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Regional Jubiläumskonzert des Dresdner Kammerchores in der Dreikönigskirche
Nachrichten Kultur Regional Jubiläumskonzert des Dresdner Kammerchores in der Dreikönigskirche
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21:00 12.02.2016
Der Dresdner Kammerchor beim Fototermin in der Dresdner Schlosskapelle Quelle: David Pinzer
Dresden

Zum 30-jährigen Bestehen hatte der Dresdner Kammerchor Auftragswerke mit dem Thema „Dresdner Stimm/ung/en“ an ehemalige und aktuelle Mitglieder des Ensembles vergeben. In seinem nunmehr vierten Jubiläumskonzert in der Dreikönigskirche tauchten Chor und Zuhörer somit in ganz verschiedene Klangwelten ein, erfreulich war dabei nicht zuletzt die Anwesenheit von Oberbürgermeister Dirk Hilbert, der damit sein Interesse an Gegenwart und Zukunft solcher Dresdner Kultur unterstrich.

Gewollte technische Irritation

Am experimentellsten war Peter Motzkus’ „Motette #3“, in der er ein Lied der Berliner Sängerin Dota verarbeitet hat, den Chor aber durch gewollte technische Irritation auch auf die Probe stellte. Durch über Ohrhörer eingespielte Töne nahm der Komponist den Sängern die Fähigkeit des aufeinander Hörens, wandelte den Chor zum Klanginstrument. Motzkus‘ Fuge ist theoretisch – in der Notation – wohl eine Fuge, für den Zuhörer war dies schwer nachzuvollziehen.

Der Abend hatte mit Alexander Keuks „KAN KUN“ ungewöhnlich begonnen. Der erste Teil verarbeitet die Pegida-Facebook-Einträge eines Internetskripts. Aus dem Schauspiel kennt man Versuche, dieses Zeitgeschehen aufzunehmen, doch kann man Hass-Botschaften in Musik umsetzen? Alexander Keuk hat den kontroversen Ansatz, eine Dresdner Stimmung aufzunehmen, bewusst gewählt. Ihm folgt die via Twitter verbreitete Aussage „Wir sind im Krieg…“ des französischen Premierministers, deren „Schlagkraft“ Keuk durch langsame Tempi und auf Worten Verharren konterkariert. Auch ein chinesisches Gedicht wandelt der Komponist, bezieht das darin enthaltene Idyll auf die Realität. Den Beginn des Trauermarsches aus den „Unsterblichen Opfern“ löst Keuk auf und gibt dem aufsteigenden Dreiklang eine offene Bedeutung: Hoffnung oder Trug?

Wasser, Schweigen, Schatten

Alle vier Komponisten schafften Bezüge durch Zitate. Silke Fraikin hat „Nachtgesänge für gemischten Chor“ geschrieben, lässt die Verse nicht in Zeilen singen, sondern über einer vokalen Grundierung ablaufen, hebt durch Lücken, Rückungen und Betonungen Schlüsselworte wie „Wasser“, „Schweigen“ und „Schatten“ hervor. Sie nimmt deutlich Bezug auf die Tradition eines Brahms und Schumann, verankert ihr Werk durch Einleitungen und Struktur aber auch in unserer Zeit.

Karsten Gundermanns Vertonung von Sonetten Andreas Gryphius‘ entfernt sich nach polyphonem Beginn mehr und mehr vom Gewohnten, wird immer freier, rhythmisch betonter, wogender und fremder, wobei der Komponist die fremden Elemente nicht aufeinander prallen lässt, sondern seine Musik damit bereichert. In der Synthese von Text und Musik ist seine „Gryphiade“ wohl das eingängigste der vier in diesem Konzert uraufgeführten Werke gewesen.

Der Abend zeugte von der Nachhaltigkeit der Chorarbeit des Dresdner Kammerchores und hat eine essentielle Qualität vorgeführt: die Fähigkeit, sich gemeinsam auf Neues einzustellen, Werke zu erarbeiten. Vielleicht klang nicht alles „schön“, doch sollten „Dresdner Stimm/ung/en“ das Unschöne keineswegs ausschließen. Angesichts der Fülle und Anforderung der Stücke war es beeindruckend, wie wandelbar und (viel)stimmig sich der Dresdner Kammerchor erneut zeigte. Das Publikum in der Dreikönigskirche war beeindruckt und begeistert.

Von Wolfram Quellmalz

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