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Regional Kabarettist Schaller: Wut ist die Triebkraft meiner Arbeit
Nachrichten Kultur Regional Kabarettist Schaller: Wut ist die Triebkraft meiner Arbeit
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08:40 25.06.2018
Der Kabarettist Wolfgang Schaller steht im Dresdner Kabarett «Herkuleskeule» neben einer Karl-Marx-Büste. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
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Dresden

Wolfgang Schaller sieht Kabarettisten in einer polarisierten Gesellschaft vor einer schwierigen, aber spannenden Aufgabe. „Früher hat uns die Wut über "die da oben" vereint. Heute sind das Land und die Parteien gespalten. Der Riss geht durch Familien, manchmal quer durchs Kabarett“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur: „Im Saal recken die verschiedenen Erwartungen den Hals“. Da sitze der Linke neben dem Konservativen oder dem AfD-Wähler: „Das bekommt man von der Bühne an den Reaktionen ganz gut mit. Das Ensemble wird gefeiert, aber es kam schon vor, dass beim Verlassen des Saals die Türen knallten.“ Am 28. Juni hat Schallers neues Stück „Freibier wird teurer“ im Dresdner Kabarett „Die Herkuleskeule“ Premiere - seine 50. Produktion.

Schaller (78), der mit seinem langjährigen Autorenkollegen Peter Ensikat (1941-2013) als Traumduo des ostdeutschen Kabaretts galt, bleibt dem politischen Ensemble-Kaberett treu. In seinen Texten scheut er weder klare Stellungnahmen noch intelligente Blödelei. Begeistert ist er von jungen Kollegen, die politische Probleme auf der Bühne verhandeln wollen: „Die Neuen kommen vom Theater zu uns, weil sie hier Klartext sprechen können.“ Schaller will nach eigenem Bekunden mit seinen Programmen den Zuschauern Mut zur Zivilcourage machen, sich zu Wort zu melden und sich nicht alles gefallen zu lassen: „Die Zuschauer fühlen sich bei uns mit ihren Problemen und Zukunftsängsten nicht allein.“

„Ich bin nicht mehr jung, aber der Zorn ist geblieben."

Bei allen ernsten Hintergründen gehe es aber auch um vergnügliche Unterhaltung, sagte er. Deshalb inszeniere er die Jubiläumsproduktion als „Polit-Revue“ - mit Bühnenbild, Lichtdesign und Showtreppe samt Nebel und viel Musik. Die Politik sei zurzeit ein Spektakel zwischen tragisch und komisch: „Die gegenwärtige Regierungskrise ist ja fast ein Shakespeare-Drama.“ Schaller drückt es im Untertitel seines neuen Stückes so aus: Lachen, wenn's zum Heulen ist.

Schaller zufolge sollte man US-Präsident Donald Trump nicht auf den Begriff „Realsatire“ reduzieren: „Überall Trump-Gags, eine Inflation von Witzen. Das ist mir zu wenig. Da verliert man langsam die Lust, auch noch "herumzutrumpeln"“. Es sei heute schwieriger, Themen auf die Bühne zu bringen, weil die Welt komplizierter geworden ist: „Früher schien es einfacher, da gab es Gut und Böse, da hatte man einen Standpunkt. Heute ist es wohl mehr ein Gehpunkt.“

An Ruhestand denkt „Unruhestifter“ Schaller nicht: „Ich bin nicht mehr jung, aber der Zorn ist geblieben. Wut ist die Triebkraft meiner Arbeit.“ Solange noch Gedanken aus dem Kopf „tropfen“, wolle er sich zu Wort melden und einmischen. Auch seine schon Kult gewordenen Kolumnen in der „Sächsischen Zeitung“ bewahren ihn davor, aus Verzweiflung einen Psychiater aufsuchen zu müssen, wie er es selbst ausdrückt: „Ich kann meine Wut zu Papier bringen.“

dpa

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