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Julia Hölscher inszeniert die Bühnenfassung nach Kästners "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten"

Julia Hölscher inszeniert die Bühnenfassung nach Kästners "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten"

Erich Kästners Frage "Wird's besser? Wird's schlimmer?", die er lakonisch beantwortet hat mit "Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich!", passt deutlich auch zu seiner "Fabian"-Geschichte.

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Lea Ruckpaul, Jan Maak und Philipp Lux.

Quelle: Matthias Horn

Dieser Roman, 1931 von der Deutschen Verlags-Anstalt herausgegeben, war eines jener Bücher, die am 10. Mai 1933 von deutschen Studenten "zentnerweise ins Feuer geschippt" (Kästner) wurden. Mit der Ankündigung "Gegen Dekadenz und moralischen Verfall, für Zucht und Sitte in Familie und Staat". Kästner stand dabei, "die "Faust in der Tasche geballt", und er sagte 25 Jahre später zur "Gedächtnisübung": "Das geistige Deutschland brachte sich und das geistige Deutschland um."

Erich Kästner war nach eigener Aussage nicht unbedingt zum Helden geboren, doch offenbar stets in der Lage, Entwicklungen zu beobachten, zu erahnen und deutlich zu benennen. Das beweist er in besonderer Zuspitzung auch mit "Fabian. Die Geschichte eines Moralisten". Das Staatsschauspiel Dresden hat jetzt den Versuch unternommen, diese Satire in einer für die Bühne eingerichteten Fassung von Felicitas Zürcher und Julia Hölscher herauszubringen. Und die Premiere am Wochenende im Kleinen Haus fand deutlich viel Beifall, besonders auch für die Darsteller, darunter als Gäste Tänzer aus der freien Szene.

Dennoch bleiben szenische Versionen von Romanen stets auch eine heikle Sache - in Dresden hat man da bereits diverse Erfahrungen gesammelt. Aber man weiß ja erst, wie es ausgeht, wenn man es auch versucht hat. Die Regisseurin Julia Hölscher zeichnet verantwortlich für diese Inszenierung, und da passiert etwas Merkwürdiges, schwer zu Beschreibendes, was weder dem einen noch dem anderen ausschließlich anzulasten wäre. Die Aufführung lebt speziell von Fabians Erzählung, und Philipp Lux gibt dieser Gestalt etwas Authentisches, was ihm schließlich noch immer gelungen ist. Er schafft es auch, die Figur glaubhaft in ihren Wandlungen zu zeichnen, vom nicht eingreifenden Beobachter bis hin zum Beteiligten und unmittelbar Betroffenen. Und letztlich erfährt der Zuschauer, Jakob Fabian sei umgekommen, als er einen neunjährigen Jungen, der ins Wasser gefallen ist, retten wollte. "Er konnte leider nicht schwimmen".

Warum es diese Geschichte dennoch schwer hat auf der Bühne? Der Inszenierung mangelt es einfach an Reibung - gedanklicher wie auch szenischer. Julia Hölscher arbeitet mit der jungen Tänzerin und Choreografin Johanna Roggan zusammen, und gemeinsam versuchen sie, für die Überzeichnung des entfesselten Berliner Lebens Ende der Goldenen Zwanziger bewegte Bilder zu schaffen. Dafür gibt es ja auch reichlich viele Beispiele in der Kunst dieser Zeit, doch so einfach lässt sich das offenbar mit Kästner nicht zusammenbringen, und das Ganze erscheint trotz Dramatik und Turbulenz wie mit einem Weichzeichner überarbeitet. Da ist die Absicht zu spüren, aber es ist nicht zwingend überzeugend.

Zuweilen fragt man sich auch bei so geschmäcklerischen Szenen wie jener mit der Mutter (Helga Werner), als Jakob Fabian sich unter deren Kleid verfangen muss, was uns die Regisseurin damit nur sagen will. Da haben die beiden Schauspieler doch weitaus bessere Möglichkeiten, um etwas über die Beziehung ihrer Figuren zu erzählen. Und es gibt etliche weitere Beispiele dieser Art, die fast schon hilflos anmuten. Man muss einfach dankbar sein angesichts der Qualität der Darsteller, die sich wie beispielsweise Oda Pretzschner in mehreren Rollen am eigenen Schopf aus dem Wirrwarr ziehen.

Dabei gibt es ebenso Szenen, die stimmig sind in der Symbiose von Bewegung und Sprache oder auch als Metapher. Darunter jene, als Philipp Lux zwischen Barhocker und "Theke" (Esther Bialas bietet mit ihrer markanten Bühne viele Möglichkeiten) seine "Laufübungen" macht und sich als Gegenüber Thomas Braungardt in der Rolle des Stephan Labude gleichfalls darin versucht, aber scheitert. Ebenso der Moment, wenn Jakob Fabian und Cornelia Battenberg (Lea Ruckpaul) beieinander sind und vor lauter "Wollust" die Bühne bebt oder wenn im Paternoster die ganze verrückte Gesellschaft auf kleinstem Raum zusammengepfercht ist.

Wie dem auch sei - letztlich bleibt das Geschehen irgendwie zu brav, fehlt es an Dynamik, an abstrahierter Form. Was nicht zwingend heißt, dass das Spiel, der Tanz exzessiver sein müsse. Aber eben doch intensiver und in den Konturen schärfer gezeichnet. Dann lässt sich auch der Bogen besser spannen bis hin zur Gegenwart: "Wir leben provisorisch, die Krise nimmt kein Ende!" In dieser Inszenierung bleibt das mehr eine Behauptung.

wieder 23. und 28. März sowie 25. und 30. April im Kleinen Haus

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.03.2013

Gabriele Gorgas

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