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Regional „Kami“ am Neumarkt: Installation aus Protestbildern
Nachrichten Kultur Regional „Kami“ am Neumarkt: Installation aus Protestbildern
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19:39 26.01.2018
Bewusst eingenebelt: die Installation „Kami“, die gestern an der Frauenkirche erstmals zu sehen war.  Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

 Das Timing war nahezu ideal. Die Glocken der Frauenkirche verklangen gerade, als sich zeitgleich zu den letzten Schlägen pünktlich um 18 Uhr der virtuelle Vorhang für die Kunst-Installation „Kami“ am Neumarkt hob. Mehrschichtige Folien-Abbilder berühmter Protestfotos der vergangenen Jahre, aufgehängt an einer meterhohen Metallkonstruktion, die wiederum an einem Kranarm befestigt ist. Das wäre der Bild-Teil. Dazu gesellt sich, als umgebende (Straßen-)Barrikade, ein kleiner Wall aus Autoreifen, aus dem in schöner Regelmäßigkeit Nebel aufsteigt. Nicht zuletzt rollt ebenfalls alle paar Minuten aufs Neue ein Sound über den Platz. Anfangs wie ein fernes Rauschen, kann man bei mehrmaligem Hinhören tatsächlich Geräusche ausmachen, wie sie auf gewalttätigen Demonstrationen zu vernehmen sind.

Dabei soll es eigentlich gar nicht um die politische Dimension von Protesten gehen, zumindest nicht aus künstlerischer Sicht. Das ließ der „Kami“-Schöpfer Sven Sauer nur wenige Minuten vor der Eröffnung seines Werkes das Publikum wissen, das vorab zum Künstlergespräch in die Unterkirche der Frauenkirche gekommen war. Doch Proteste und deren Bilder, die Sauer zusammen mit Soundkünstler Bony Stoev und Kuratorin Clara Cremer in Dresden nun an „geweihtem“ Ort zeigt, sind natürlich ihrem ganzen Wesen nach schon ziemlich politisch.

Drei Abende lang wird „Kami“ jeweils von 18 bis 22 Uhr zu sehen sein. Wir zeigen einen kleinen Einblick in das Projekt.

Wer nun aber dachte, dieses neue Kunstwerk wird – wie Manaf Halbounis „Monument“ der drei stehenden Busse oder Heike Mutters und Ulrich Genths „Denkmal für den permanenten Neuanfang“ – zu seiner Eröffnung lautstarke Proteste erfahren, der sah sich komplett getäuscht. Im Gegenteil: Als Sound, Nebel und Licht die übermannshohen Folienbilder erstmals einhüllten und freigaben (das ist tatsächlich gleichzeitig geschehen), herrschte fast Andächtigkeit bei den etwa 200 Menschen, die sich rund um das Kunstwerk eingefunden hatten. Viele umkreisten „Kami“, denn die Rückseiten der Folien zeigten zugleich auch die andere Perspektive der Proteste: Es sind die Schattenrisse von Polizisten, deren individuelle Kennung farblich verändert wurde und so verborgen bleibt. Damit wohnen den gezeigten Figuren tatsächlich „viele Aspekte“ inne, wie es Sauer in der Unterkirche formuliert hatte. Dazu kommt noch der ihrer medialen Verarbeitung, was ja schließlich zu den Bildern führte, bei denen sich Sauer bediente. Der, auch wenn er sich als Künstler im Gespräch apolitisch verortete, die politischen Bezüge des Ganzen schwer zurückweisen kann.

Die Besucher des Neumarkts können sich jedenfalls am Samstag und Sonntag jeweils von 18 bis 22 Uhr einfach selbst ein Bild machen, einlassen auf das, was „Kami“ ausstrahlt. Am Freitagabend wurden bereits zahlreiche Handys gezückt, ließen sich viele Leute auf diese Form eines Gesamtkunstwerks, das auch mit Effekten spielt, einfach ein. Ein Mann meinte, es erschließe sich ihm nicht. Doch das macht nichts. Der Versuch zählt.

Von Torsten Klaus

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