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Regional Ju Sobing und das Thema „Heimat?“
Nachrichten Kultur Regional Ju Sobing und das Thema „Heimat?“
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22:00 03.11.2017
Ju Sobing Quelle: Michael Ernst
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Dresden

Der Ort für diese Ausstellung könnte nicht besser gewählt sein: Das Dresdner Kraszewski-Museum setzt sich mit Leben und Werk des zeitlebens umtriebigen, verfolgten und fliehenden Schriftsteller Józef Ignacy Kraszewski auseinander. Just in diesem Haus, wo der „Cosel“-Autor schaffensreiche Jahre im Exil verbringen konnte, ist nun in einer Sonderausstellung Malerei und Poesie von Ju Sobing zu sehen. „Heimat?“ heißt diese Schau, mit Fragezeichen.

Die seit 1992 in Radebeul lebende Künstlerin kam 1944 im damaligen Brückenberg zur Welt. Der idyllische Ort am Fuße der Schneekoppe gehört heute zum Touristenstädtchen Karpacz. Man kann sagen, dass der Urgroßvater von Ju Sobing mit einen Grundstein dafür gelegt hat, denn er betrieb dort das Hotel Sanssouci, das von Sobings Eltern fortgeführt wurde. Doch der Vater fiel im Zweiten Weltkrieg, die Mutter musste 1946 wie Tausende andere Menschen auch das nun zu Polen gehörende Schlesien verlassen.

Ju Sobing wuchs in Niedersachsen auf und bekam von früher Kindheit an das Gefühl der Heimatlosigkeit vermittelt. „Wir waren dort ja überhaupt nicht willkommen,“ berichtet sie, „und sind als ‚Pollacken‘ beschimpft worden.“ Vor allem jedoch die mütterlichen Erzählungen von der einstigen Heimat verstärkten die Empfindung eines großen Verlustes. Erst nachdem sie gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang Sobing nach Sachsen gezogen war, besuchte sie Karpacz ein erstes Mal. Inzwischen reist das Paar regelmäßig zum Wandern ins Riesengebirge. 2008 erhielt sie die Möglichkeit zu einem Arbeitsaufenthalt im Gerhart-Hauptmann-Haus Jelenia Góra (Agnetendorf).

Diese biografischen Hintergründe prägen sowohl das poetische Schaffen von Ju Sobing – in mehreren Gedichtbänden wird darüber sehr emotional berichtet, einer ist auch ins Polnische übersetzt worden – als auch ihre Malerei. In der Ausstellung „Heimat?“ mit dem Untertitel „Blau ist die Farbe der Erinnerung“ sind diese Bezüge unübersehbar. Collagen mit Berglandschaft erinnern an japanische Pinselmalerei, Fotografien des einstigen Familienhotels in seinem heutigen ruinösen Zustand werden in Zeichnungen zitiert, die erst eins zu eins das architektonische Anwesen abbilden, dann immer reduzierter werden und nur mehr von Andeutungen leben. Heimat als konkreter Ort, Heimat als verfließende Schimäre?

Sehr persönlich – und künstlerisch überzeugend – hat sich Ju Sobing auch mit dem Verlust ihrer Eltern beschäftigt. Dem in Italien gefallenen Vater sind bildnerische Fragen nach dem Sein gewidmet, Tagebuchaufzeichnungen der Mutter finden sich in großformatigen Überschreibungen – der Hauch von etwas Bleibendem, bis ins Unkenntliche verweht.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Heimat?“ wird Ju Sobing eine Auswahl ihrer Gedichte vortragen, ihr Übersetzer Józef Zaprucki liest sie in polnischer Version. Musikalisch begleitet der aus Zgorzelec stammende und in Dresden lebende Saxofonist Michael Skulski.

Vernissage mit Lesung: Sonntag, 5.11., 15 Uhr, Kraszewski-Museum, Nordstr. 28

Lesung mit Musik: Donnerstag, 9.11., 19 Uhr, Literaturhaus Villa Augustin

18. Februar 2018, Nordstr. 28, geöffnet Mi bis So 13 bis 18 Uhr

www.museen-dresden.de

Von Michael Ernst

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