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Regional Kettcar mit politischer Musik in Dresdens Altem Schlachthof
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18:57 01.02.2018
Kettcar im Alten Schlachthof Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Mittwochabend, der kleine Samstag in Schweden – was die fünf Hamburger Jungs damit wohl sagen wollten, ist, dass sich an diesem Abend der große Saal des Alten Schlachthofes, gut gefüllt, auf ein Wiedersehen mit der Band Kettcar freute. Das Ü-30 angehauchte Publikum ließ sich von einem „Dresden, lang ist‘s her, Kettcar sind zurück!“ mitreißen und genossen ein circa 100-minütiges Set mit altbewährtem, stimmigem Deutsch-Pop-Rock. Wie Kurzgeschichten zogen sich die einzelnen Titel, dank Video-Einspielern oder Grafiken auf der bühnengroßen Leinwand, durch das Programm aus Titeln ihrer fünf bisher erschienenen Alben.

Haben sie sich 2002 mit ihrem Album „Du und wieviel von deinen Freunden“ noch um Liebesdinge, Trennungen und das innere Gefühlskarussell gesorgt, bringen sich Kettcar nun mit ihrem neuen Album „Ich vs. Wir“, erschienen 2017, viel mehr um die Uneinigkeiten und Verwirrungen der Mitmenschen und ihrer eigenen politischen Standhaftigkeit in den Mittelpunkt. Sie sind betroffen über die Sinnlosigkeit der Menschen im Titel „Ankunftshalle“. Oder wollen den Revolver entsichern – beim Wort „Gutmensch“.

Dieser, für sie der bewegendste Titel des neuen Albums, entstand, als sie gemeinsam im Wohnzimmer saßen und mal einen Song schreiben wollten, der nicht gegen sie, sondern für sie sei. Kettcar sprechen in ihrem aktuellen Werk, Unverarbeitetes des Mauersturzes 1989 und der für sie vergleichbaren Flüchtlingskrise, in der immer noch aktuellen Lage an – das nicht nur mal lapidar, sondern ehrlich, emotional und nah am Leben anknüpfend.

Das kann man mögen, gerade in dem bewährten textlichen sowie musikalischen Stil der Hamburger, muss man aber auch nicht. Traten einem vor 15 Jahren noch emotionale Gefühlsausbrüche in Augen und Ohren, ist es jetzt eher eine klare Ansage an das Unverdaute und den Missmut der Anti-Besorgt- wie -Gutbürger.

Es stellt sich nicht die Frage, warum es so einer so gestandenen Band wichtig ist, die nachhaltige Frustration plus aktueller rechtspopulistischer, den Schutzsuchenden entgegengesetzter Meinung, gerne auch auf die Dresdner Pegida-Bewegung bezogene Situation, aufzugreifen. Gäbe es nicht nur schon so viele kulturelle Ergüsse der letzten drei Jahre, die genau so denken und anprangern.

Marcus Wiebusch, Sänger und Gitarrist, war bereits in den Neunzigern Mitglied in einer politischen Punkband und gemeinsam mit seinem Bruder Lars Wiebusch, gesanglich unterstützend und am Keyboard stehend, Gitarrist Erik Langer, Reimer Bustorff als Bassist und seit 2010 begleitet von Schlagzeuger Christian Hake formieren sie sich als gutaussehendes, in schwarz gekleidetes und überzeugendes Quintett.

Das Publikum bedankt sich bei allen Titeln textsicher mitsingend und applaudierend und bejubelt jeden angekündigten Song. Die Hamburger plaudern gern in den Pausen, berichten vom Dosenbier am Mittag auf der Hauptstraße in Dresden und ihre Freude auf den Abend, der sicher groß werden wird, loben das alternative Kulturzentrum im Hecht und den „Starclub“, der zwar seit zehn Jahren schon Beatpol heißt, aber vielleicht soll das genauso so sein: Altbewährtes pflegen, sich seinem Stil treu bleiben, so wie die selig mitnickenden Zuhörer, die die Band kennen und dafür lieben.

Von Anne Gräfe

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