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Júníus Meyvant kommt in die Groovestation

Isländischer Soul in Dresden Júníus Meyvant kommt in die Groovestation

Júníus Meyvant von den Vestmannaeyjar Islands, unten im Inselsüden, reiht sich ein in jüngere Künstler, die sich dem Soul mit aufrechter Attitüde annehmen, Künstler wie Matthew E. White oder Nathaniel Rateliff & The Night Sweets. Wer aber meint, damit sei Meyvant in seiner isländischen Heimat eine Ausnahme, saß noch nie mit Kopfhörer im 12 Tonar, dem Plattenladen von Reykjavik.

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Júníus Meyvant

Quelle: Sigridur Unnur Ludviksdottir

Dresden. Es gibt keine Karten mehr! Halt, halt! Wer hat denn gesagt, dass es für das Dresden-Konzert von Júníus Meyvant keine mehr gibt? Gemeint ist der Auftritt beim Island-Musikfestival in der gerade eröffneten Elbphilharmonie Hamburg. Dort ist ja bis auf kaum absehbare Zeit alles ausverkauft, was Noten hat! Bedeutet also nicht viel. Und dann doch, denn wenn Júníus Meyvant in einem solchen Raum und Rahmen noch dazu mit großem Orchester auftritt, kann so viel nicht schiefgehen.

Meyvants neuerliches Dresden-Konzert – nach seinem Festivaltermin beim „Bronkow“ letzten September – wurde eingedampft. Nicht nur, weil es freilich keinen großen Klangkörper um ihn herum geben wird, nur eine Band, auch der ursprüngliche Ort wurde noch einmal verlegt. Unnar Gisli Sigurmundsson, so der echte Name des Nordmanns, spielt nunmehr in der Groovestation, nicht in der Schauburg.

Er muss sich strecken, um den kleinen Club zu vergrößern, Wände zu verschieben, Säulen auszuhebeln. Seine Musik kann das. Denn sie lebt von der Geste, vom Volumen, von der Verweigerung zu kleckern, sondern von herzigem Klotzen. „Floating Harmonies“ eben. So heißt die 2016 erschienene Debüt-CD (Record Records). So heißt auch die Band. Es ist ein Quartett mit Bass, Tasten, Drums plus Meyvants sehnender Stimme. Auf Platte wird der Stamm umspült von knapp 30 Gastmusikern, darunter kompakt arrangierten Streichern und Bläsern und Backgroundsängern. Das muss so sein, wenn man den Soul in seine Musik lässt! Soul, der nach den alten amerikanischen Vorbildern klingt, nach Chicago, Memphis und Detroit, der nach Motorenöl riecht und trotzdem das weiße Tüchlein im Revers nicht vermissen lässt. Wer je die großen Souler sah, weiß, was gemeint ist.

Júníus Meyvant von den Vestmannaeyjar Islands, unten im Inselsüden, reiht sich ein in jüngere Künstler, die sich dem Soul mit aufrechter Attitüde annehmen, Künstler wie Matthew E. White oder Nathaniel Rateliff & The Night Sweets. Wer aber meint, damit sei Meyvant in seiner isländischen Heimat eine Ausnahme, saß noch nie mit Kopfhörer im 12 Tonar, dem Plattenladen von Reykjavik. Denn dass es ein Klingt-wie-Island! gäbe, ist eh nur die Simplifizierung einer Pop-Kultur, das Beschneiden von mannigfaltigen Sounds und Klängen, das Reduzieren aufs Bärtig-Verfrickelte, auf traurige Klampfer und nimmermüde Frauen in weißen Gewändern und Strickmützen. Falsch, falsch und noch einmal falsch!

Júníus Meyvant also. Er sagt von sich selbst, er sei ausgelassen, kann sehr wohl traurige Musik schreiben, hält es aber lieber mit Muddy Waters, Otis Redding und Sam Cooke. 21 sei er gewesen, als die Musik ihn eingenommen hätte. Heute sieht sich der 33-Jährige als Kundschafter: „Ich würde mich eher als Musikarchitekt bezeichnen denn als Arbeitspferd an der Gitarre. Ich weiß genau, wie alles klingen soll. Das ist wie bei einem Bild: Der Farbton, wird es dunkel oder hell? Ich würde sagen, zu malen und Musik zu machen ist das Gleiche.“ Gemalt hat er übrigens auch. Er fährt exzessiv auch Skateboard, steht in seiner Biographie. Wem es dabei hilft, morge ins Konzert zu gehen (Motto: O, ein Skateboarder!), bitteschön!

„Floating Harmonies“ schwelgt in souligem Pop, in Liedern, die sich von jetzt auf gleich mitsingen lassen. „Colour Decay“ als 2014er Erfolgssingle natürlich zuvorderst, während „Beat Silent Need“ schon mal den Funk herausknackt. „Floating Harmonies“ ist ein Versprechen, Júníus Meyvant einer, der es halten kann!

Júníus Meyvant, morgen, 20 Uhr, Groovestation, Katharinenstraße 11-13

Von Andreas Körner

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