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Regional Familienbande: Die Kelly Family am Dresdner Elbufer
Nachrichten Kultur Regional Familienbande: Die Kelly Family am Dresdner Elbufer
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17:13 28.07.2018
The Kelly Family sind gerade auf „We Got Love“-Tour und legten einen Stopp bei den Filmnächte am Elbufer ein. Quelle: Andreas Weihs
Dresden

Irgendwann erreicht jeder das Alter, in dem er sich für musikalische Jugendsünden nicht mehr schämt, sondern sie mit einem wohligen Nostalgie-Gefühl vor der Öffentlichkeit ausbreitet. Die Großfamilie Kelly wurde zu Beginn der 1990er noch als schmuddelige, ungebildete Schar verlacht – und die in der Spitze ins millionenfache angewachsene Fanschar gleich mit. Heute ist klar, dass hier versierte Multiinstrumentalisten am Werke sind, die mit viel Herzblut (und ordentlich Druck vom Familienoberhaupt) ihr Lebenswerk von der Straße auf die Bühnen der Welt gehoben haben. Nicht umsonst legten die Kellys vergangenes Jahr eines der spektakulärsten Comebacks der deutschen Musikgeschichte hin.

Und so pilgerten am Freitag 12.000 bekennende Kelly Family-Fans jeglichen Alters und Geschlechts zu den ausverkauften Filmnächten am Elbufer, um sechs (zuweilen auch sieben) der insgesamt elf als Musiker aktiven Geschwister auf „We Got Love“-Tournee unter Mars und dem gegen 21.30 Uhr hereinbrechenden Blutmond zu sehen.

„Gibt es in Dresden so was wie Liebe?“, versuchte Jimmy Kelly zu Beginn das Publikum aus der Reserve zu locken. „Sonst gehen wir gleich nach Berlin!“ Politischer sollte dieser Abend dann aber nicht mehr werden. Stattdessen lieferten Angelo, Patricia, John, Kathy, Jimmy und Joey ein buntes Sammelsurium aus dem riesigen Fundus der 1978 beginnenden Bandgeschichte.

Für viele fielen an diesem Abend zwei Großereignisse zusammen – der Blutmond und das Konzert der Kelly Family. Doch Mondfinsternis hin oder her, die Fans feierten ihre Kellys.

Klar sind heute alle erwachsen. Und auch klar: Es fehlen zwei der talentiertesten Sänger der Familie: Maite und Paddy. Doch stehen die tieferen, kraftvollen Stimmen, zu denen die hohen Knabenstimmchen der drei mitmischenden Kelly-Brüder mutiert sind, den Klassikern gut zu Gesicht: Das bittersüße „An Angel“, geschrieben für die früh verstorbene Mutter, gesungen vom einstigen Nesthäkchen Angelo, mittlerweile gestandener Schlagzeuger mit langer blonder Mähne. Die megaerfolgreiche Single „I Can’t Help Myself“ oder auch „Why Why Why“ vom Überalbum „Over The Hump“ (1994).

Fast zur Nebensache geriet da der Titelsong der Tournee: Der Einsatz einer Kiss Cam während „We Got Love“ erzeugte nicht nur viele Küsse und Drücker – selbstverständlich gibt es in Dresden Liebe! – sondern auch herzliche Lachsalven im Publikum.

Zu einer Kelly Family-Retrospektive gehören selbstverständlich auch die langen Jahre der Straßenmusik. Mehrmals zog es die Band auch auf Dresdner Straßen. Papa Dan hätte die Stadt im Übrigen sehr gemocht. Als Erinnerung spielten die sechs samt Bruder Paul mit Schottenrock und Drehleier etliche Stücke ganz ohne Unterstützung der erstklassigen Begleitband. „So war das früher“, erklärte Angelo allen Zuspät-Geborenen das Straßenmusikkonzept. „Nur ein paar Instrumente – und das stundenlang.“

Wehmut klingt anders. Trotzdem liefen immer wieder und auch bei „Who’ll Come With Me“ alte Aufnahmen über die Leinwand. Sie zeigten Dan und seine malerische, langhaarige Kinderschar. Währenddessen fiel der ganz in weiß gekleidete John Kelly auf dem Bühnensteg auf die Knie. Eine rührende Szene. Dennoch bleibt der Eindruck, dass allen Bandmitgliedern bereits eine komplette Tournee in den Knochen steckt und der Unbeschwertheit, wie sie in der Dortmunder Westfalenhalle zu erleben war, einen kleinen Dämpfer verpasste.

Nächstes Sachsenkonzert: 29.07. Chemnitz.

Von Franziska Schmieder

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