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Regional Jürgen Becker und der kabarettistische Beischlaf mit dem Eros
Nachrichten Kultur Regional Jürgen Becker und der kabarettistische Beischlaf mit dem Eros
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17:11 11.01.2018
Kabarettist Jürgen Becker hat immer ein Auge auf spezielle Themen. Quelle: Andre Kempner/Archiv
Pirna

Männer und Frauen sind, wenn sie Liebe und Sex haben wollen, aufeinander verwiesen, es sei denn, sie entschlössen sich zur Homosexualität. Was bleibt, ist das Leid am anderen Geschlecht. Dass da aber ausschließlich Leid im Spiel scheint, wie die täglichen Meldungen zur #MeToo-Debatte suggerieren, ist aber wohl nur die halbe Wahrheit. Das gleiche Verhalten, das der einen Frau als hinreißender Charme imponiert, empfindet eine andere als widerwärtige Anmache. Dass die große Schauspielerin Catherine Deneuve sich „der Kampagne der Denunziationen“ jetzt verweigert, in einer ungeschickten Anmache inklusive Kuss nicht gleich eine Vergewaltigung sehen will, kam in feministischen Kreisen gar nicht gut an.

Dass das Thema „Sex“ mit „Tretminen“ bestückt ist, das ist auch dem Kölner Kabarettisten Jürgen Becker klar, der im Tom-Pauls-Theater in Pirna sein Programm „Volksbegehren“ vorstellte, das ein einziger Gang durchs Minenfeld ist. Becker, der seit 25 Jahren im WDR „Mitternachtsspitzen“ setzt, wartet mit einem Abriss einer Kulturgeschichte der Fortpflanzung auf, wobei er seinen Vortrag mit der Einblendung berühmter erotischer bis pornografischer Kunstwerke garniert, etwa Samson und Delilah und sonstige Werke von Rubens und Rembrandt bis Edward Hopper und Picasso.

Das Thema Sex „fasziniert“ und sei eine „Quelle nie versiegender Erheiterung“, lässt Becker wissen, der hier und da auch gern einen Witz einflicht, der die berühmte Gürtellinie in der Regel nicht unterschreitet. Gut, ob man einen Witz wie „Fragt ein Steinzeitmann den anderen: ,Wenn ich Deine Frau schwängere, sind wir dann eigentlich verwandt?’ Antwort: ,Verwandt nicht, aber quitt.’“ lustig findet, hängt wohl auch von der Situation ab (siehe oben).

Wie aus dem Nichts kommen in diesem kabarettistischen Beischlaf mit dem Eros, in dem Fakten und Comedy eine Symbiose eingehen und der wie ein Diavortrag mit wissenschaftlichem Anstrich funktioniert, dann aber wieder durchaus böse Spitzen und intelligente Attacken. Etwa wenn Becker darüber sinniert, ob die alte und die Damenwelt nicht selten zum Lügen zwingende Männerfrage „Wie war ich?“ womöglich von der Frage „Wo bin ich?“ abgelöst wurde, jetzt wo viel Viagra zum Einsatz komme, zu dessen Nebenwirkungen bekanntlich gehört, Sehstörungen zu verursachen.

Nicht zu knapp reibt sich Becker an den Religionen, der katholischen vor allem, aber auch allen anderen Glaubensrichtungen, denen perfiderweise gemeinsam ist, dass sich Lustfeindlichkeit durch ihre Geschichte zieht und sie uns vorschreiben wollen, wie wir es mit der Sexualität zu halten haben, was vor allem bei Frauen nicht selten auf Unterdrückung hinausläuft. „Sex und Erkennen sind in der Bibel synonym“, da gelte es aufzupassen, wenn man von einem zu hören bekommt: „Darf ich mich erkenntlich zeigen?“

Becker amüsiert mitnichten nur, er bezieht, mal subtil, mal klar und deutlich, Position – pro Offenheit, Vernunft und Toleranz (insbesondere bei der Homosexualität), kontra AfD oder auch die CSU, deren Frauenbild („Mann, Frau, zwei Kinder und eine nackte Sekretärin“) ihm ein Gräuel ist. Wenn verhindert werden solle, dass Frauen in der Öffentlichkeit lachen (was in der Türkei ja schon gefordert wurde), weil das zu aufreizend sei, „dann sollte man keine Witzfigur als Staatspräsident aufstellen“. Erdogan ist für Becker eine solche Witzfigur. Putin, der ständig mit nacktem Oberkörper machohaft den großen Führer markieren zu müssen glaubt, ebenso. Und ja, Becker macht sich Gedanken über den Klimawandel, denn wenn der Meeresspiegel steigt, dann kommt wohl auch der Holländer, „da müssen wir über eine Obergrenze nachdenken“.

Und wie findet man nun die Partnerin für den Sex, jetzt mal abgesehen mittels der Dating-(Fuck-Me)-App Tinder? Da geht Becker entschieden konform mit dem Kölner Volksmund, der deutlich benennt, wie man die Gunst einer Frau gewinnt bzw. sie ins Bett bekommt: „Wer poppe will, muss fründlisch sinn“. Vom rheinländischen Dialekt machte Becker wiederholt Gebrauch, Verständnisschwierigkeiten sollten trotzdem die wenigsten im Saal gehabt haben, schon gar nicht, was die universelle Botschaft angeht.

Von Christian Ruf

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