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Jubiläumskonzert beim Dresdner Jugendsinfonieorchester

Jubiläumskonzert beim Dresdner Jugendsinfonieorchester

Kopfschüttelnd habe ich das Konzert der Ehemaligen des Dresdner Jugendsinfonieorchesters anlässlich seines 50. Jubiläums verlassen - beileibe nicht wegen der gebotenen, künstlerischen Qualität, ganz gewiss nicht.

Mit wie viel Engagement, Liebe und vor allem Können da musiziert wurde, das war beispielhaft und zeugt eindrucksvoll von der verantwortungsbewussten Arbeit, die hier über Jahrzehnte geleistet wurde. Es ist gelungen, dauerhaft die Liebe zur Musik in Herzen und Köpfe zu pflanzen. Das Ziel, ein neues, kenntnisreiches Konzertpublikum zu gewinnen, wurde und wird hier auf Schönste erreicht. Doch das Dresdner Jugendsinfonieorchester hat das "Unglück", dem Heinrich-Schütz-Konservatorium angegliedert zu sein. Und diesem verwehrt die Stadt die finanziellen Zuschüsse, die es zu seinem weiteren Bestand in der bisherigen Form benötigt. So ist dieses besondere, dem Ruf der Musikstadt Dresden verpflichtete Institut als Folge kurzsichtiger Kulturpolitik in seiner Existenz bedroht. Das ist wirklich nicht zu verstehen!

In großer Besetzung hatten sich frühere Orchestermitglieder zusammengefunden und spielten nun vor allem "Lieblingsstücke", die sie während ihrer orchestralen Laufbahn begleitet hatten. Ein bisschen Wasser-musik von Händel unter dem ehemaligen Orchesterdirigenten Steffen Leißner erinnerte an die Wurzeln des Orchesters. Es wurde einst als Streichorchester im Dresdner Pionierpalast gegründet. Klangschön und mit wunderbarer Bläserpracht kam sie nun hier zu Gehör.

Als äußerst reizvoll erwies sich die knappe, kontrastreiche Miniatur "Bulgarisch" von Kurt Schwaen. Und so recht etwas zum Schmunzeln war dann das 2007 uraufgeführte, von Milko Kersten orchestrierte Stück vom ungeschickten Koch, in dem auch ungewöhnliches Instrumentarium - Küchengeräte, raschelnde Tüten und ein klingelndes Telefon - zum Einsatz kamen. Der "Koch" Simon Rothe am Fagott musizierte es geschmeidig und mit Hingabe so wie auch seine Orchesterkollegen.

Das letzte Stück, das Steffen Leißner dirigierte, war eine Suite aus Gershwins "Porgy und Bess" in der Version des ehemaligen Orchesterchefs Harald Wenzel - mit rhythmischem Drive, Fingerspitzengefühl, orchestraler Sorgfalt, vor allem tollen Bläsern. Es war das reinste Vergnügen.

Den krönenden Abschluss bildeten dann drei Sätze aus Dvoraks vorletzter Sinfonie, der 8. in G-Dur op. 88. Es ist die Sinfonie, in der sich Dvorak nach langem kompositorischen Suchen musikalisch auf seine tschechischen Wurzeln besann. Das DJSO, in dem nun auch derzeitige Musiker saßen, unter Milko Kersten verstand es ausgezeichnet, den höchst unterschiedlichen Charakter der einzelnen Sätze hervorzustellen, begeisterte mit Feingefühl und glutvollen Farben. Beispielhaft seien die sanft träumenden Konturen des Adagios und das sehr sensibel musizierte Walzerthema des Allegrettos genannt.

Dem optimistischen, strahlenden Schluss des Finalsatzes folgten Standing Ovations und riesiger Jubel. Bleibt zu hoffen, dass dieser laut genug war, um die Kulturverantwortlichen der Stadt wach zu rütteln. M. Hanns

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.11.2012

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