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„Kabarettistische Komödie“ mit Peter Flache im Dresdner Theaterkahn

Theater „Kabarettistische Komödie“ mit Peter Flache im Dresdner Theaterkahn

Auf dem Dresdner Theaterkahn hatte das die Kategorie „Kabarettistische Komödie“ fallende Soloprogramm „Backes Fest“ Premiere. Peter Flache verkörpert die unterschiedlichsten Dorfbewohner.

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Peter Flache als „Backe“

Quelle: Carsten Nüssler

Dresden. Impfen oder nicht impfen – das ist die Frage. Vor allem in grünalternaiven und linksliberalen Kreisen begrüßt man es zwar, dass die Teilnahme an der Grippewelle 2018 grundsätzlich kostenlos und einkommensunabhängig ist, meidet selbst Impfungen aber wie der Teufel das Weihwasser. Impfungen – sie sind wie sauberes Trinkwasser oder Hygiene alles Gründe für eine höhere Lebenserwartung, die wiederum aus Sicht eines Sargmachers grundsätzlich abzulehnen ist, weil schlecht fürs Geschäft.

Ein solcher Sargmacher mit Vornamen Ewald lebt im Dorf Malzau – und kommt nun neben vielen anderen Einwohnern des Ortes in dem Stück „Backes Fest“ zu Wort, das jetzt auf dem Theaterkahn Premiere hatte. Der in hiesigen Breiten bekannte Kabarettist und langjährige Biertheater-Autor Peter Flache spielt seine inzwischen Kult gewordene Figur „Backe“ Backental, der mit einem angeranzten, aber noch immer funktionstüchtigen Oldtimer-Roller vom Typ Schwalbe knatternd durch Malzau fährt und peu á peu die verschiedensten Dorfbewohner trifft, die sich nicht weniger vornehmen, als uns die Welt zu erklären. Und das natürlich ganz „objektiv“. Regie bei dieser „kabarettistischen Komödie“ führte Theaterkahn-Intendant Holger Böhme, der zusammen mit Flache auch an der Buchvorlage strickte.

Grundidee, deshalb auch der Titel: Backe will ein Fest feiern, weiß zwar nicht wirklich, warum, aber das Leben ist halt so kurz – „von hinten“ (her betrachtet). Carpe Diem. Dann machte man Bekanntschaft mit den verschiedensten Malzauern (samt und sonders gespielt von Flache), denen frei nach Jean Paul zu bescheinigen ist, dass sie vom Typus her manchen Äpfeln gleichen, „nicht die glatten sind die besten, sondern die rauen mit einigen Warzen“. Nicht, dass die Malzauer dumm wären, im Gegenteil: Einer ist sogar eine Art wandelndes Lexikon für Wissen, dass die Welt nicht braucht, was dann zur Folge hat, dass sich keiner so recht mit ihm unterhalten will, „denn für ein sinnvolles Gespräch brauchst Du ein gewisses Nichtwissen deines Gegenübers“, wie Backe ungeschminkt wie schlitzohrig kundtut, der sich auch sonst sicher ist, dass man „mit studierten Leuten kein vernünftiges Wort wechseln kann“.

So skurril und sonderbar, die Dörfler sind, keiner ist per se zum Davonlaufen. Sie haben eben ihre Schwächen und Macken – und die nimmt Flache in vielerlei Gestalt virtuos aufs Korn, ob er nun mit Vokuhila-Perücke auf Möchtegern-DJ und -Dichter Zacharias macht, oder einen hölzernen Brandschutzmeister spielt, der eine Laudatio auf die Einhaltung des Dienstweges hält und nach einem definitiv unnötigen Einsatz gleichwohl das Fazit zieht, alle seien „mit dem guten Gefühl nach Hause gegangen, das Richtige getan zu haben, auch wenn es falsch war“. Nicht wenige der Malzauer hoffen auf die Liebe, wobei eher nicht die zur Sowjetunion gemeint ist. Fakt ist aber: Bei der Partnersuche kann es selbst hier in Malzau, wo es einem nicht passieren kann, in den falschen Bus einzusteigen (typisch Dorf eben) nicht schaden, bewährte Kulturtechniken anzuwenden, also etwa den Dreiklang „Gespräch, Rotwein und Schallplattenmusik“, wie Flache versichert.

Der wandlungsfähige Flache hat ein bemerkenswert gutes Timing beim Ausspielen der Pointen, selten sind es platte Witzen, mit dem er nach Erfolg und Amüsement beim Publikum heischt, immer wieder wird es geradezu philosophisch-tiefsinnig, oft sogar schwarzhumorig. Sogar der eine oder andere Kalauer zündet, weil er mit Verve ausgespielt wird. Nicht zuletzt der Überraschungsmoment stimmt, kaum ein Gag fällt in die Sparte „Tausend mal gehört“, der Cousine der Kategorie „Tausend mal berührt“. Machos und Emanzen werden allerdings, jede Wette drauf, ganz unterschiedlicher Ansicht sein, was das Frauenbild dieser Produktion angeht, etwa wenn Flache sich zwar windet und herumdruckst, letztlich aber doch über eine eher mit Rubensformen daherkommende Vertreterin des „schönen“ Geschlechts wissen lässt: „Es gibt Frauen, die halten nicht das, was das Piktogramm verspricht“. Seiner eigenen besseren Hälfte wünscht er nur das Beste, nicht aber einen Bungeesprung. 50 Euro sind einfach zu teuer, zumal die holde Gattin noch nicht mal ganz unten ankommt, wie Backe treuherzig klagt.

Nächste Vorstellungen: 5. & 6.1., 20 Uhr, Karten unter: (0351) 496 94 50

Von Christian Ruf

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