ordentlich Einfluss genommen. Ganz so, wie sich das Kuratorin Florence Thurmes und ihr Team gewünscht haben.

Dabei blieb nämlich manches auf der Strecke. Und zwar „gut begründet“. So stieß das Projekt eines tschechischen Künstlers, der mit Styropor arbeitet, bei den Kids auf Widerstand – schlecht für die Umwelt. Kinder setzen als Kuratoren die Maßstäbe eben teilweise sehr anders. Dankenswerterweise.

Bei Dresdens 1. Kinderbiennale, einer Europapremiere, haben Kinder und Jugendliche kräftig Einfluss auf die Ausstellung genommen.

Dresden jedenfalls will mit dieser Biennale ein langfristiges Projekt in die Welt setzen. 2017 gab es in der Nationalgalerie Singapur den Auftakt, die Kooperation mit den SKD setzt sozusagen den klaren Zweijahreswechsel. Im Zuge der Dresdner Premiere, die am Sonnabend eröffnet wurde, darf man sich also schon auf die nächsten Ausgaben freuen.

Erstmal aber gilt die Aufmerksamkeit dem Auftakt, der unter dem Titel „Träume und Geschichten“ steht. Das Haus öffnet sich dabei zu einem Rundgang, der bei der Künstlerin Stephanie Lüning beginnt, die für die Dauer der Ausstellung – immerhin gut fünf Monate – ihr Atelier ins Japanische Palais verlegt hat. Mitten im Raum ist dort schon eine große Fläche mit Stoff bespannt, darauf können Besucher (nicht nur Kinder!) per gefärbten Eiswürfeln aus einem extra bereitstehenden Kühlschrank ein Bild kreieren.

In den folgenden Sälen ändert sich die Atmosphäre stellenweise sehr stark. So macht das japanische teamLab eine virtuelle Aquariumswelt auf (mit der Möglichkeit, seine eigenen Geschöpfe dort „schwimmen“ zu lassen), lässt Lynn Lu (die aus Singapur stammt) einen Raum für geheime Wünsche entstehen, baut Mark Justiniani (der von den Philippinen kommt) eine Art gläsernes Welträtsel, schafft die Französin Véronique Journard mit einfachen Mitteln eine sinnlich-taktile Fläche. Gleichberechtigt eingebettet in die Kunst ist auch eine sogenannte Traumwerkstatt, wo auf ausdrücklichen Wunsch der Kinder vor allem gedruckt werden kann – von 3-D bis Stempel.

Fragen, die die Kinder in der Vorbereitung des Ganzen stellten (Warum gibt’s keine Musik im Museum? Kann ich das mitnehmen? Warum ist das Kunst? Warum muss ich leise sein?), sollen der Ausstellung noch beigegeben werden. Mitnehmen können werden die Kinder beispielsweise Bonbons von Félix Gonzáles-Torres’ aus dem Albertinum bekannter Installation, die nun ins Palais umgezogen ist. Sie wird im November ersetzt von „The collectivity project“ von Olafur Eliasson: eine Ansammlung weißer Legosteine, die die Besucher zu ihrer ganz eigenen Form von gebauter und geträumter Zukunft zusammensetzen können.

„Was wir hier machen, soll sich richtig entfalten“, sagte Ackermann. Die Voraussetzungen sind da. Auch deshalb, weil der Eintritt und die Teilnahme an Wochenend- und Ferienworkshops sämtlich kostenlos sind. Es gibt also keine Ausreden mehr, wenn die Frage steht: Ins Museum? Dass das Haus auch museumspädagogisch dieses dicke Brett bohrt, ist bemerkenswert. Dass besonders in diesem Bereich personelle Aufstockung eine gute Idee ist, darf in Richtung Freistaat durchaus angemerkt werden.

bis 24. Februar 2019, geöffnet tgl. (außer Mo) 10 bis 18 Uhr

Informationen, Details, Programm: www.skd.museum/ausstellungen/kinderbiennale

Von Torsten Klaus

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