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Karin Heyne und Christa Donner stellen im Roten Haus am Dippelsdorfer Teich aus

Karin Heyne und Christa Donner stellen im Roten Haus am Dippelsdorfer Teich aus

Das um 1900 erbaute rote Badehaus auf Dippelsdorfer Flur am gleichnamigen Teich nahe Friedewald war besonders 1909 und 1910 Motiv auf Aquarellen und Gemälden vor allem der Brücke-Künstler Heckel, Kirchner, Pechstein und Schmidt-Rottluff.

In den Stürmen der Zeit war das Gebäude verschwunden. 2005 rekonstruiert und nachgebaut als Kulturzentrum "Rotes Haus", gehört es heute zur Großgemeinde Moritzburg im Landkreis Meißen-Radebeul. "...mit dem Projekt 'Kunstsommer Moritzburg' (2013) möchten wir das Rote Haus ... im Sinne seiner kunsthistorischen Bedeutung wieder beleben", schreiben die Veranstalter der "Kulturlandschaft Moritzburg GmbH" in Zusammenarbeit mit den Künstlerinnen der "Dresdner Sezession 89 e.V." in der Einladung zu den ersten drei Ausstellungen in diesem Jahr.

Der Titel "Großstadt" dieser ersten Ausstellung ist wohl etwas weit hergeholt, aber wenn man die seriellen Porzellanobjekte von Christa Donner und die kaleidoskopartigen Siebdruck-Spiegelungen von Karin Heyne als Synonyme für die diskrete Rasterung diverser Städte versteht, mag der Titel einen gewissen Sinn ergeben.

Beide Künstlerinnen haben an der Kunsthochschule Dresden studiert. Die 1951 in Markranstädt bei Leipzig geborene Karin Heyne blieb nach ihrem Studium ab 1970 und dem Diplom als Malerin und Grafikerin bei Jutta Damme 1975 in Dresden ansässig. Christa Donner ist 1958 in Dippoldiswalde geboren. Nach ihrem Studium der Plastik zwischen 1982 und 1988 bei Helmut Heinze und Dietrich Nitzsche blieb sie auf dem Grundstück ihrer Großmutter in Karsdorf bodenständig sesshaft. Somit gehört sie zu den Künstlern des Osterzgebirges wie auch zur Kunstszene des Großraumes Dresden, der von der tschechischen Grenze bis Freiberg, Riesa, Großenhain, Bischofswerda und Seb-nitz grob umrissen sein mag. Beide waren 1989 Mitbegründerinnen des Künstlerinnen-Vereins "Dresdner Sezession 89 e.V."

Karin Heyne, die auf geradem Weg vom Abitur in Leipzig zum Studium kam, begründete und leitet seit 1991 die "Kreative Werkstatt Dresden e.V." auf der Bürgerstraße in Pieschen. Neben der Kurstätigkeit baut sie in diesen Rahmen seit 1994 eine Siebdruck- und eine Keramikwerkstatt auf. Ihre druckgrafische Tätigkeit verlagert sich von Linolschnitt und Offsetlithographie in den achtziger Jahren fast ausschließlich zum Siebdruck seit den neunziger Jahren. Die Sujets bewegen sich vom Figurativ-Zeichenhaften über grafische Raumverspannungen nahezu abstrakter Torsi in den letzten Linolschnitten und ersten Siebdrucken. Diese Raumstrukturen mutieren Anfang der Neunziger zu großformatigen, mit Weidenruten verstärkten Papierobjekten. Ein solches Papierobjekt von 2012 ist während der Ausstellung im Außenbereich an einem Baum installiert. Der überdimensionale "Wasserhahn" auf den Spuren des amerikanischen Pop-Künstlers Claes Oldenburg ist verbunden mit einer über einen Bewegungsmelder ausgelösten Klanginstallation mit der Stimme der Künstlerin.

Etwa zur gleichen Zeit, da Karin Heynes Papierobjekte beginnen, wandeln sich ihre Siebdrucke zu einem auf fotografischen Vorlagen basierenden kreativen Spiel mit linearen und axialen symmetrischen Spiegelungen. Zu Beginn dieser Phase waren es noch menschliche Hände, die ihr letzte Symbolik des Humanen waren. Kurz darauf beginnen ihre fotografischen "Abwasch-Stillleben", aus deren Töpfen und Tellern, Messern und Gabeln sowie Wasserhähnen und Schläuchen sie über ein Jahrzehnt die Sujets für ihre Spiegelungen schöpft. In diesen lassen zufällige Sachkombinationen neue Sinnzusammenhänge entstehen. Mit Arbeiten von 1997 bis 2002 bestimmen die Siebdruck-Spiegelungen ihren Beitrag zu dieser Ausstellung. Mit der letzten bildnerischen Arbeit "Hase I" von 2012, teils Malerei und teils Monotypie, hat sie nicht den Beuys-Hasen zitiert, sondern lediglich ihrem Atelier-Hasen, einem Kaninchen, das ihr Atelier bewohnt, ein Denkmal gesetzt.

Christa Donner absolvierte nach der Schule zwischen 1974 und 1984 eine Lehre und arbeitete an der in Freital beheimateten "Sächsischen Porzellan-Manufaktur Dresden", genannt "Porzelline", währenddessen sie die Abendschule besuchte und ihr Studium begann. Seit Ende des Studiums ist sie freischaffend, in der "Kreativen Werkstatt" arbeitet sie ebenfalls von Beginn an mit.

Ihr plastisches Werk beginnt mit den üblichen Studienarbeiten in Gips und frühen Figurationen in Holz. Bei Detlef Reinemer erprobte sie sich im Studium auch in keramischem Material. Dann kam die bildhauerische Arbeit im Stein dazu, vorrangig Sandstein und Alabaster. Wie ihr Haus in Karsdorf in wuchernder Natur gelegen ist, fließt diese auch in ihr Werk. In zahlreichen Objektkästen experimentiert sie mit vielfältigen Naturmaterialien. In ebensolcher Weise präsentiert sie in den letzten Jahren keramische Arbeiten. Ihre Experimente mit Naturmaterial reichen bis zu land-art-Installationen.

In dieser kleinen Ausstellung im Moritzburger Brücke-Refugium konzentriert sie sich auf Sandstein-Skulpturen, Objektkästen mit keramischem Material und kleinformatige Arbeiten in Porzellan - auch ihre Verbindung zur "Porzelline" ging nie verloren. Die meist im letzten Jahr entstandenen Arbeiten in weißem Porzellan sind sowohl reliefartig in Objektkästen gefasst, als auch freistehend wie "Wald" und "Allee". Die Reliefs, Gesichter und abstrakte Flächen leben von der Binnenstruktur und Durchbrüchen im Material sowie von der Wechselwirkung mit teils rasterartigem zeichnerischem Hintergrund in subtiler Farbigkeit.

Ihre Sandsteine sind vorrangig der menschlichen Figur verbunden. Es sind geschlossene Stücke, die immer dem Kubus des Steines verpflichtet bleiben: Köpfe, Liegende, Hockende, Stehende und Paare. Eine "Solveig" nach Henrik Ibsen wartet 2009 vergeblich auf den Geliebten und eine "Frau mit Eule" trägt dieses tierische Symbol für Weisheit 2011 auf der linken Schulter.

Ausnahme in Christa Donners Kollektion in dieser Ausstellung ist der Objektkasten "Woge" von 2008, Kombination von Keramik und Naturobjekt, Unterseite eines zerschnittenen Tellers und Elbkiesel. Dieses nahezu konstruktivistische Objekt schlägt eine Brücke zurück zum Titel der Ausstellung: "Großstadt".

Ausstellung in Dippelsdorf, Teichstraße, bis 23. Juni, Fr 14-19, Sa & So 10-18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.06.2013

Gunter Ziller

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